Marco Antwerpen über seine Ziele mit RW Ahlen
„So weit wie möglich nach oben“

Ahlen -

Marco Antwerpen wird in der neuen Saison die erste Mannschaft von RW Ahlen als Cheftrainer übernehmen. Im Interview verrät er, was er erreichen möchte und wann Explosionsgefahr besteht.

Donnerstag, 21.06.2012, 18:06 Uhr

Marco Antwerpen über seine Ziele mit RW Ahlen : „So weit wie möglich nach oben“
Ehrgeiz und wild entschlossen: Marco Antwerpen hat mit Rot-Weiß Ahlen in der nächsten Saison viel vor. Foto: ms

„Darauf hatte ich gehofft“, sagt Marco Antwerpen erleichtert. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, als ihm vor dem Gespräch eine Tasse Kaffee angeboten wird. Der 41-Jährige wird in der neuen Saison die Oberliga-Mannschaft von Rot-Weiß Ahlen als Trainer übernehmen. Von Beruf ist er gelernter Personalfachkaufmann. Er berät Firmen bei der Auswahl neuer Mitarbeiter, sitzt bei Vorstellungsgesprächen für die Unternehmen mit am Tisch. Was ein Bewerber vor allem mitbringen muss, um ihn zu überzeugen? „Er muss authentisch sein“, sagt Antwerpen. Ebenso präsentiert er sich selbst im Interview mit „AZ“-Redakteur Cedric Gebhardt.

Herr Antwerpen, Sie sprechen davon, dass Sie junge, hungrige Spieler für RW Ahlen brauchen. Wie lange muss ein Spieler denn nichts gegessen haben, um bei Ihnen als hungrig zu gelten?

Antwerpen: Er muss nicht zwangsläufig jung und hungrig sein. Es geht mir darum, dass er leidenschaftlich gerne Fußball spielt. Das ist in der heutigen Zeit nicht immer gegeben. Mittlerweile gibt es verschiedene Arten von Fußballern, die Prioritäten unterschiedlich setzen.

Welche Arten gibt es denn?

Antwerpen: Mich interessieren nur die, die sich weiterentwickeln wollen. Das sind genau die, die wir suchen. Spieler, die einen Bezug zu Ahlen haben, gut ausgebildet und taktisch gut geschult sind. Spieler, die noch einen Schritt nach vorne machen wollen. Auf alle anderen Arten von Spielern kann ich verzichten.

Um im Bild der Einstiegsfrage zu bleiben: Rot-Weiß hat ein Jahr chronischer Nulldiät hinter sich. Wie wollen Sie das ändern?

Antwerpen: Grundsätzlich ändert sich ja schon mal die Liga-Zugehörigkeit, das sollte man berücksichtigen. Gegen den Etat der ersten sieben, acht Teams in der NRW-Liga war es schwer anzukommen. Doch die Saison ist vorbei. Ich kann noch nicht abschätzen, wie stark die Oberliga ist, aber ich bin mir sicher, wir werden eine gute Rolle spielen.

Wie frustrierend ist es für Sie, dass Rot-Weiß regelmäßig Abfuhren potenzieller Neuzugänge bekommt, sobald es ums Thema Geld geht?

Antwerpen: Der Frust hält sich in Grenzen. Wir haben ganz einfach nicht die Möglichkeiten, so viel wie andere Clubs zu zahlen. Aber Joachim Krug hat noch einige Kontakte, da mache ich mir keine Sorgen.

Heißt das nicht auch, dass RW Ahlen nur noch die Spieler bekommt, die kein anderer Verein haben möchte?

Antwerpen: Das kann man so nicht sagen. Schauen Sie auf die Spieler, die sich für uns entschieden haben. Die hatten durchaus auch andere Angebote, aber sie haben sich trotzdem für uns entschieden, für diesen Weg und dafür, mit einem jungen, ambitionierten Coach zu arbeiten. Diese Jungs haben das Ahlener Herz. Spieler wie Bernhard Venker oder Maximilian Dahlhoff, die in dieser schwierigen Situation zum Verein halten.

Bisher umfasst der neue Kader gerade mal zwölf Akteure. Sportlicher Leiter Joachim Krug hat zuletzt immer wieder betont, es bestünde keine Eile bei der Verpflichtung weiterer Spieler. Sehen Sie das als Trainer ähnlich gelassen oder werden Sie schon etwas nervös?

