„Marco käme auch bei den Bayern gut klar“
Fußball: Interview mit Ahlens Aufstiegstrainer Christian Wück über den Wechsel von Ex-Spieler Marco Reus zum BVB

Ahlen/Hamburg -

Marco Reus, Ex-Profi bei RW Ahlen, verlässt im Sommer Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach und kehrt in seine Heimatstadt Dortmund zurück. Im Gespräch mit Manuel Schumann äußert sich sein ehemaliger Trainer Christian Wück, mit dem die Rot-Weißen einst in die Zweite Liga aufstiegen (2007/08), zum spektakulären Wechsel.

Donnerstag, 12.01.2012, 12:01 Uhr

„Marco käme auch bei den Bayern gut klar“ : Fußball: Interview mit Ahlens Aufstiegstrainer Christian Wück über den Wechsel von Ex-Spieler Ma...
Für Christian Wück (Mitte) war absehbar, dass sein ehemaliger Schützling Marco Reus (rechts) irgendwann den Sprung in die Erste Liga schaffen wird. Links René Müller. Foto: Marc Kreisel

Herr Wück , Sie haben Marco Reus bei RW Ahlen trainiert – wie bewerten Sie seine Entwicklung?

Wück: Es war absehbar, dass er es irgendwann schaffen wird. Dass er jedoch innerhalb weniger Jahre einen derartigen Sprung nach vorn macht, habe ich nicht erwartet. Das ist schon sensationell.

Worin hat sich Reus in den vergangenen Jahren besonders stark verbessert?

Wück: Er ist robuster geworden – daran hat er offensichtlich intensiv gearbeitet. Genau das war ja damals sein Manko. Wegen der fehlenden körperlichen Robustheit hat ihn die Jugend-Abteilung des BVB schließlich aussortiert. Er war ein schmächtiger Junge, den man mit einem kleinen Schubser leicht aus der Bahn werfen konnte. Fußballspielen konnte er dagegen schon immer. Insgesamt kann man sagen, dass Marco ein Spätentwickler ist. Mittlerweile ist er sehr selbstbewusst.

Marco Reus ist von vielen Top-Clubs umworben worden, hat sich nun aber für seinen ehemaligen Verein entschieden. Er selbst sagt, er wolle nun den nächsten Schritt machen.

Wück: Der Schritt von Ahlen nach Gladbach war genau richtig. Marco konnte sich an die Bundesliga gewöhnen und sich peu à peu steigern. Nun ist er bereit für den nächsten Schritt. Marco ist derzeit in einer überragenden Form. Man spürt: Er möchte unbedingt zu einem Spitzenverein.

Für viele Experten stand bereits fest: Reus wechselt im Sommer zum FC Bayern. Hat Sie die Entscheidung pro BVB ebenfalls überrascht?

Wück: Ja, schon. Das ist jetzt alles sehr schnell über die Bühne gegangen. Vermutlich spielt auch das familiäre Umfeld eine wichtige Rolle bei seiner Entscheidung. Marco möchte wohl gern in der Gegend bleiben, bei Freundin und Eltern. Der Wechsel nach Dortmund ist somit naheliegend.

Reus und Götze hinter den Spitzen – kann das gut gehen?

Wück: Absolut!

Wenn Dortmund mit einem Stürmer spielt?

Wück: Nein, das würde auch funktionieren, wenn der BVB mit zwei Spitzen spielt – davon bin ich überzeugt. Die beiden Jungs haben eine enorme Spielintelligenz. Wenn dann auch noch Großkreutz mitmischt, wird es für jeden Gegner verdammt schwierig. Die werden die Liga schon aufmischen, keine Sorge.

Bayern-Verteidiger Holger Badstuber hat Spiegel-Online gesagt, Reus habe sich den Schritt nach München vielleicht nicht zugetraut, weil er als junger Spieler dringend Spielpraxis braucht.

Wück: Marco hat große Qualitäten, er käme auch bei den Bayern gut klar. Wie gesagt, der entscheidende Grund ist wahrscheinlich die Familie. Es ist schon ein Unterschied, ob man nach Bayern zieht, in ein komplett anderes Umfeld, oder ob man in die alte Heimat zurückkehrt.

Bis zuletzt ist auch immer wieder über einen möglichen Wechsel ins Ausland spekuliert worden.

Wück: Marco ist auf dem richtigen Weg. Sein alter und neuer Teamkollege Kevin Großkreutz war in einer ähnlichen Situation: Er hatte ebenfalls Angebote aus dem Ausland. Für diese Spieler ist es besser, sich zunächst bei einem deutschen Top-Verein zu etablieren – sie sind noch sehr jung. Ihr Ziel muss es sein, in der Nationalmannschaft den nächsten Schritt zu machen. Ein Wechsel ins Ausland kann dann ja später immer noch ein Thema werden.

Sie hatten als Spieler ebenfalls Angebote von Borussia Dortmund und dem FC Bayern, sind aber in Nürnberg geblieben. Haben Sie Ihre Entscheidung jemals bereut?

Wück: Ach, man sollte nicht in der Vergangenheit rumrühren. Ein Wechsel nach Dortmund oder München wäre vielleicht eine interessante Option gewesen, ich bin aber froh darüber, dass ich in der Bundesliga über viele Jahre hinweg gute Leistungen gebracht habe. Man darf auch nicht vergessen, dass mich immer wieder Verletzungen zurückgeworfen hatten. Ich habe viel erreicht und bin damit sehr zufrieden.

Herr Wück, wie sieht Ihre Zukunft aus? Stimmt es, dass Sie mittelfristig einen Trainerposten in der Zweiten Liga anstreben?

Wück: Mein Ziel ist es, einen Verein zu finden, der Potenzial hat und auf junge Spieler setzt. Nach einer Auszeit ist es in diesem Geschäft unheimlich schwer wieder Fuß zu fassen. Ich bin aber zuversichtlich. Ich arbeite derzeit als Co-Trainer der U16-Nationalmannschaft, das ist eine tolle Aufgabe, die mir viel Spaß macht. Ich bekomme hier einen sehr guten Einblick in die Jugendarbeit des DFB, hoffe aber natürlich, dass ich in absehbarer Zeit wieder als Cheftrainer eines Clubs arbeiten kann.

Sie stehen für schnellen, druckvollen Offensivfußball und Sie bilden gern junge, talentierte Spieler aus – ein Verein wie beispielsweise Erstligist Mainz 05 würde gut zu Ihnen passen, oder?

Wück: Mainz hat es in der vergangenen Saison gut hingekriegt, keine Frage. Sie versuchen immer wieder schnell nach vorne zu kommen und enormen Druck aufzubauen – das ist auch mein Ansatz. Es ist nicht schwer zu erkennen, dass wir im Fußball zurzeit einen Umbruch erleben. Schauen Sie sich die Nationalmannschaft an, die Spielweise, das Auftreten – das ist die Zukunft.

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