SV Rinkerode verabschiedet Trainer Roland Jungfermann nach dreijähriger Zusammenarbeit
„Für mich ist der SVR ein Herzensverein“

Nach drei Jahren endet die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem SV Rinkerode und Trainer Roland Jungfermann. Am vergangenen Donnerstag wurden er und Co-Trainer Lennart Lüke verabschiedet.

Freitag, 19.06.2020, 13:52 Uhr aktualisiert: 21.06.2020, 12:54 Uhr
Mit Herz und Leidenschaft an der Seitenlinie: Unter Trainer Roland Jungfermann belegte der SV Rinkerode in drei Spielzeiten die Ränge zwei, sechs und zwölf.
Mit Herz und Leidenschaft an der Seitenlinie: Unter Trainer Roland Jungfermann belegte der SV Rinkerode in drei Spielzeiten die Ränge zwei, sechs und zwölf. Foto: Ulrich Schaper

Nachdem Jungfermann in seinem Premieren-Jahr nur knapp den Bezirksliga-Aufstieg verpasst hatte, wurde er Sechster und in dieser verkürzten Spielzeit Zwölfter. Im Interview mit Redakteur Ulrich Schaper spricht der Übungsleiter über das abrupte Saisonende, über Erreichtes und Verpasstes und über das innige Verhältnis zum SV Rinkerode.

 

Herr Jungfermann, diese Ihre letzte Saison beim SV Rinkerode dürften Sie sich anders vorgestellt haben. In der Winterpause hatten Sie bekannt gegeben, den Verein nach Ablauf der vereinbarten drei Jahre verlassen zu wollen. Dann kam Corona und die Spielzeit war abrupt zu Ende. Wie fühlte sich das an?

Roland Jungfermann: Ich bin da jetzt ja kein Einzelfall. Viele andere Trainer, die ihren derzeitigen Verein verlassen und wechseln, sind in der gleichen Situation und konnten sich nicht richtig verabschieden. Man muss aber sagen: Es gab bezüglich des Saisonabbruchs keine Alternative. Und wenn das so ist, dann muss man sich dem stellen und das Beste daraus machen.

Mindestens zweimal Training in der Woche, intensive Saison-Vorbereitungen, Freundschaftsspiele, Pokalbegegnungen und in der Saison jeden Sonntag eine Meisterschaftspartie – was macht jemand, der wie Sie den Fußball lebt, in einer Zeit, wo der Sport ruht?

Jungfermann: Ich bin zwar selbst aufgrund meiner Knieprobleme nicht richtig zum Sport gekommen – habe aber dennoch mein Ideal-Gewicht wieder erreicht. Ich habe viel im Garten gearbeitet und war oft mit dem Hund draußen unterwegs. Es ist auch eine Erfahrung wert, wie normale Dinge den Alltag ausmachen können.

Hatten Sie denn wenigstens nach den Lockerungen die Chance, sich persönlich von Ihrer Mannschaft zu verabschieden?

Jungfermann: Ja, seitdem man das wieder darf, trainieren wir wieder auf freiwilliger Basis zusammen. Ich hab in der Corona-Zeit den Jungs immer mal wieder was in unsere Whatsapp-Gruppe gestellt, damit sich jeder individuell fit halten kann. So hatten wir zumindest ein bisschen das Gefühl noch in Kontakt zu bleiben. Aber klar, so, wie die Saison plötzlich zu Ende war, das war für uns alle ein merkwürdiges Gefühl.

Sie hatten in der Hinrunde viele personelle Probleme. Im Abschlussranking wird der SVR auf Platz zwölf geführt. Das ist sicher nicht, was Sie sich zum Abschied gewünscht hätten...

Jungfermann: Ich glaube, wir haben nach der Rückrunde gegen Bösensell gezeigt, dass wir uns im Winter gesteigert haben. Da hatten wir auch einen reduzierten Kader, aber mit den Neuzugängen und den Rückkehrern hatten wir wieder mehr Optionen. Ich glaube, wir hätten in der Rückrunde eine deutlich bessere Rolle spielen können – das hätten wir natürlich gerne auch unter Beweis gestellt. Rinkerode hat in der Vergangenheit ohnehin immer eine stärkere Hin- wie Rückrunde gespielt.

Was verbinden Sie persönlich mit Ihrer Zeit in Rinkerode?

Jungfermann: Ich bin dem SV Rinkerode sehr dankbar für die drei Jahre. Auch in den Phasen, wo wir wenig Personal hatten, wo die Ergebnisse nicht stimmten, wo wir nicht den Fußball gespielt haben, den Rinkerode spielen kann – ich hatte nie das Gefühl, dass der Verein gesagt hat, das läge am Trainer. Ich hatte immer vollstes Vertrauen und volle Unterstützung. Da bin ich dem SVR für die Loyalität sehr dankbar. Für mich ist es ein Herzensverein geworden, dem ich weiter verbunden bleiben werde, den ich sicher auch mal wieder besuchen werde.

Und sportlich? Was bleibt aus dieser Zeit zurück? Womit sind Sie zufrieden, was hätte aus Ihrer Sicht besser laufen können?

Jungfermann: Gleich im ersten Jahr haben wir ja knapp den Aufstieg verpasst. Das wäre natürlich die Krönung gewesen. Man muss das aber auch immer aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Ich glaube, dass der Verein – und das meine ich nicht abwertend – gut aufgehoben ist, wenn er in der Kreisliga A oben mitspielt. Ich glaube, dass der Schritt Bezirksliga eine herausragende Leistung gewesen wäre – wobei die Saison an sich schon eine wirklich herausragende gewesen ist. Da hat nur das I-Tüpfelchen gefehlt. Man muss dann auch ehrlich zu sich sein: Wenn es in solch entscheidenden Spielen nicht reicht, dann reicht es einfach nicht.

Man muss ja auch sagen, dass das Jahr nach dem verpassten Aufstieg nicht einfach war...

Jungfermann: Das muss man so sagen, ja. In der Bezirksliga wäre der Verein an seine Grenzen gestoßen. Das erste Jahr war ein herausragendes fußballerisches Jahr. Mannschaftliche Geschlossenheit, spielerisch, taktisch – da haben sich die Jungs enorm entwickelt. Im zweiten Jahr war dann, vielleicht auch dem Nichtaufstieg geschuldet, ein Bruch drin. Da waren dann noch ein paar Abgänge, die wir nicht kompensieren konnten. Ohne neue Spieler haben wir dann keine Aufbruchstimmung mehr erzeugen können. Und auch im dritten Jahr haben wir im Grunde mehr Personal verloren, als wir gewinnen konnten. Wenn wir alle beisammen gehabt hätten, und wenn wir unser Potenzial abgerufen hätten, hätten wir zwischen Platz vier und sechs landen können. Das haben wir aber nicht. Das ist schade, und das bleibt leider ein bisschen hängen.

Sie werden ab der kommenden Saison die erste Mannschaft der Warendorfer SU trainieren. Wie planen Sie die Vorbereitung? Haben Sie Ihr neues Team bereits kennen gelernt?

Jungfermann: Ich war in dieser Woche zur Besprechung in Warendorf. Wir haben da jetzt auch einen Co-Trainer verpflichten können. Ich habe einen vorläufigen Trainingsplan gemacht. Wir fangen am 4. Juli mit der Vorbereitung an. Bis zum 31. August sind ja nach derzeitigem Stand Vorbereitungsspiele gestrichen – möglicherweise ändert sich da noch etwas in den Bestimmungen.

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