Antwerpen: Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es mir schon lieber, wir hätten bereits 16 Spieler unter Vertrag. Aber wir können mit einer guten Infrastruktur punkten. Ich hoffe, dass wir noch die eine oder andere Überraschung aus dem Hut zaubern können.

Zum Kader gehören auch die bisherigen A-Junioren Julius Richter, René Lindner, Nils Hönicke und Manuel Stiepermann . Was unterschiedet dieses Quartett vom Rest, der den Sprung nicht gepackt hat?

Antwerpen: Diese Vier haben über einen längeren Zeitraum sowohl im Training als auch bei den Spielen konstant gute Leistungen gezeigt. Das war bei den übrigen Spielern nicht der Fall.

Mit Routinier Carlos Castilla und A-Junior Manuel Stiepermann haben Sie bislang erst zwei Stürmer im Aufgebot. Ist der Angriff momentan noch die größte Planstelle?

Antwerpen: Es ist auf alle Fälle die Position, die auf dem Transfermarkt wohl am begehrtesten ist. Spieler, die regelmäßig Tore schießen, will jeder Verein haben, also ist es am schwierigsten, sie zu bekommen. Derzeit sind wir noch etwas dünn besetzt, aber mit Castilla und Stiepermann haben wir schon mal zwei gute Spieler für die Offensive. Castilla hat längst bewiesen, was er kann, und Stiepermann hat neulich gegen Schalke zwei Tore geschossen. Die machst du nicht einfach so aus dem Stegreif.

Christoph Daum hat seine Spieler als Trainer von Bayer Leverkusen mal barfuß über glühende Kohlen und Glasscherben laufen lassen. Auf welche Motivationsmittel greifen Sie zurück?

Antwerpen: Ich konnte mich als Spieler immer ganz gut selbst motivieren. Ich finde, das Spiel selbst sollte Motivation genug sein. Ich muss jedenfalls nicht irgendwelche Videos zeigen oder flammende Reden halten.

Aber Ihrer A-Jugend haben Sie in der vergangenen Saison vor dem Spiel gegen Bochum auch mal ein Video von der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft gezeigt, das sich über einen Tanz für eine Partie heiß macht.

Antwerpen: Ja, das war ein Experiment. Das werde ich wohl in Zukunft erst mal sein lassen. Wir haben das Spiel 0:2 verloren.

Wäre eigentlich der Spieler Marco Antwerpen mit dem Trainer Marco Antwerpen klar gekommen?

Antwerpen: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, ich hätte als Spieler mit der offensiven Art, wie ich als Trainer bin, Probleme gehabt.

Definieren Sie Ihre offensive Art bitte etwas genauer.

Antwerpen: Ich bin immer mit sehr viel Leidenschaft dabei. Das führt mitunter dazu, dass ich viel zu schnell explodiere, wenn Dinge nicht funktionieren oder wir verlieren. Da muss ich mich besser zurücknehmen. Ich arbeite dran. Aber wir sind auf dem Fußballplatz, da kann man das auch mal machen.

Sie selbst haben erst vor einem halben Jahr in Ahlen bei den A-Junioren angeheuert. Sind Sie eigentlich überrascht von Ihrem steilen persönlichen Aufstieg?

Antwerpen: Ich wäre gern von Anfang an als Trainer durchgestartet, aber es ist immer die Frage, welcher Verein dir dazu die Möglichkeit gibt. Jetzt habe ich mich über die Landesliga bei Burgsteinfurt und Günnigfeld bis hier her gekämpft und möchte noch einiges erreichen.

Wohin soll die Reise für Sie persönlich denn künftig noch gehen?

Antwerpen: Von den Planungen her könnte ich mir durchaus vorstellen, in ein paar Jahren den Fußball-Lehrer zu machen. Ich versuche mich für das nächste Jahr zu bewerben. Ich möchte so weit wie möglich nach oben.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/940948?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F192%2F706915%2F1044133%2F
Unbeteiligter aus Ascheberg zwischen Zug und Bahnsteigkante geraten und verletzt
 
Nachrichten-Ticker