RW Ahlen: Insolvenzverwalter Mönig fehlen 200 000 Euro
Sponsorengelder bleiben dem Club

Ahlen/Münster -

Fußball-NRW-Ligist RW Ahlen wartet noch immer darauf, dass Insolvenzverwalter Michael Mönig (Münster) seinen Insolvenzplan bei Gericht einreicht. Noch ist das nicht geschehen. In einem Interview äußerst sich Mönig.

Donnerstag, 24.05.2012, 18:05 Uhr

RW Ahlen: Insolvenzverwalter Mönig fehlen 200 000 Euro : Sponsorengelder bleiben dem Club
Hat bislang nach eigener Aussage keinen Cent am Fußball-Club RW Ahlen verdient: Insolvenzverwalter Michael Mönig. Foto: Marc Kreisel

Oktober 2010: Fußball-Drittligist RW Ahlen blickt in den Abgrund. Knapp zwei Millionen Euro Verbindlichkeiten drücken den Club. Letzte Hoffnung ist ein eigens vom Club erarbeitetes Sanierungskonzept, das unter anderem den Verkauf des Wersestadions an die Stadt vorsieht. Die lehnt dankend ab. Die Insolvenz droht – und ist nicht mehr abzuwenden. Rechtsanwalt Michael Mönig aus Münster wird am 14. Oktober zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Der Anfang vom Ende? Nein! Der Spielbetrieb wird fortgeführt, RW schafft gar sportlich den Klassenerhalt, um dann doch aus finanzieller Not mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Mai 2011 freiwillig den Rückzug anzutreten – in die NRW-Liga. Es geht weiter, am 12. Juli wird ein weiterer Meilenstein genommen: Vor dem Amtsgericht in Münster stimmen die Gläubiger einer Planinsolvenz zu. Jener Tag symbolisiert einen Neuanfang. Knapp ein Jahr später, im Mai 2012, warten die Verantwortlichen des Clubs noch immer darauf, dass Mönig seinen Insolvenzplan bei Gericht einbringt. Woran hapert es? Redaktionsmitglied André Fischer besuchte Michael Mönig in seiner Kanzlei in Münster und fragte nach.

Herr Mönig, was steht der endgültigen Sanierung noch im Wege?

Mönig: Ein Insolvenzplan folgt klaren rechtlichen Regelungen. Eine Voraussetzung ist, dass die Rechnungen gezahlt sind, die während der Insolvenz für den laufenden Spielbetrieb aufgelaufen sind. Dazu fehlen uns 200 000 Euro.

Wie kann das sein?

Mönig: Nun, jene Sponsoren, die vertraglich Geld zugesichert hatten, haben trotz mehrmaliger Aufforderung nicht gezahlt.

Und nun?

Mönig: Ich habe mehrere Klagen eingereicht. Im Juni, Juli und September sind die ersten Gerichtstermine.

Wie hoch ist die Klagesumme angesetzt?

Mönig: Auf über eine Million Euro.

Wie schnell rechnen Sie mit einem Ergebnis?

Mönig: Ich hoffe schnell, aber darauf habe ich keinen Einfluss. Der Spielbetrieb des Vereins ist davon aber weiterhin nicht betroffen. Das Geld der Sponsoren fließt in den Verein, nicht in die Insolvenz.

Vorausgesetzt Sie gewinnen, wer darf sich über den „Geldregen“ freuen?

Mönig: Zunächst gilt es, die Massegläubiger, etwa 30 an der Zahl, zu befriedigen. Und das zu 100 Prozent. Dafür benötige ich die 200 000 Euro.

Was geschieht mit den restlichen gut 800 000 Euro?

Mönig: Die werden für die Verbindlichkeiten vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens benötigt. Auch die Altgläubiger müssen zufriedengestellt werden. Das ist Fakt.

Wir sprechen von knapp zwei Millionen Euro für diverse Altlasten, die nicht zwingend fließen müssen.

Mönig: Nein, hier müssen wir mit etwa 400 Gläubigern eine Einigung finden.

Sollte es keine geben, was dann?

Mönig: Davon gehe ich nicht aus, denn wir können den Gläubigern dann mehr anbieten, als wir es über eine Regelinsolvenz hätten machen können.

Es wird nicht selten behauptet, Michael Mönig verdient sich eine goldene Nase am Verein RW Ahlen. Was entgegnen Sie all jenen, die das glauben?

Mönig: Soll ich ehrlich sein?

Unbedingt.

Mönig: Bislang habe ich nicht einen Cent verdient. Kalkulatorisch bin ich sogar gut 100 000 Euro in den Miesen. Wissen Sie, ich muss seit Oktober 2010 nicht nur mein involviertes Personal bezahlen, sondern auch jegliche Sachkosten tragen. Und es ist ein Trugschluss zu glauben, dass der Insolvenzverwalter umso mehr verdient, je länger ein Insolvenzverfahren dauert.

Aber von den möglichen 800 000 Euro würde auch für Sie etwas übrig bleiben.

Mönig: Mir steht ein gewisser Prozentsatz zu. In diesem Sinne bin ich auch ein Massegläubiger.

Ein Satz noch zu Baris Günes, gegen den Sie einst Strafanzeige wegen der angeblich veruntreuten 20 000 Euro erstattet haben. Verfolgen Sie den Prozess?

Mönig: Am ersten Verhandlungstag habe ich als Zeuge ausgesagt. Ich war verpflichtet, den Sachverhalt zur Anzeige zu bringen. Für mich gilt so lange die Unschuldsvermutung, bis das Gericht eine Entscheidung trifft. Zu allem anderen möchte ich nichts sagen.

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