RW Ahlen
Prozess gegen Ex-Sportdirektor Baris Günes: Fragen über Fragen

Ahlen -

Fast sechs Stunden dauerte der vierte Verhandlungstag im Prozess der Veruntreuung gegen Baris Günes. Im Kern ging es um die Frage, ob der ehemalige Sportdirektor von RW Ahlen unautorisiert Geld oder in Namen des Vereins ausgegeben hat. Es wurden insgesamt elf Zeugen gehört, darunter Ex-Trainer Arie van Lent und die ehemaligen Spieler Matthew Taylor, Sebastian Hille, Robert Fleßers und Marcel Busch. Einigermaßen Licht ins Dunkel aber brachte nur eine ehemalige Geschäftsstellenmitarbeiterin.

Donnerstag, 21.06.2012, 08:06 Uhr

RW Ahlen : Prozess gegen Ex-Sportdirektor Baris Günes: Fragen über Fragen
Wer war in der Geschäftsstelle dafür verantwortlich, dass RW Ahlen in Schräglage geriet? Foto: kvb

Kleinarbeit. Sind die Rechnungen für die Bestellung im Bonner Sporthaus und für die Weihnachtsfeier in der Stadthalle wirklich nicht bezahlt? Nein, sind sie nicht. Aber wer hat beides beauftragt? War es Günes? War es jemand anderes von Rot-Weiß? Und falls es Quittungen dafür gibt – wem gehört die Unterschrift? Bisher kennt sie keiner. Kleinarbeit eben. Der vierte Arbeitstag des Schöffengerichts im Betrugsprozess gegen Ex-Sportdirektor Baris Günes brachte Fragen über Fragen. Und die Erkenntnis, dass wiederum neue Zeugen befragt werden müssen, schon jetzt ein weiterer Verhandlungstag fällig wird. Kommentar des Staatsanwalts: „Ich muss nur noch sieben Jahre . . .“

Immerhin kann sich Dr. Lothar Kintrup den Dolmetscher für Matthew Taylor sparen. Dessen Deutschkenntnisse waren doch besser als befürchtet. Taylor hatte zunächst die Zeugenbelehrung durch den Vorsitzenden Richter nicht ganz verstanden.

Eine kuriose Randnotiz erhielt das Geschehen nach knapp zwei Stunden. Im Zusammenhang mit der Aussage von „Hof-Münsterland“-Mitinhaber Martin Overmann wollte der Verteidiger von Baris Günes Details erfahren. Aus dem Presse-Prozessbeobachter wurde so ein Zeuge: „AZ“-Sportredakteur Cedric Gebhardt sollte seine Erinnerungen zu den Angaben von Overmanns Bruder Bernd schildern. Damals war die Rot-Weiß-Pleite bundesweit durch einen Bericht der „Sport Bild“ bekannt geworden, hatte die „AZ“ über die im zitierten Bericht des Insolvenzverwalters erhobenen Vorwürfe berichtet.

Einblicke in die Arbeit der RW-Geschäftsstelle gewährte eine ehemals dort Angestellte. Sie erzählte von einer unklaren Zuständigkeit des neuen Sportdirektors, der so nur geheißen habe, weil potenzielle türkische Sponsoren damit am ehesten etwas anfangen könnten. Eigentlich habe er aber fürs Marketing zuständig sein sollen. Weil unklar ist, wer die wenigen Quittungen über Barsummen unterschrieben hat, einigten sich die Prozessbeteiligten darauf, eine inzwischen ebenfalls anderswo arbeitende Ex-Kollegin als Zeugin zu laden.

Spannender wurde es ab 13.10 Uhr. Arie van Lent, der ehemalige Trainer der Profis von Rot-Weiß, sollte aussagen. Und zwar schwerpunktmäßig zu den von Baris Günes angegebenen Schwarzgeldzahlungen an Co-Trainer Daniel Thioune und an Matthew Taylor. Van Lent klopfte dreimal aufs Tischholz: Nein, er wisse nichts davon. Das Jahr sei sowieso „ein reines Chaos“ gewesen. Was er im Nachhinein an Lügen über sich erfahren habe, sei „schon eine ganz traurige Geschichte“ gewesen. Falls „Danny“ überhaupt Geld von jemandem erhalten habe, dann auf keinen Fall von Günes.

Ob die damalige Pressesprecherin Maren Gosda oder eben Günes den Auftrag für die auch vereinsintern umstrittene Weihnachtsfeier gegeben habe? „Ich weiß es nicht, und es war auch nicht mein Feld – Gott sei Dank!“ Als vermeintlichen Beleg für die Richtigkeit seiner Behauptungen, was das Geld an Thioune angeht, führte Günes zwei alte Handy-Kurznachrichten von van Lent an. In einer lobt der Günes‘ Geschick. Aber van Lent sagte, er habe nicht gewusst, wodurch Günes Thioune damals zur Rückkehr in die Trainingsarbeit bewegt habe.

Die behaupteten 400 Euro Schwarzgeld an Matthew Taylor pro Monat, getarnt als Job in einem örtlichen Gastro­nomiebetrieb, stellte sich als Einmal-Zahlung zum Ausgleich von ausstehendem Gehalt heraus. Und seine Frau habe sowieso keine Arbeitserlaubnis gehabt, so Taylor. Auf jeden Fall stimmen muss Baris Günes‘ Behauptung, die Spieler regelmäßig mit stillem Wasser, Obst und anderer Nahrung sowie Einladungen zum Essen versorgt zu haben. Arie van Lent, Taylor, Sebastian Hille und Ex-Kapitän Marcel Busch bestätigten das unisono – auch wenn sie nicht wussten, ob Günes das alles auch bezahlt habe.

Beim nächsten Termin (11. Juli, 10 Uhr) wird es um die Anhörung jener ehemaligen Geschäftsstellen-Mitarbeiterin, Daniel Thiounes, Bernd Overmanns und die des Bonner Sportartikelverkäufers gehen, dessen Chef Mittwoch wenig zur Aufklärung weitergehender Fragen beisteuern konnte. Außerdem stehen die beiden Mitarbeiter der Krefelder Sparkasse auf der Liste. Sie sollen Unterlagen über jenes Konto mit angeblicher Millionendeckung mitbringen, das Baris Günes als Beweis für die eigene Eignung als Sponsor für Rot-Weiß angeführt haben soll. Nach bisherigem Kenntnisstand des Gerichts gab es dieses Konto zum relevanten Zeitraum aber schon gar nicht mehr. Neu ist außerdem, dass ein Schrift-Sachverständiger klären soll, von wem die Quittungen denn nun unterschrieben worden sind.

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