Fußball | Kreisliga A: Sevket Karaman beendet seine Laufbahn
Der Dauerbrenner

Gronau -

Niemals geht man so ganz – das wussten und sangen schon Trude Herr, Wolfgang Niedecken und Tommy Engel Ende der 80er Jahre. Sevket Karaman und Markus Busen, die morgen im Trikot von Fortuna Gronau Abschied von der ersten Mannschaften nehmen, sind sich dessen ebenso bewusst. Sie wollen die Fußballschuhe weiter schnüren, allerdings eben nicht mehr auf höchstem Niveau in ihrem Verein.

Freitag, 12.06.2015, 19:06 Uhr

Daumen hoch für eine stolze Karriere. Ob Sevket Karaman für Fortuna auflaufen kann, ist mehr als fraglich. Sohn Vatan wird trotzdem als sein größter Fan morgen an der Laubstiege dabei sein. Zur Not für eine Ehrenrunde auf Krücken.
Daumen hoch für eine stolze Karriere. Ob Sevket Karaman für Fortuna auflaufen kann, ist mehr als fraglich. Sohn Vatan wird trotzdem als sein größter Fan morgen an der Laubstiege dabei sein. Zur Not für eine Ehrenrunde auf Krücken. Foto: privat/aho

Es soll brütend heiß werden an diesem zweiten Augusttag 2013. Im Glutofen Wolbertshof starten die Stadtmeisterschaften. Die Sonne brennt, die Ersatzspieler, Trainer und Fans flüchten unters Tribünendach, das wenigstens etwas Schatten bietet. Nur einen vierjährigen Knirps im Galatasaray-Trikot kümmert das alles wenig. Er traut sich auf die Aschebahn, dreht erst eine, dann noch eine zweite Runde und lässt sich feiern. Vatan heißt der kleine Dauerläufer. Sein Papa – der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm – ist ein Dauerbrenner im Gronauer Fußball : Sevket Karaman trug seit 1991 das Trikot von Arminia und Fortuna Gronau , spielte auch ein halbes Jahr am Wolbertshof. Morgen ist damit Schluss.

Dass der bald 34-Jährige überhaupt noch im Kader steht, hat er einer Facebook-Aktion der Fortunen zu verdanken, die ihn am Saisonende 2012/13 zum Weitermachen bewegte. Also saß Sevket Karaman an besagtem heißen Tag am Wolbertshof wieder auf der Bank – allerdings verletzt. So wie morgen.

„Es sieht nicht gut aus. Ich hoffe, ich kann noch ein Mal, das letzte Mal, für fünf Minuten meine Nummer elf in der Ersten tragen“, will sich der flexible Mittelfeldspieler noch nicht damit abfinden, einfach nur so verabschiedet zu werden, ohne nicht selbst gegen den Ball getreten zu haben. Ehrgeiz und Verlässlichkeit – das waren schon immer seine Tugenden. Da passt es irgendwie auch ins Bild, dass Sevket Karaman Gheorghe Hagi, Miroslav Klose, Hakan Sükür oder Michael Jordan zu seinen Lieblingssportlern zählt.

Akribisch wie er ist, hat der 33-jährige Gronauer auch gleich Statistiken zur Hand, die beeindrucken: „Freundschaftsspiele mitgezählt, komme ich auf ziemlich exakt 500 Partien für die erste Mannschaft“, listet Karaman auf. „Viel wichtiger aber ist: Ich habe seit meiner ersten Partie bei den Senioren mit rund 150 Spielern in meiner Karriere dasselbe Trikot getragen und habe dabei das Glück gehabt, es mit überwiegend guten Menschen zu tun bekommen zu haben. Das hat riesigen Spaß gemacht.“

Wer Sevket Karaman etwas besser kennt, der weiß, wie wichtig ihm das tatsächlich ist. Und natürlich seine Familie. Dort, wo der Sohn spielt, ist Vater Nevzat nicht weit. Sevkets Frau Gülsen, Vatan (6) und seine Tochter Meliha (1) sind seine größten Fans. „Ganz vom Fußball werde ich nicht loskommen. Glücklicherweise toleriert und unterstützt das meine Familie.“ Mit Bruder Murat kickt er seit mehreren Jahren in der Ersten. Als der damals hochgezogen wurde, war das auch der Hauptgrund, warum das kurze Intermezzo bei Vorwärts Epe schnell wieder beendet war. „Da wollte ich einfach nur noch zurück“, fand er am Wolbertshof keine neue Heimat. „Ich war da ein Nobody, wir haben auf Asche trainiert, es gab Grüppchenbildungen – alles war anders als bei Arminia Gronau. Das komplette Gegenteil. Ich habe mich einfach nicht wohlgefühlt. Und fußballerisch“, das gibt Sevket Karaman ebenso zu, „hat es für die Landesliga auch nicht gereicht. Da bin ich deutlich an meine Grenzen gestoßen.“

Arminia Gronau hingegen sei für ihn immer wie eine große Familie gewesen, die Mannschaft eine eingeschworene Einheit. „Leidenschaft und Einsatz waren unsere Tugenden. Das hat auch mich geprägt“, denkt Sevket Karaman. Deswegen hat er seine Hoffnung auf die letzten fünf Minuten im Fortuna-Trikot noch nicht aufgegeben. Vielleicht reicht es ja zumindest für eine Ehrenrunde. Sohnemann Vatan jedenfalls stünde bereit.

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