Ärger um Werbung: Was bei Amateuren auf dem Trikot stehen darf
Tabak auf der Brust ist tabu

Telgte -

Beim Anblick des neuen Trikots von Werder Bremen ist manchem der Appetit vergangen. Dass der Bundesligist in dieser Saison für Wiesenhof auf der (Hühner-)Brust wirbt, schmeckt nicht allen. Doch über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten – über grundsätzliche Regeln für die Trikotwerbung nicht, denn diese sind – auch für Amateure – genau festgeschrieben.

Montag, 27.08.2012, 06:08 Uhr

Ärger um Werbung: Was bei Amateuren auf dem Trikot stehen darf : Tabak auf der Brust ist tabu
Bei Werder Bremen gibt es Zoff um die Hühnerbrust. Was auf den Trikots der heimischen Clubs stehen darf, regelt die DFB-Spielordnung. Foto: dpa/Tillmann

Als Likör-Fabrikat Günter Mast 1973 als Erster auf die Idee kam, die Bundesliga-Kicker von Eintracht Braunschweig mit dem Jägermeister-Geweih auf dem Trikot auf Feld zu schicken, war der Aufschrei groß. Ein ordentliches Gericht gab schließlich grünes Licht – und damit den Startschuss für eine heute nicht mehr wegzudenkende Einnahmequelle der Clubs.

Den nächsten großen Aufschrei gab es in der Saison 1987/88, als der FC Homburg auf seinen Trikots für den Kondom-Hersteller „London“ warb. Denn mancher meinte doch fest und steif, dass spätestens hier die Grenzen von Sitte und Moral endgültig überschritten waren. Der DFB drohte mit Punktabzug, doch abermals bestätigte ein Gericht die Rechtmäßigkeit.

Neuen Ärger gibt es nun bei Werder Bremen . Dass der Club nach dem Abgang seines langjährigen Keepers im wahrsten Sinne des Wortes ohne Wiese ist, ist geradezu symbolisch für den neuen Trikot-Sponsor Wiesenhof , dessen Hähnchen Freilandhaltung allenfalls vom Hörensagen kennen. Vielen eigenen Fans ist dadurch der Appetit auf ihren Club vergangen. Einige sind sogar aus dem Verein ausgetreten. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten – über grundsätzliche Regeln für die Trikotwerbung nicht, denn diese sind – auch für Amateure – genau festgeschrieben.

„Was zu beachten ist, regelt die DFB-Spielordnung“, erklärt Christian Schubert von der Stabsstelle Kommunikation des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW). Grundsätzlich muss jede noch so kleine Werbung auf der Spielkleidung (vom Markenzeichen des Herstellers auf Trikots, Hosen, Stutzen und Schuhen abgesehen) vom Verband beziehungsweise dem Kreisvorstand genehmigt werden – jeweils für ein Spieljahr, dann wieder aufs Neue. Dafür müssen die Clubs einen schriftlichen Antrag mit detaillierten Angaben zu Sponsor und der geplanten Werbung machen.

So dürfen Schriftzüge und Logos ausschließlich auf der Vorderseite von Trikots stehen, eine Fläche von maximal 200 Quadratzentimeter nicht überschreiten, müssen mit den Originalfarben der Trikots abgestimmt sein und dürfen nicht irritierend auf Spieler, Schiedsrichter oder Zuschauer wirken. Zudem darf Trikotwerbung „nicht gegen die allgemein im Sport gültigen Grundsätze von Ethik und Moralverstoßen“. In Zweifelsfällen hat der Verband das letzte Wort. Prinzipiell verboten ist Werbung für Tabakwaren und deren Hersteller, für politische Gruppierungen sowie mit politischen Aussagen – religiöse (Botschaften) eingeschlossen. Werbung für alkoholische Getränke und ihre Hersteller ist bei Jugendmannschaften unzulässig. Spieler, deren Kleidung nicht den Bestimmungen entspricht, dürfen vom Schiedsrichter übrigens nicht zum Spiel zugelassen werden.

Erlebt hat Norbert Reisener, Vorsitzender des Fußballkreises Münster-Warendorf, so etwas noch nicht. „Die Vereine kennen sich offenbar mit dem Bestimmungen gut aus“, berichtet er. Nur in einem Fall habe er in seiner Amtszeit ein Veto einlegen müssen. „Nicht wegen Größe oder Aussage, sondern weil zwei Werbepartner auf dem Trikot standen.“ Auch das ist verboten. „Aber das haben wir schnell begradigt“, erzählt Reisener, der keine zu strengen Maßstäbe anlegen würde. „Wir sind schließlich keine Verhinderer. Denn für die Clubs ist es eine enorme finanzielle Entlastung, wenn sie für die Werbung einen Trikotsatz bekommen.“

Ihre Brust würden die meisten dennoch nicht für alles hergeben. „Dass Tabak-Werbung verboten ist, finde ich richtig. Da würde ich lieber auf Geld verzichten“, betont beispielswiese Josef Niehoff, Geschäftsführer der SG Telgte. Und auch Alkohol gehöre nicht auf die Trikots Jugendlicher. Alles andere als ein Problem hat man bei der SG mit dem Sponsor der ersten Mannschaft, Mc Donald’s. Kritiker könnten einwenden, dass Fastfood und Sport etwa so gut zusammenpassen wie Heavy Metal und Musikantenstadl. „Doch wir haben uns sehr genau damit beschäftigt. Mc Donald’s ist nicht nur Hamburger und Pommes, sondern auch Salat, Kaffee und Gebäck“, gibt Niehoff zu bedenken. Die Unterstützung der Sponsoren sei oft auch „größer als nur ein paar Trikots“. Sie ermögliche beispielsweise auch eine qualifizierte Trainerausbildung.

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