Der SC Preußen und die Fußball-Bundesliga
Ein Teil der Bundesliga-Geschichte

Senden -

Dagmar-Ernst Drewes aus Senden kann sich noch genau an die erste Saison der Bundesliga 1963/64 erinnern. Er stand an jedem der 30 Spieltage selbst auf dem Rasen, im Trikot des SC Preußen Münster.

Samstag, 25.08.2012, 09:08 Uhr

Der SC Preußen und die Fußball-Bundesliga : Ein Teil der Bundesliga-Geschichte
Dagmar-Ernst Drewes zeigt ein Preußen-Buch zum 100-jährigen Bestehen des Vereins. Der Spieler auf dem Coverfoto mit der Nummer 4 ist er selbst. Foto: rau

Sie treffen sich noch regelmäßig, die Preußen-Spieler von 1963. „Vor 14 Tagen haben wir noch zusammen gesessen, fast zehn Leute. Und im September sehen wir uns schon wieder“, erzählt Dagmar-Ernst Drewes . Die Münsteraner Fußball-Mannschaft aus den frühen 60er Jahren genießt Kultstatus. Sie hatte sich einen Platz in der neu gegründeten Bundesliga erkämpft. Auch wenn das Team von Trainer Richard Schneider nach einer Saison absteigen musste, hat es einen besonderen Stellenwert in der Preußen-Historie. Seitdem sind die Preußen nie wieder in die erste Liga aufgestiegen.

Die Bundesliga geht an diesem Wochenende in ihre 50. Saison. Drewes und die Preußen-Elf von 1963/64 sind Teil dieser einmaligen Geschichte. Wenn der 74-jährige Sendener von den Anfangsjahren der Bundesliga erzählt, fühlt sich der Zuhörer in eine andere Zeit versetzt. „Wir waren nur Vertragsspieler. Wir waren Amateure, haben den ganzen Tag gearbeitet und sind jeden Tag um 17 Uhr zum Training gefahren“, sagt Drewes. Und das immer mit dem Fahrrad: Trainer Richard Schneider habe nicht gewollt, dass die Spieler mit dem Auto kommen. „Alle haben in Münster gewohnt“, sagt Drewes.

Als Fußballer ist er beim SV Langendreer 04 groß geworden. In dem Klub aus Bochum reifte er zum Amateurnationalspieler. Vier Partien bestritt er mit dem Bundesadler auf der Brust. „In zweien davon haben mich die Preußen beobachtet“, sagt Drewes. Er wechselte 1961 zu Preußen Münster . Weil sich die Truppe in den zwei folgenden Jahren für die Bundesliga empfahl, spricht er in der Rückschau nicht von der „63er Mannschaft“, sondern immer von der „61er“.

In dem Premierenjahr der Bundesliga fehlte dem SCP ein Punkt zum Klassenerhalt. Drewes, nur 1,68 Meter groß, bestritt als rechter Läufer alle 30 Ligaspiele. Die Position ist heute mit dem rechten Mittelfeld vergleichbar. „Ich hatte die Maßgabe, eher als eine Art Manndecker zu spielen“, sagt der Mann, der die Rückennummer 4 trug. Nach dem Abstieg blieb er bis zu seinem Karriereende 1970 bei den Preußen in der Regionalliga. Seit 1961 arbeitete er in Münster bei Mercedes Beresa im kaufmännischen Bereich. Dort blieb Drewes sein ganzes Berufsleben.

1964 hatte er einen Vorvertrag bei Borussia Dortmund unterschrieben. „Das hat sich aus verschiedenen Gründen aber zerschlagen“, erklärt er, ohne das groß zu bedauern.

Zu den schönsten Erinnerungen beim SCP gehören für Drewes die Auslandsreisen in den 60er Jahren – in die USA zu einem Soccerturnier mit West Ham United und nach Südamerika mit Trainingsspielen gegen die Nationalteams von Chile und Uruguay. „In dieser Zeit hatten die Preußen einen großen Namen“, sagt Drewes.

Er machte seine Trainer-A-Lizenz und half als Coach ein Jahr in der Regionalliga bei den Preußen aus. Er trainierte später in der Oberliga die Hammer SpVg mit einem Stürmer namens Horst Hrubesch und den VfB Rheine. In der Landesliga stand er auch beim SV Herbern an der Seitenlinie.

Drewes, der 2005 einen Herzinfarkt erlitt, wirkt heute drahtig und fit. Er fährt viel Fahrrad und kümmert sich in Senden um seinen riesigen Garten. 1972 zog er in die Stevergemeinde, beim VfL war er aber nie aktiv. „Das wollte ich nicht, weil ich am Ort wohne“, begründet Drewes.

Manchmal noch besucht er Heimspiele der Preußen, am liebsten dann mit dem Fahrrad. Er freut sich über die Entwicklung des SCP in der Dritten Liga und lobt: „Was die Preußen in den letzten Jahren geschafft haben, ist sensationell.“

Die Bundesliga verfolgt Dagmar-Ernst Drewes intensiv am Fernseher. Einen Lieblingsverein hat er nicht, sein Meistertipp lautet Borussia Dortmund. Auch wenn er nicht alles gutheißt, was im modernen, kommerzialisierten Fußball passiert, ist sich der 74-Jährige sicher: „Wenn ich 20 oder 30 Jahre später auf die Welt gekommen wäre mit den gleichen Fähigkeiten, hätte ich versucht, die Profi-Laufbahn einzuschlagen.“

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