Prominenter Besuch beim Fanclub „Pottbäcker Power“
Ein „Boss“ zum Anfassen

Ochtrup -

Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten Schalke 04, war am Montag zu Besuch in der Ochtruper Stadthalle. Dort stellte sich der 57-jährige Ostwestfale auf Einladung des Fanclubs „Pottbäcker Power“ den Fragen der rund 200 Gäste. Zum Thema kamen unter anderem die Ereignisse beim Champions-League-Qualifikationsspiel gegen PAOK Saloniki sowie der Transfer von Kevin-Prince Boateng.

Dienstag, 10.09.2013, 16:09 Uhr

Als Dankeschön für den Abend überreichte „Pottbäcker-Power“-Vorsitzender Markus Wolf (l.) Clemens Tönnies eine Ochtruper Nachtigall. Die wurde von dem Gast genau inspiziert.
Als Dankeschön für den Abend überreichte „Pottbäcker-Power“-Vorsitzender Markus Wolf (l.) Clemens Tönnies eine Ochtruper Nachtigall. Die wurde von dem Gast genau inspiziert. Foto: Thomas Strack

„Ich leide wie ein Hund, wenn wir verlieren. Bei Siegen habe ich aber auch ein richtig tolles Wochenende“, gab Clemens Tönnies einen Einblick in sein Seelenleben. Damit hatte der Aufsichtsratsvorsitzende des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 bei seinem Besuch in Ochtrup am Montag (wir berichteten) die Anhänger der „Knappen“ schon früh in seinen Bann gezogen und machte zugleich auch deutlich, dass er sich nicht nur als erster Entscheidungsträger des Vereins begreift, sondern vielmehr als Einer unter Gleichen.

Dieter Brandt, der Leiter des Schalker Fanclub-Bezirks 3, hatte bereits zu Beginn der Veranstaltung so eine Ahnung. In der Funktion des Moderators bedankte sich der Rheinenser beim gastgebenden Fanclub „Pottbäcker Power“ und seinem Vorsitzenden Markus Wolf: „Danke, dass Ihr so ein Event aufgezogen habt. Ich denke, dass wird heute eine tolle Sache.“

Und diese Erwartung wurde nicht enttäuscht. Vor allem dank Tönnies, der teils mit Witz und Charme, aber auch mit viel Leidenschaft den rund 200 königsblauen Fans in der Stadthalle Rede und Antwort stand. Dabei wich der 57-jährige Ostwestfale auch unangenehmen Themen nicht aus, sondern bezog stets klar Stellung. So zum Rechtsstreit mit dem Ticketanbieter Viagogo („Dem sehe ich gelassen entgegen. Ich kann den Namen nicht mehr hören.“), dem umstrittenen Polizeieinsatz beim Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Saloniki („Das arbeiten wir auf.“), Pyrotechnik im Stadion („Das ist ein Gefahrenpotenzial. Die gehört da nicht rein.“) und Differenzen zwischen einzelnen Fangruppen. „Wir haben über 120 000 Mitglieder. Da gibt es immer unterschiedliche Strömungen. Wir müssen eine Einheit sein. Wenn es irgendwo Gräben bei uns gibt, mache ich sie persönlich mit dem Bulldozer zu“, betonte der Schalke-„Boss“, der sich zur ausgezeichneten Arbeit des Fanclub-Dachverbandes bekannte.

Zur Sprache kam am Montagabend nahezu alles, was den Schalke-Anhängern unter den Nägeln brannte. Und dafür nahm sich Tönnies Zeit. Gute zwei Stunden, die dank des redegewandten Unternehmers nie langweilig wurden. Ihren besonderen Reiz bekamen Tönnies‘ Ausführungen, weil der Aufsichtsratsvorsitzende immer wieder das Blickfeld wechselte. Mal betrachtete er die Dinge in seiner Funktion als Vorstandsmitglied aus kaufmännischer Sicht, um dann schnell wieder in die Rolle des S04-Fans zu schlüpfen.

Zum Beispiel bei wirtschaftlichen Aspekten. „Ich kann nicht versprechen, dass wir uns in null Komma nichts entschulden. Wir behalten diese Entwicklung im Auge, sind aber auch kein Sparclub. Schließlich brauchen wir eine gute Mannschaft, um Erfolg zu haben. Diesen Spagat müssen wir hinbekommen“, vertrat die Gelsenkirchener Vereinsspitze die Ansicht, dass es ohne Input keinen dementsprechenden Output geben würde. In diesem Zusammenhang lobte er die Arbeit von Sportvorstand Horst Held, der den Transfer von Kevin-Prince Boateng vom AC Mailand einfädelte: „Klasse, was der Horst da geleistet hat. Er ist an der Sache drangeblieben wie ein Terrier.“

Was Tönnies aus sportlicher Sicht besonders am Herzen liegt, ist die Nachwuchsförderung. Auf die könne der Club stolz sein. Es gelte jedoch, diese Arbeit weiter zu forcieren. „Ich würde mir wünschen, wenn wir in jeder Saison zwei Spieler aus der eigenen Jugend in die erste Mannschaft einbauen könnten“, so der Aufsichtsratsvorsitzende, der selbst sieben Jahre lang in seiner Heimatstadt Rheda dem runden Leder hinterhergejagt ist.

Wie eigentlich überall bei seinen Besuchen kam Tönnies auch in Ochtrup nicht um das Thema Meisterschaft herum. Seine Stellungnahme: „Lasst uns nicht immer gleich zu Saisonbeginn diesen Sack Zement aufschultern. Einfach rausgehen und unbedarft Fußball spielen. Dabei kommt meist das Beste raus.“

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