ESV Münster hat akuten Mangel an Erfolgserlebnissen
ESV (noch) nicht unter Zugzwang

Münster -

Die Lokomotive kommt nur schleppend voran, die zweite Zugmaschine ist längst aus dem Gleis gesprungen. Doch obwohl die erste Mannschaft in der Kreisliga A 1 den drittletzten und die Reserve in der B 1 den letzten Rang einnimmt, droht dem Eisenbahner Sportverein Schwarz Weiß – kurz ESV – keineswegs das Abstellgleis. Statt Resignation oder gar Aufgabe heißt es Volldampf voraus – mal ein anderes, ein positives Beispiel.

Freitag, 08.11.2013, 15:11 Uhr

Von Aufgabe keine Spur: Auch beim jüngsten 0:15 in Havixbeck mischten die Spieler der ESV-Zweiten (links und M.) munter mit. Daran soll sich trotz aussichtsloser Tabellensituation des B-Liga-Letzten nichts ändern.
Von Aufgabe keine Spur: Auch beim jüngsten 0:15 in Havixbeck mischten die Spieler der ESV-Zweiten (links und M.) munter mit. Daran soll sich trotz aussichtsloser Tabellensituation des B-Liga-Letzten nichts ändern. Foto: Johannes Oetz

Besonders erstaunlich, dass die Reserve nicht schlappmacht. 13 Spiele ohne einen einzigen Punkt – und das bei 2:136 Toren sind eigentlich eine Motivationsbremse. „Die Jungs haben dennoch Spaß, wollen die Saison durchziehen. Eine Liga tiefer wollen sie dann in der kommenden Saison wieder Spaß und Erfolgserlebnisse haben“, berichtet Klaus Petrasch . Dass das Team trotz der misslichen Lage mit Anstand und bislang ohne Feldverweis verliert, hat zumindest Anerkennung verdient. „Sie bleiben in der Spur“, sagt Petrasch erfreut.

Der Fußballobmann, in der Vorsaison noch Trainer der Reserve, weiß inzwischen auch, dass das Team eine Klasse tiefer besser aufgehoben und wettbewerbsfähiger gewesen wäre. Doch nach dem sportlichen Abstieg am Ende der Spielzeit 2012/13 wurde von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, den durch Sprakels Rückzug frei gewordenen Platz einzunehmen. Zwar verzeichnete die Mannschaft nur zwei Abgänge, dafür aber gleich acht Zugänge. Doch unter den Neuen befanden sich kaum Verstärkungen. Die Qualität ist nicht vorhanden, die außergewöhnliche Einstellung aber wohl. Regelmäßig ein Dutzend Akteure beim Training unterstreichen das nachdrücklich.

Während also für den ESV II die Weichen Richtung C-Liga, nicht aber Richtung Abstellgleis gestellt sind, rückt man von einer planmäßigen Saisonankunft der Ersten noch nicht ab. „Wir haben die Qualifikation zur Eingleisigen nicht abgeschrieben“, versichert Ralf Speer . Die Leistungen geben dem Trainer wohl Recht, die Ergebnisse nicht. „Wenn ich die ersten elf Spieler zur Verfügung hätte, würde ich wetten, dass wir zwischen Platz eins und fünf landen würden. Denn fußballerisch können wir jeden schlagen“, wagt sich der Coach des Tabellen-14. und mit 13 Zählern nur Drittletzten weit aus dem Fenster.

Tatsächlich aber beträgt der Rückstand auf Rang sieben, der bei aktuellem Stand zur Teilnahme am Relegationsspiel berechtigt, nur fünf Punkte. Die Tatsache, dass der ESV beim 3:3 gegen die U23 des 1. FC Gievenbeck bis zur 85. und beim 3:1 mehr als mithielt, ist ein vielversprechendes Beispiel. Nur elf Spieler, drei davon aus der Zweiten, die zum Spiel in Altenberge antraten, aber ein anderes. Eins für die angespannte Personaldecke. „Ich hatte bislang keine zwei Sonntage in Folge den gleichen Kader zur Verfügung“, klagt Speer. Da Fußball bei einigen nicht mehr oberste Priorität besitzt, andere durch Beruf oder Studium gebunden oder wie Mirco Bertelsbeck langfristig verletzt sind, schmälert den Kader. Zudem haben die vier nur möglichen Kurzeinsätze von Jürgen Nordhoff die Offensive lahmgelegt.

„Noch belohnen wir uns nicht für unser Spiel“, klagt Speer, hofft aber auf Besserung. Illusionen hinsichtlich Verstärkungen in der Winterpause macht er sich nicht. Grund sind vor allen Dingen die Trainingsbedingungen. „Mit dem Bau des Ascheplatzes hat die Stadt dem Verein und auch dem Trainer für die nächsten zehn Jahre einen Wettbewerbsnachteil eingebrockt“, so Speer.

Und wenn die Wende weiter aus- und am Ende nur die B-Liga bleibt? „Wir setzen alles daran, dass das nicht passiert. Die Jungs haben gezeigt, dass sie mithalten können. Es muss nur der Knoten platzen“, hofft der Obmann. „Und dann wäre das ja kein Abstieg. Die B-Liga bleibt immer noch die dritte Klasse von unten und mit der jetzigen A-Liga fast vergleichbar, heißt aber anders. Das würden wir annehmen“, sagt der Trainer. Vorziehen würde er das eingleisige Oberhaus. „Weil das eine Qualität wie die Bezirksliga vor zwei Jahren haben wird“, gesteht der ESV-Trainer.

Noch ist der Zug für die Eisenbahner Richtung Qualifikation für 2014/15 nicht abgefahren. Sie müssen allerdings einiges an Verspätung aufholen.

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