Arthrose-Aus für Mister Fußball
Diagnose schockt Bernd Meyer: Das linke Knie verweigert den Dienst / „Das ist die Quittung meiner Beine“

Gronau-Epe -

Das Karriereende kam plötzlich und unerwartet für Bernd Meyer. „Es war eine ganz normale Trainingssituation auf dem Platz. Ich wollte den Ball mit der Außenseite spielen, als mein linkes Knie plötzlich und ohne Vorwarnung den Dienst verweigerte und stehen blieb“, erläutert Meyer, der mit seinen 55 Jahren der mit Abstand älteste aktive Fußballspieler im Kreis Ahaus-Coesfeld ist (war). Geschockt waren natürlich auch seine Mannschaftskameraden, Spieler der Reserve des FC Epe, die er seit 2010 als Spielertrainer in der B-Liga betreut.

Samstag, 24.12.2011, 08:12 Uhr

Es folgte der bittere Gang zum Arzt, der das bestätigte, was Bernd Meyer schon geahnt hatte: Arthrose im linken Knie . „Das ist die Quittung meiner Beine, mit denen ich um die 200 000 Kilometer gelaufen bin. Ganz normaler Verschleiß“, bringt der gelernte Bankkaufmann das Problem auf den Punkt. Wie weit es noch geht, entscheide jetzt die Vernunft. Sport könne er durchaus weiter treiben, allerdings müsse er sich dabei auf Sportarten wie Schwimmen, Radfahren und Inlinerfahren beschränken. „Ich war völlig fertig. Als erste Reaktion auf diese für mich absolut unglaubliche Nachricht habe ich mir erst einmal ein neues Paar Adidas-Fußballschuhe gekauft“, gesteht Bernd Meyer, der sein Karriere-Ende immer noch nicht wirklich verkraftet hat.

Wen wundert´s, lautet doch sein Lebensmotto „Man kann aufhören zu leben, aber nicht aufhören Fußball zu spielen“. Einen wirklichen Ersatz für „meine Königsdisziplin unter den Sportarten“, über die sich zudem für Meyer zahlreiche Kontakte ergeben, gibt es für den Eperaner nicht.

„Fußball ist mein Leben. Fußball bin ich. Und das wird auch so bleiben. Das heißt: Ich werde nach wie vor ein wenig im Training mitkicken, schnelle und abrupte Bewegungen aber vermeiden“, so Meyer. Darüber hinaus möchte der Vertriebstrainer der Volksbank Gronau-Ahaus mehr Musical-Besuche genießen oder abtauchen in den tollen Robinson-Clubs, in denen er die umfangreichen Sport- und Freizeitangebote zu schätzen weiß.

„Ich kann nicht tatenlos auf den Sportplatz gehen und einfach nur zuschauen. Ich muss mich bewegen und auspowern. Die meisten Aktiven hängen ihre Fußballschuhe an den Nagel, weil ihr Verstand ‚Ja‘ sagt, während ihre Knochen doch eher zum ‚Nein‘ tendieren. Bei mir ist es eben umgekehrt“, so der Eperaner, der bereits seit seinem sechsten Lebensjahr mit dieser Sportart verbunden ist.

1962 trat der gebürtige Eperaner dem FC Epe bei, wo er bis zur A-Jugend spielte. „Im Rahmen eines geplanten Probetrainings, das ich eigentlich beim FC Twente absolvieren wollte, blieb ich bei den Enschede Boys, dem Gründerverein des FC Twente, hängen und spielte fortan in der niederländischen Hoofdklaas“, erklärt Bernd Meyer. 1978 zog es den Eperaner jedoch zurück zu seinem Heimatverein in die Eper Bülten, in dem er unter dem früheren Bundesliga-Profi Manni Friedrich (SpVgg. Erkenschwick) in der Landesliga kickte. „Mit Gesinnungsgenossen wie Klaus Schlamann, Heinz Thörner, Josef Ostendorf, Wolfgang Müller oder Heinz Kronenberg hatten wir eine tolle Mannschaft und liebäugelten sogar mit der Verbandsliga“, berichtet Meyer mit glänzenden Augen.

Als Spielertrainer probierte er sich erstmals 1984 bei der SpVgg. Vreden, der weitere Verpflichtungen bei Union Wessum (1985-1988), FC Epe (1988–1990), Arminia Gronau (1990-1995), SC Ahle (1995-2010) und FC Epe 2 (2010-heute) folgten.

Auf dem Grün, das für Bernd Meyer die Welt bedeutet, war der Linksfuß im Sturm, im linken Mittelfeld sowie in der Abwehr im Einsatz. Einen Lieblingsverein habe er nicht. „Als einzigen Verein mag ich eigentlich nur den FC Schalke 04 nicht“, so Meyer. Sein Vorbild war schon immer Wolfgang Overath. „Ein genialer, leichtfüßiger Linksfuß, der es verstand, gute und lange Pässe zu schlagen. Doch auch Arjen Robben sehe ich gerne spielen. Einfach klasse, wie er trotz seiner zahlreichen Verletzungen immer wiederkommt.“

Als Wettkönig machte Bernd Meyer insbesondere in seiner Zeit als Spielertrainer des SC Ahle von sich reden. „Ich hatte immer viel Spaß mit den Jungen, sei es bei Wetteinsätzen wie einer Pilgerreise von Epe nach Münster oder einer Autowaschaktion auf dem Sportplatz. Auch momentan läuft wieder eine kleine Wette zwischen mir und meinen Mannschaftskameraden. Sollten wir um den Wiederaufstieg in die Kreisliga A mitspielen, fahre ich mit dem Rad im Schalke-Trikot von Epe nach Dortmund.“

In der Tat blutet dem 55-Jährigen die Seele bei dem Gedanken, dass das Überstreifen eines Fußball-Trikots, die Nervosität vor einem entscheidenden Match oder auch der Geruch von Franzbranntwein in der Kabine der Vergangenheit angehören soll.

Was dem begeisterten Mercedes-Fahrer aber bleiben, sind die Erinnerungen an 49 aktive Fußballer-Jahre: an sein schönes Siegtor beim 3:2-Erfolg des FC Epe über den VfL Reken, an seine ehemaligen Mannschaftskameraden, mit deren Kindern er immer noch kickt, an seine bitterste Niederlage im Relegationsspiel zwischen RW Nienborg und dem SC Ahle – und an seine Serie von Vize-Meisterschaften als Spielertrainer. „Mannschaften mit Meisterschaftsambitionen hätten mich besser nicht verpflichten sollen“, scherzt Bernd Meyer. Undenkbar, dass er die Fußballstiefel in die Ecke stellt.

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