Fußball
Besser auf oder neben dem Platz? Das schwierige Modell des Spielertrainers

Sendenhorst/Drensteinfurt -

Bei Oliver Logermann sind es maximal Ausnahmen, bei Florian Kraus hingegen ist es der Normalfall: Der Einsatz als Spielertrainer. Doch was ist eigentlich davon zu halten, was sind die Vor- und Nachteile? Unsere Zeitung fragte bei den hiesigen Coaches nach.

Montag, 04.03.2019, 08:00 Uhr
Ein Bild mit Seltenheitswert ist ein selbst spielender SV Drensteinfurt-Coach Oliver Logermann ( r.).
Ein Bild mit Seltenheitswert ist ein selbst spielender SV Drensteinfurt-Coach Oliver Logermann ( r.). Foto: Kleineidam

Da hat manch ein Zuschauer im Erlfeld schon ein bisschen gestaunt: Ist das nicht Oliver Logermann da auf dem Feld? Ja, er war es. Der ist eigentlich der coachende Mann an der Linie des Fußball-Bezirksligisten SV Drensteinfurt. Beim Heimspiel gegen SuS Ennigerloh vergangene Woche half er wegen großer Personalnot auf dem Platz aus. Zeitgleich traf Florian Kraus zweimal für seine A-Liga-Kicker der SG Sendenhorst – an sich nichts Besonderes. Schließlich ist die Doppelaufgabe des Spielertrainers für ihn schon lange Routine. Aber was ist denn nun interessanter: Als Coach auf oder neben dem Platz zu stehen?

„In den ersten 20 Minuten hat‘s noch Spaß gemacht“, erzählt Logermann mit einem Lachen auf den Lippen. Seine Knochen spürte er noch Tage später - die vollen 90 Minuten hatte der 34-Jährige beim 2:1-Sieg gegen Ennigerloh auf dem Grün gestanden. Normalerweise ist das aber nicht so sein Ding: „Auf dem Platz ist man noch einmal emotionaler dabei und hat nicht den besten Blick aufs Spiel“, so der SVD-Coach.

Logermann hat Erfahrung

Gemacht hat er es trotzdem schon einmal – jedoch als Co-Trainer. Unter Ivo Kolobaric stand er zuletzt in der Saison 16/17 für seinen SVD regelmäßig auf dem Platz – und eben auch im ständigen Austausch mit Chef-Coach Kolobaric. Indes war es auch bereits Logermanns zweiter Saisoneinsatz: Bereits im August wirkte Logermann 75 Minuten lang beim 1:0-Sieg gegen Wiedenbrücks Zweite mit. Die Erfahrung für solche Einsätze hat er jedenfalls: Er verzeichnet neben seiner Regionalligaerfahrung bei Preußen Münster sogar Einsätze in der Jugend-Nationalmannschaft.

Florian Kraus (2.v.r.) im Spieler-Jersey? Das ist Alltag für den Trainer der SG Sendenhorst.

Florian Kraus (2.v.r.) im Spieler-Jersey? Das ist Alltag für den Trainer der SG Sendenhorst. Foto: Heimspiel / Alex Piccin

Normalfall statt Notfall ist der Stammplatz des Spielertrainers Florian Kraus. Der kickt Woche für Woche bei der SG Sendenhorst und leitet seine Jungs eben vom Platz aus. „Das ist schon komplex. Man muss in beide Richtungen denken: Einerseits muss man natürlich die spielerische Leistung erbringen, gleichzeitig aber auch den allgemeinen Blick auf das Spiel behalten“, sagt Kraus. Auf dem Platz ist er mitten im Geschehen und nah dran - das erfordert ein spezielles Auftreten. „Man sollte seinen Spielern auf Augenhöhe begegnen - nicht als hätte man die Weisheit mit Löffeln gegessen.“

Hautnah dabei

Attraktiv findet das Konzept auch Sven Lewandowski, Trainer beim A-Ligisten GW Albersloh. Auch er war bis zur Saison 15/16 spielender Co-Trainer bei Wacker Mecklenbeck II. „Man erlebt das Geschehen hautnah und kriegt direkt mit, wo der Schuh drückt. Klar ist man auf dem Feld immer mit viel Emotionalität dabei, die spielt aber von außen genauso eine Rolle“, so Lewandowski. Sein Pass liegt noch in Mecklenbeck - wie wär es also mit einem Comeback? „Ich kann nur aus meiner Erfahrung als Co-Trainer sprechen. Allgemein ist das eine schwierige Konstellation, die aber sicherlich auch gut klappen kann.“

So kennt man ihn: Lebendig an der Linie ist Sven Lewandowski. Spielertrainer ist er hingegen nicht mehr. Obwohl ein Comeback bei Wacker Mecklenbeck durchaus im Bereich des Möglichen wäre...

So kennt man ihn: Lebendig an der Linie ist Sven Lewandowski. Spielertrainer ist er hingegen nicht mehr. Obwohl ein Comeback bei Wacker Mecklenbeck durchaus im Bereich des Möglichen wäre... Foto: Heimspiel / Fabian Renger

Den spielenden Co-Trainer hätte auch Roland Jungfermann, Coach des A-Ligisten SV Rinkerode, gerne an seiner Seite. Den Posten übernahm er selbst ebenfalls bei der Spielertrainer-Schmiede Wacker II, damals mit Rainer Weikert. „Ich persönlich habe die Sicht auf das Spiel am besten von außen – auf dem Platz macht man sich in der Trainerposition leicht angreifbar. Ein spielender Co-Trainer ist aber eine sehr gute Variante, um aus beiden Perspektiven zu profitieren.“

War, ähnlich wie Lewandowski, auch einst spielender Co-Trainer bei Wacker Mecklenbecks Zweitvertretung: Roland Jungfermann, Trainer des SV Rinkerode.

War, ähnlich wie Lewandowski, auch einst spielender Co-Trainer bei Wacker Mecklenbecks Zweitvertretung: Roland Jungfermann, Trainer des SV Rinkerode. Foto: Kock

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