Fußball: Aktion der Telgter C-Jugend
Ein Lama und zwei Ziegen für Bolivien

Telgte -

Videochats, Ausdauerläufe, Workouts – die C-Junioren der SG Telgte lassen sich auch im Lockdown nicht hängen. Und sie denken nicht nur an sich. Die Trainer haben eine Aktion initiiert, bei der sich die Nachwuchskicker für Kinder und deren Familien in Bolivien engagieren.

Samstag, 19.12.2020, 05:16 Uhr aktualisiert: 19.12.2020, 05:20 Uhr
Die Telgter C-Junioren sind auch im Lockdown sehr aktiv – individuell, versteht sich. Und sie haben Geld erarbeitet für ein Hilfsprojekt in Südamerika.
Die Telgter C-Junioren sind auch im Lockdown sehr aktiv – individuell, versteht sich. Und sie haben Geld erarbeitet für ein Hilfsprojekt in Südamerika. Foto: SG Telgte

Beim Dauer-Kopfball waren die beiden SG-Trainer besser. Beim Tennisball-, Fußball- und Klopapierrollen-Hochhalten waren die Spieler erfolgreicher. Die wöchentliche Challenge der Telgter C-Jugend mit ihren Übungsleitern Udo Schmidt und Volker Matthias im Online-Meeting hatte wechselnde Gewinner.

Irgendwie muss ja auch ein Nachwuchsteam im Sport-Lockdown Mannschaftsgeist pflegen und fit bleiben. Die C-Jugendlichen, die in diesem Jahr in die Bezirksliga aufgestiegen sind, haben das in den vergangenen Wochen sehr intensiv betrieben. Und nicht nur das: Die SG-Kicker haben sich in dieser Zeit Geld erarbeitet für ein soziales Projekt in Südamerika.

Umfang schnell erhöht

Als nach den Herbstferien der Spielbetrieb eingestellt werden musste, hofften Schmidt und Matthias noch auf eine Fortsetzung der Saison in diesem Jahr. Um nicht einzurosten und den Kontakt untereinander aufrechtzuerhalten, verabredete sich das Team jeden Dienstag zu einer Videokonferenz.

Daneben bestritten die Spieler in der ersten Woche zwei Vier-Kilometer-Läufe, ein Neun-Minuten-Workout mit Burpees (eine Art Liegestützsprung), Kniebeugen und Liegestützen. Den Umfang erhöhten sie schnell auf drei Läufe über jeweils fünf Kilometer – „auf Zeit gesteigert“, so Matthias. Die Daten sendeten sie jeweils an die Trainer oder stellten sie in die Chatgruppe. Dazu kam die spaßige wöchentliche Challenge mit den beiden Coaches.

Im Laufe der Zeit änderten sich die Themen und auch ein wenig die Stimmung.

Volker Matthias

„Als sich herauskristallisierte, dass es in diesem Jahr nichts mehr mit dem Wettkampfspiel werden würde, entschied sich die Mannschaft selbst dafür, das Pensum hochzuhalten“, berichtet Matthias. Die Spieler absolvierten pro Woche zwei Zehn-Kilometer-Läufe und, um ihre Motorik und Koordination zu fördern, Life-Kinetik-Übungen.

„Bei den Videomeetings ging es zu Anfang der Pandemiezeit hoch her, es wurde viel gelacht und teilweise sogar musiziert“, sagt Matthias. Die Übungsleiter durften sich sogar mal ein Bier genehmigen. Die Teilnahmequote an den freiwilligen Meetings seit mit rund 95 Prozent zwar durchgehend hoch gewesen, so Matthias. „Im Laufe der Zeit änderten sich aber die Themen und auch ein wenig die Stimmung“, sagt der SG-Trainer. „Die ersten Kinder berichteten nun von Quarantäne-Aufenthalten, von kranken Freunden und fehlende Aussichten, ihren Lieblingssport wieder ausüben zu können.“

Um der Mannschaft vor Augen zu führen, dass es trotz der Einschränkungen im Trainingsbetrieb und in der Schule weiterhin allen Spielern und ihren Familien vergleichsweise gut geht, initiierten Schmidt und Matthias eine weitere Challenge.

Betrag verdoppelt

Jeder Junge sollte einen kleinen Beitrag durch eigene Arbeit bei Eltern, Großeltern, Freunden oder Bekannten verdienen. Die Jungkicker harkten Laub, falteten Wäsche, erledigten Besorgungen. So erzielten sie gemeinsam 150 Euro. Diesen Betrag verdoppelten die Eltern und Trainer. Das Geld kommt nun Kindern und deren Familien in Bolivien zugute.

Perspektiven bieten

Die Hilfsorganisation Plan International bietet zu Weihnachten die Möglichkeit, Kindern projektbezogen eine Zukunftsperspektive zu bieten. Mit einer Ziege samt Pflegeausbildung können sich Kinder und Familien eine Lebensgrundlage aufbauen, zum Beispiel durch Käseherstellung. Ein Lama zur Wollgewinnung mit dazugehöriger Ausbildung schaffe eine berufliche Zukunft für Jugendliche, heißt es bei der deutschen Hilfsorganisation.

Die C1-Fußballer der SG kauften als Gemeinschaftsprojekt ein Lama und zwei Ziegen für die Kinder in Bolivien und „schenkten so als Team anderen Menschen Freude“, sagt Matthias.

Verständlich, dass die Eltern und das Trainerduo stolz sind auf die Jungen. Für die Spende bekam die Mannschaft ein offizielles Zertifikat von Plan International.

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