Kamaljit Singh trifft für Eintracht Nordhorn
Goalgetter mit Perspektive

Gronau/Nordhorn -

Spieler aus Gronau waren in den vergangenen Jahren die Konstante im Kader des niedersächsischen Fußball-Landesligisten Eintracht Nordhorn. Kamaljit Singh ist dabei vielleicht für längere Zeit der letzte Kicker, der auf der anderen Seite der Landesgrenze von sich reden macht.

Samstag, 19.04.2014, 08:04 Uhr

Kamaljit Singh setzte sich auch in dieser Szene erfolgreich gegen gleich zwei Gegenspieler durch. Der 19-jährige Stürmer aus Gronau läuft für den Landesligisten Eintracht Nordhorn auf.
Kamaljit Singh setzte sich auch in dieser Szene erfolgreich gegen gleich zwei Gegenspieler durch. Der 19-jährige Stürmer aus Gronau läuft für den Landesligisten Eintracht Nordhorn auf. Foto: b

Als Torjäger muss man nicht nur gut schießen und köpfen, sondern der Stürmer kann im Idealfall auch noch eine spezielle Qualität präsentieren, die man nicht lernen kann. „Entweder man hat’s – oder man hat’s nicht“, sagt Kamaljit Singh fast schon geheimnisvoll.

Die Fähigkeit, zum richtigen Zeitpunkt des Spiels an der richtigen Stelle zu stehen, wird gerne als „Torriecher“ bezeichnet. „Und ich hab’s einfach drauf“, meint Singh selbstbewusst.

Der 19-Jährige aus Gronau kickt nach sechs Jahren in der Eintracht-Jugend in der laufenden Spielzeit zum ersten Mal im Seniorenbereich. „Er hat die Gabe, immer dort zu sein, wo der Ball gerade hinkommt“, sagt Ralf Cordes , der den Angreifer sowohl in der A-Jugend als auch in der Hinrunde der aktuellen Saison trainierte, bevor der ehemalige Übungsleiter von Vorwärts Gronau und der SG Gronau entlassen wurde.

Sechs Treffer hat Singh bislang seit dem Sommer für Nordhorn gemacht. Das ist nicht gerade viel – aber auch leicht zu erklären: Mit insgesamt nur 30 erzielten Toren liegt Eintracht auf dem letzten Tabellenplatz der Landesliga, ein weiterer Abstieg droht dem ehemaligen Oberligisten.

Die Möglichkeiten für Singh, richtig zu stehen und seinen Torriecher auszuspielen, sind in der 1. Mannschaft der Niedersachsen deutlich seltener geworden als noch im Juniorenbereich. In seinen beiden Jahren in der A-Jugend glänzte der Stürmer noch mit 61 und 62 Treffern in der Bezirksliga . „Und das waren keine Elfmeter oder Krümeltore“, erinnert sich sein Ex-Trainer Ralf Cordes.

Seit der C-Jugend trägt Singh das Trikot der „Weinroten“, wobei ein weiterer Gronauer eine entscheidende Rolle beim Wechsel des Stürmers von der SG Gronau zur Eintracht gespielt hat. „Gerd Hölscher hat mich damals mit nach Nordhorn genommen“, erzählt Singh. Jahrelang wurde Singh zusammen mit anderen Gronauer Spielern wie Ninos Shamon oder Baris Yilmaz von den Nordhornern zu jedem Training und Spiel gefahren. „Es hat Spaß gemacht“, war Singh der hohe Aufwand nicht zu viel. „In Gronau gab es nicht viel, wo man in der Jugend hätte höher spielen können“, nennt er den Grund für seinen Wechsel, den er als „gute Entscheidung“ bezeichnet.

Im vergangenen Sommer gab es dann zwei weitere große Wechsel für Singh: Für ihn ging es von der Schule in die Ausbildung zum Informationselektroniker, die er in Gronau macht. Und bei der Eintracht gelang ihm der Sprung aus der A-Jugend in die 1. Mannschaft. „Das ist jetzt etwas ganz anderes, eine viel härtere Liga“, berichtet Singh von einer großen sportlichen Herausforderung.

„Man konnte sehen, dass er in der Hinrunde müde und kaputt war“, erzählt Cordes von den Umstellungsproblemen seines Schützlings, die im Herbst folgten. Mit drei Toren in den drei Partien vor der Winterpause meldete sich Kamaljit Singh, der von allen nur „Kamal“ genannt wird, aber zurück. Dann folgte ein weiterer Wechsel – ein Trainerwechsel. Cordes musste bei der Eintracht gehen, der Niederländer Willy Kaspers übernahm das Ruder. „Ralf war wie eine Vaterfigur im Fußball für mich. Er hat mich immer in Schutz genommen“, sagt Singh, der unter Kaspers einen schwereren Stand hat und bislang in der Rückrunde oft auf der Bank beginnen musste.

Ob es für Singh in Nordhorn in der kommenden Saison weitergeht, ob Eintracht dann in der Landes- oder der Bezirksliga spielt – das alles ist noch nicht klar. „Ich muss mich vielleicht umsehen. Wichtig ist es, welche Ziele der Verein hat“, sagt Singh, der sowohl einen deutschen als auch einen indischen Pass hat.

Dass in Zukunft nicht mehr so viele Gronauer Spieler wie bisher zum SV Eintracht wechseln werden, steht für die Nordhorner fest. Neben Kamaljit Singh stehen auch noch Nail Kaplan und der derzeit verletzte Torwart Philipp Gröber im Kader der Niedersachsen. „Wir legen mehr Wert auf Spieler aus der näheren Umgebung“, erklärt Eintrachts 2. Vorsitzender Heinz Kalter, der als ehemaliger Vorwärts-Trainer ebenfalls eine Gronauer Vergangenheit hat.

„Das ist auch eine Kostenfrage“, gesteht Kalter ein. Nach dem im Jahr 2012 abgeschlossenen Insolvenzverfahren des Klubs musste der ehemalige Oberligist die Ansprüche deutlich herunterschrauben. „Leider haben wir im Moment auch keine A-Jugend“, bekennt Kalter. Damit fällt für Talente ein großer Anreiz weg – Singh könnte für eine längere Zeit einer der letzten Kicker sein, der den sportlichen Weg von Gronau nach Nordhorn eingeschlagen hat.

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