Fußball: Gievenbeck verstärkt seine Reserve
Nur noch 60 Sekunden

Münster -

Nur noch 60 Sekunden! Nicolas Cage spielte in dem gleichnamigen Streifen aus dem Jahr 2000 die Hauptrolle. Exakt 60 Sekunden sorgten auch jüngst beim Fußball-Club 1. FC Gievenbeck für reichlich Gesprächsstoff.

Donnerstag, 15.05.2014, 21:05 Uhr

Die erste Hürde ist genommen: Die U 23 des 1. FC Gievenbeck steht nach dem 2:0-Sieg bei Wacker 2 als Meister der Kreisliga A 1 fest.
Die erste Hürde ist genommen: Die U 23 des 1. FC Gievenbeck steht nach dem 2:0-Sieg bei Wacker 2 als Meister der Kreisliga A 1 fest. Foto: Jürgen Peperhowe

Es gab Zeiten, da empfanden es Fußballer als Höchststrafe, noch vor dem Gang in die Pause ausgewechselt zu werden. Aber was mag in einem Kicker vorgehen, der nach nur einer Minute wieder runtermuss – und das putzmunter, ohne auch nur einen Bock geschossen zu haben?

Der Fußball schreibt mitunter die schönsten Geschichten. Aber er liefert auch Kuriositäten. Wer sich jüngst auf dem Internet-Portal „fussball.de“ getummelt hat, der wird sich beim Abruf der Informationen des 1. FC Gievenbeck möglicherweise seine Augen gerieben haben. Nico Eschhaus , Schnapper der Westfalenliga-Elf, kam am Samstag in der Partie der Reserve, die gestern Abend durch den 2:0-Erfolg bei Wacker Mecklenbeck 2 ihr Meisterstück in der Kreisliga A 1 machte, gegen den ESV Münster (2:1) zum Einsatz. Für eine Minute. Wie bitte? Hat sich da etwa der Fehlerteufel eingeschlichen? Die Antwort: Nein! „Das war abgesprochen“, klärt Alexander Tehler , Sportlicher Leiter beim FCG, auf.

Alles klar? Keineswegs. Es kommt noch besser. Zwei ambitionierte U-19-Spieler, Julian Canisius und Fabian Gerick, die ebenfalls schon Luft in der Westfalenliga schnupperten, gehörten am Sonntag zum Aufgebot der dritten Mannschaft in der C-Liga gegen den FC Münster 05 2 (1:3). Nach 60 Sekunden war auch für sie der Arbeitstag beendet. Die letzten 89 Minuten verfolgten sie von der Bank. Beim FCG hat die Kurzzeit-Rotation anscheinend System.

Laut Regelwerk kann ein Spieler aus der ersten Garde die zweite Vertretung auf der Zielgeraden der Saison verstärken, wenn er im fünftletzten Spiel zum Einsatz kommt. Ganz gleich, wie lange. Eschhaus, Canisius und Gerick dürfen nun zweispurig fahren – ebenso wie Nils Steinkamp und Janis Hohenhövel, zwei weitere Stammkräfte aus dem Westfalenliga-Kader. Beide wurden in der „Zweiten“ am vergangenen Wochenende in der Schlussphase eingewechselt. Ein kluger Schachzug des 1. FC Gievenbeck, wenn man den Faden weiterspinnt. Der frischgebackene Meister muss nach der Spielzeit in die Aufstiegsrelegation gegen den Titelträger aus der A 2 – und mit fünf nicht gerade uninteressanten Spielern, die allesamt eigentlich höherklassig unterwegs sind, scheinen sich die Chancen auf den Gang in die Bezirksliga deutlich zu erhöhen. Nun mag der objektive Betrachter Böses denken, gar von Wettbewerbsverzerrung sprechen. Und gewiss wirkt das Vorgehen auf den ersten Blick nicht ganz koscher. Aber: Alles legitim. Der 1. FC Gievenbeck setzt alles daran, um sein zweites Team in der nächsthöheren Klasse zu installieren.

Und doch hat die ganze Geschichte einen Haken. Zumindest für jene Spieler der Reserve, die möglicherweise im alles entscheidenden Spiel durchs Sieb fallen, weil ihr Platz von einem Spieler der ersten Mannschaft in Beschlag genommen werden könnte. Max Wulfert könnte dieses Schicksal treffen. Der etatmäßige Torwart der U 23 kam gegen den ESV Münster auf null Spielminuten, weil für Eschhaus die Westfalenliga-Nummer zwei, Christopher Kemper, „fliegend“ eingewechselt wurde.

Egal, was passiert, für Sportleiter Tehler steht fest: „Die Jungs können nächstes Jahr in der Bezirksliga spielen. Da sollte man persönliche Eitelkeiten hinten anstellen.“

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