Fußball: Regionalliga West
Ehrgeizige Stimmungskanone: Das ist René Grabowski

Ahlen -

Mit gerade mal 23 Jahren hat René Grabowski seine aktive Karriere als Fußball-Keeper beendet. Ein Schritt, zu dem er sich bewusst entschieden hat. Als Torwart-Trainer von RW Ahlen hat er ehrgeizige Ziele. Aber nicht nur deshalb besteht eine enge Verbindung zum Verein. Sie begann quasi schon im Mutterleib.

Montag, 21.12.2020, 16:10 Uhr
Das Wersestadion ist sein Wohnzimmer, der Platz zwischen den Pfosten die Wohlfühloase. Der erst 23-Jährige Torwarttrainer René Grabowski hat bei Rot-Weiß Ahlen seine fußballerische Heimat.
Das Wersestadion ist sein Wohnzimmer, der Platz zwischen den Pfosten die Wohlfühloase. Der erst 23-Jährige Torwarttrainer René Grabowski hat bei Rot-Weiß Ahlen seine fußballerische Heimat. Foto: Henning Wegener

Einmal Ahlener, immer Ahlener – das gilt zu 100 Prozent für René „Grabo“ Grabowski, der Rot-Weiß – bis auf ein Zwischenspiel bei Preußen Münster – immer die Treue gehalten hat. Kein Wunder, dass der gebürtige Ahlener das Wersestadion als sein Wohnzimmer bezeichnet. Mit seinen erst 23 Jahren gehört der derzeitige Torwart-Trainer daher zu den Urgesteinen.

Benannt nach einem Torschützen

Für wen sein Fußball-Herz schlägt, war früh vorgezeichnet. Im zarten Alter von drei Jahren nahm ihn sein Vater das erste Mal zu einem Spiel mit ins Wersestadion. Aber eigentlich beginnt die Geschichte noch viel früher – nämlich vor Grabos Geburt: In der Saison 1996/1997 spielte der Berliner René Deffke für LR Ahlen. Papa Grabowski, ein großer Fan des Stürmers, ging regelmäßig ins Stadion, um die Rot-Weißen anzufeuern – so auch an jenem Wochenende kurz vor dem errechneten Geburtstermin. Da die Eltern sich nicht auf einen Namen für ihren Erstgeborenen einigen konnten, schlug der Vater vor, den des ersten Torschützen an jenem Tag zu nehmen. „Ausgerechnet da trifft natürlich Deffke“, erzählt Grabowski rückblickend. „Von da an war klar, wie ich heiße. Im Verein kennt man mich aber nur unter Grabo.“ Ein Vetorecht hatte seine Mutter derweil nicht. Sie durfte aber später den Namen für Grabowkis Bruder Sören aussuchen.

In seinen ersten beiden Jahren im Verein, der damals noch LR hieß, war Grabo – wie sein Namensgeber Deffke – Stürmer und wurde erst danach zum Keeper umfunktioniert. „Für ein Jugendturnier fehlte ein Torwart. Alle wurden gefragt, ob sie Lust dazu haben, aber keiner wollte“, erinnert sich Grabowski. „Ich dachte nur: Da musste nicht viel laufen, das mache ich.“ Und von da an stand er im Ahlener Tor – bis zur U 14.

Ausflug zu den Preußen

In der Saison 2014/2015 wechselte René Grabowski nicht ganz freiwillig zum SC Preußen Münster. „Der Jugendkoordinator hat mir damals gesagt, dass es in Ahlen für mich nicht weiter geht. Das war schon ein Schlag ins Gesicht für mich“, sagt Grabowski. „Bei Preußen habe ich mich dann wieder ziemlich wohl gefühlt, aber auch da war irgendwann Endstation.“ Von Münster ging es beginnend mit der U 19 wieder nach Ahlen. „Danach habe ich zwei bis drei Jahre gar kein Fußball mehr gespielt.“

In diesem Sommer hat er offiziell seine Karriere als aktiver Torhüter beendet – obwohl er immer noch spielberechtigt ist. „Wenn einmal Not am Mann ist, stehe ich zur Verfügung.“ Zwei Mal wäre es in dieser Regionalliga-Saison fast schon soweit gewesen, aber vorrangig konzentriert Grabowski sich jetzt auf seine Aufgabe als Torwarttrainer: „Ich habe mich zu dem vorzeitigen Karriereende entschlossen, weil ich gerne Spieler begleite und etwas von meinen Erfahrungen weitergeben möchte. Ich finde es spannend, deren Entwicklung zu verfolgen.“

120 Prozent Einsatz – 20 Kilo weniger

Eigentlich hätte im Frühjahr der erste Torwarttrainer-Lehrgang auf dem Programm gestanden. Der wurde aber wegen der Corona-Pandemie schon zwei Mal verschoben. „Auf aktivem Weg ist der Profitraum wohl ausgeträumt, aber wer weiß, wie sich die Torwarttrainer-Geschichte entwickelt. Ich bin noch jung und kann noch viel lernen. Da kann etwas Gutes draus werden“, ist der 23-Jährige optimistisch.

Große Unterschiede zwischen dem Schlussmann und dem Torwarttrainer Grabo gibt es indes nicht: „Als Torwart hatte ich immer einen lockeren Spruch auf den Lippen“, sagt er. Und auch jetzt als Coach für die Schnapper ist er für die gute Laune im Team verantwortlich. Das, was er von sich selbst als Spieler verlangt hat, fordert er nun auch von seinen Spielern: 120 Prozent Einsatz auf dem Platz. „Ich bin da schon sehr extrem.“

Wenn Grabowski sich eine Sache vorgenommen hat, zieht er sie durch. Im Corona-Jahr wollte er beispielsweise abnehmen. 20 Kilo sind seit Anfang des Jahres runter. Und seinen Schützling Bernd Schipmann hat er gleich mit auf die Reise genommen: „Ich habe ihm gesagt, wir ziehen das zusammen durch.“

Als Torwart einen an der Waffel

Auch Schipmann hat seitdem deutlich an Gewicht verloren und ist fitter. Die beiden sind auch außerhalb des Platzes befreundet: „Torhüter verstehen sich immer auf Anhieb. Wir sind eine besondere Gruppe im Team. Als Torwart muss man einen an der Waffel haben“, sagt Grabowski. Dennoch gebe es ganz unterschiedliche Typen. „Der eine kann noch Späße machen, aber von jetzt auf gleich den Schalter umlegen und ist komplett im Tunnel. Der andere ist ab Donnerstag vor dem Spiel nicht mehr ansprechbar.“

Namensgeber René Deffke ist unterdessen auch als Fußball-Trainer tätig. Das wiederum kann sich Grabowski bisher nicht vorstellen: „Ich arbeite lieber im Hintergrund, aber vielleicht ändert sich das in einigen Jahren.“ Bis dahin ist der 23-Jährige in Ahlen weiter für die Torhüter zuständig. Und natürlich für die gute Laune.

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