Trikotwerbung bei Amateuren
Tabak auf der Brust ist tabu

Ahlen -

Bei Werder Bremen gibt es Theater um den neuen Trikot-Sponsor Wiesenhof. Doch wie sieht es bei Amateuren mit Werbung auf der Brust aus? Was ist erlaubt, was nicht? Geregelt wird dies in der DFB-Spielordnung – wobei manches eine Frage des persönlichen Geschmacks bleibt.

Dienstag, 28.08.2012, 19:08 Uhr

Trikotwerbung bei Amateuren : Tabak auf der Brust ist tabu
Bei Werder Bremen gibt es Zoff um die Hühnerbrust. Was auf den Trikots der heimischen Clubs stehen darf, regelt die DFB-Spielordnung. Foto: dpa/Tillmann

Als Likör-Fabrikat Günter Mast 1973 als Erster auf die Idee kam, die Bundesliga-Kicker von Eintracht Braunschweig mit dem Jägermeister-Geweih auf dem Trikot auf Feld zu schicken, war der Aufschrei groß. Ein ordentliches Gericht gab schließlich grünes Licht – und damit den Startschuss für eine heute nicht mehr wegzudenkende Einnahmequelle der Clubs.

Den nächsten großen Aufschrei gab es in der Saison 1987/88, als der FC Homburg auf seinen Trikots für den Kondom-Hersteller „London“ warb. Denn mancher meinte doch fest und steif, dass spätestens hier die Grenzen von Sitte und Moral endgültig überschritten waren. Der DFB drohte mit Punktabzug, doch abermals bestätigte ein Gericht die Rechtmäßigkeit.

Neuen Ärger gibt es nun bei Werder Bremen . Dass der Club nach dem Abgang seines langjährigen Keepers im wahrsten Sinne des Wortes ohne Wiese ist, ist geradezu symbolisch für den neuen Trikot-Sponsor Wiesenhof , dessen Hähnchen Freilandhaltung allenfalls vom Hörensagen kennen. Vielen eigenen Fans ist dadurch der Appetit auf ihren Club vergangen. Einige sind sogar aus dem Verein ausgetreten. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten – über grundsätzliche Regeln für die Trikotwerbung nicht, denn diese sind – auch für Amateure – genau festgeschrieben.

„Was zu beachten ist, regelt die DFB-Spielordnung“, erklärt Christian Schubert von der Stabsstelle Kommunikation des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW). Grundsätzlich muss jede noch so kleine Werbung auf der Spielkleidung (vom Markenzeichen des Herstellers auf Trikots, Hosen, Stutzen und Schuhen abgesehen) vom Verband beziehungsweise dem Kreisvorstand genehmigt werden – jeweils für ein Spieljahr, dann wieder aufs Neue. Dafür müssen die Clubs einen schriftlichen Antrag mit detaillierten Angaben zu Sponsor und der geplanten Werbung machen.

So dürfen Schriftzüge und Logos ausschließlich auf der Vorderseite von Trikots stehen, eine Fläche von maximal 200 Quadratzentimeter nicht überschreiten, müssen mit den Originalfarben der Trikots abgestimmt sein und dürfen nicht irritierend auf Spieler, Schiedsrichter oder Zuschauer wirken. Zudem darf Trikotwerbung „nicht gegen die allgemein im Sport gültigen Grundsätze von Ethik und Moralverstoßen“. In Zweifelsfällen hat der Verband das letzte Wort.

Prinzipiell verboten ist Werbung für Tabakwaren und deren Hersteller, für politische Gruppierungen sowie mit politischen Aussagen – religiöse (Botschaften) eingeschlossen. Werbung für alkoholische Getränke und ihre Hersteller ist bei Jugend-Teams unzulässig.

Doch nicht nur bei Werder, sondern auch bei Amateuren bleibt manche erlaubte Werbung letztlich eine persönliche Geschmacksfrage. Zur SG Telgte, deren Bezirksliga-Team von Mc Donald’s gesponsert wird, könnten Kritiker einwenden, dass Fastfood und Sport etwa so gut zusammenpassen wie Heavy Metal und Musikantenstadl. Und dass Bezirksligist Vorwärts Epe für die Firma Urenco wirbt, die in Gronau eine Urananreicherungsanlage betreibt, dürfte auch nicht jedem gefallen.

Spieler, deren Kleidung eindeutig nicht den Bestimmungen entspricht, dürfen vom Schiedsrichter übrigens nicht zum Spiel zugelassen werden. Erlebt hat Manfred Mielczarek, Vorsitzender des Fußballkreises Beckum, so etwas noch nicht. „Die Vereine kennen sich offenbar mit dem Bestimmungen gut aus“, berichtet er. In seiner Amtszeit sei es ihm noch nicht passiert, dass er einen Sponsor ablehnen musste. „Aber das ist auch nicht überraschend, denn wenn eine gesponserte Kluft nicht in Ordnung ist, dann ist es totes Kapital.“

Was die Clubs für die Werbung kassieren, erfährt Mielczarek nicht. „Die Summen kennen nur die Vereine. Aber bei den meisten besteht die Gegenleistung nur aus Trikots und ein paar Bällen“, ist er überzeugt. Wobei die Clubs für den Schriftzug auf der Brust nicht nur kassieren, sondern auch zahlen müssen. Der Kreis Beckum erhebt bei Senioren-Teams für einen Trikotsponsor bei C-Ligisten 50 Euro, ein Bezirksligist muss 200 Euro hinblättern. Nur für Jugend-Teams ist die Trikotwerbung nicht kostenpflichtig.

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