Preußen Münster: Babacar N´Diaye über den alltäglichen Rassismus
Bananen gegen Rassismus

Münster -

Manni Kaltz machte einst die Bananenflanke hoffähig, dank Barcelona-Star Dani Alves wird die Südfrucht jetzt vor allem wieder gegessen. Diesen spontanen Einfall gegen den täglichen Rassismus hatte Babacar N´Diaye bereits vor neun Jahren in Aue umgesetzt. Jetzt greift der Senegalese, der am Freitag seinen Vertrag als Co-Trainer der Preußen um zwei Jahre bis 2016 verlängerte, wieder zur Banane - und die Trainerkollegen essen mit.

Samstag, 03.05.2014, 07:05 Uhr

Obstpause mit klarer Botschaft: Alexander Ogrinc, Babacar N`Diaye und Ralf Loose beziehen Stellung gegen Rassismus.
Obstpause mit klarer Botschaft: Alexander Ogrinc, Babacar N`Diaye und Ralf Loose beziehen Stellung gegen Rassismus. Foto: SCP

Deutschland ist meine zweite Heimat“, betont Babacar N’Diaye . Mit diesem Bekenntnis unterstreicht der Senegalese mit Nachdruck seine Verbundenheit mit seinem aktuellen und künftigen Lebensmittelpunkt – am Freitag einigten sich N‘Diaye und der SCP auf eine Verlängerung ihrer Zusammenarbeit bis Juni 2016. Dass N‘Diaye sich in Deutschland so wohl fühlt, ist nicht unbedingt selbstverständlich, schließlich sieht sich der Co-Trainer von Fußball-Drittligist Preußen Münster bis heute in einigen Fußball-Stadien offenen Rassismus-Bekundungen von einigen wenigen „Fans“ ausgesetzt. Daher freute sich der Westafrikaner nun sehr über die Solidaritätswelle, die eine Antirassismus-Aktion von Barcelona-Profi Dani Alves auslöste.

Als der Brasilianer im Liga-Spiel seines Clubs beim FC Villarreal eine Ecke schlagen wollte, wurde er mit einer Banane beworfen wurde . Alves hob die Frucht auf, schälte sie und biss ein Stück ab. Hinterher veröffentlichte er im Internet ein Foto, auf dem er und sein Sohn mit Bananen zu sehen sind, und ein Video gegen Rassismus mit dem Aufruf: „Wir sind alle Affen, wir sind alle gleich. Nein zu Rassismus!“

Diese Aktion nahmen weltweit Fußballer zum Vorbild, um sich ebenfalls beim Verzehr von Bananen ablichten zu lassen und sich dem Motto anzuschließen. Im Netz kursieren somit nun viele Fotos zur Unterstützung von Alves‘ Steilvorlage.

Auch an der Hammer Straße in Münster wurde hieraus ein Doppelpass: Gemeinsam mit Torwart-Trainer Alexander Ogrinc und SCP-Coach Ralf Loose posierte Babacar N’Diaye samt Bananen vor der Kamera, das Foto wurde im Internet gepostet. Eine Herzensangelegenheit für den 40-Jährigen: „Mir bedeutet die Aktion als Afrikaner sehr viel, weil ich rassistische Beschimpfungen selbst erlebt habe.“ Er ist mit einer Deutschen verheiratet, auch seine beiden Kinder sind in Deutschland aufgewachsen.

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Auch die Spieler von Rot-Weiß Ahlen beteiligten sich an der Aktion gegen Rassismus: (von links) Aygün Yildirim, Temel Hop, Sebastian Stroemer, Arda Nebi und Burak Karali ließen sich die Banane schmecken. (Foto: Marco Stiemke)

Seit 20 Jahren lebt N’Diaye bereits in Deutschland, als 20-Jähriger kam er einst nach Deutschland zum Fußballspielen. In seiner Vita stehen viele Stationen in ganz Deutschland. Dieses langjährige Engagement ist verbunden mit vielen schönen, aber auch einigen traurigen Erlebnissen in seinem Fußballerleben. Noch ganz genau erinnert er sich zum Beispiel an den 19. Februar 2005. „Als Spieler von Unterhaching wurde ich in Aue beim Warmmachen mit einer Banane beworfen. Ich habe es wie Alves gemacht und diese einfach gegessen.“

Ebenso eingeprägt hat sich ihm ein Testspiel seines damaligen Clubs Babelsberg bei Hertha BSC Berlin. Auf dem Trainingsgelände des Bundesligisten waren die Zuschauer damals direkt am Spielfeldrand. Babacar N’Diaye wurde durchgehend von einigen Fans beleidigt, bis auch seine Toleranz erschöpft war: „Das Spiel musste zehn Minuten unterbrochen werden, weil ich mich fast mit einigen Zuschauern geprügelt habe.“

Prominente Vorbilder wie Alves oder Boateng, der als Spieler in Italien nach rassistischen Beleidigungen einen Spielabbruch herbeiführte, sind für N’Diaye wichtig, um alle Fans zu sensibilisieren. Denn die Provokationen „gehen nur von wenigen Personen aus, die dem gesamten Bild des Fußballs schaden“, sagt der Senegalese.

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Solidaritäts-Bekundungen von Spielern von DJK Dülmen (v.l.): Denis Carsten, Alexander Arngold, Markus Schmidt (unten), Jonas Goßling und Viktor Konstanz (Alexander Arngold/DJK Dülmen).

Oft fehle aber den anderen Zuschauern die Zivilcourage, um diese Störenfriede in die Schranken zu weisen, kritisiert er. Deshalb wünscht sich N’Diaye in derartigen Situationen mehr Initiative der „richtigen“ Fans in den Stadien, um den Rassisten die Rote Karte zu zeigen.

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