Fußball | Shakehands, Fair Play und schlechte Manieren
Nur ein feuchter Händedruck?

Gronau-Epe -

Sportlich liegen zwischen Bundes- und Bezirksliga Welten. Bei der Durchführung der Partien nähern sich die Spielklassen. Nein, keine Live-Übertragungen im Pay-TV sind gemeint. Und auch das Hawk-Eye ist als Torlinientechnologie in den unteren Ligen alles andere als ein Thema, wo teilweise noch nicht einmal Schiedsrichterassistenten über Abseits entscheiden. Aber das Begrüßungsritual der Bundesligisten führte der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen jetzt zum Start der Saison 2015/16 von der Bezirksliga aufwärts ein. Und zwar verpflichtend.

Freitag, 21.08.2015, 18:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 21.08.2015, 18:00 Uhr
Nach dem Anpfiff: Rudelbildung, Gezeter, Handgreiflichkeiten. Die guten Vorsätze sind längst vergessen. Es sind ja schließlich auch schon 80 Minuten verstrichen
Nach dem Anpfiff: Rudelbildung, Gezeter, Handgreiflichkeiten. Die guten Vorsätze sind längst vergessen. Es sind ja schließlich auch schon 80 Minuten verstrichen Foto: nre

Die Argumente für das neu eingeführte Shakehands vor dem Anpfiff leuchten zunächst ein. Klar, der Fair-Play-Gedanke soll nachhaltig gestärkt werden. Beide Teams und Schiedsrichter begegnen sich noch vor dem Anpfiff nicht nur zur Seitenwahl, sondern auch zum gegenseitigen Shakehands der Reihe nach. Noch vor dem ersten Spieltag hatte sich der Vizepräsident Fußball im FLVW, Manfred Schnieders , zuversichtlich gezeigt: „Ich bin optimistisch, dass diese Maßnahme ankommt“. Kam sie?

Am Wolbertshof in der Bezirksliga 11 rieben sich nicht wenige der rund einhundert Zuschauer verwundert die Augen: „Was passiert denn jetzt“, fragt da ein Herr gesetzteren Alters seine Frau. Das Paar verpasst keinen Sonntagnachmittag, wenn Vorwärts Epe ein Heimspiel austrägt. Brav also wie die Orgelpfeifen aneinandergereiht begrüßten sich Referee und Akteure der Grün-Weißen sowie vom Gegner TSV Marl-Hüls ganz wie vom Verband gewünscht. Doch je weiter die Partie voranschritt, desto ruppiger ging es zu. Fair Play? Das interessierte die Kicker auf dem grünen Rasen im wahrsten Sinne des Wortes einen feuchten Händedruck.

Üble Fouls der Gäste in der Schlussphase und mehrere Male Rudelbildung, eine Rote Karte wegen einer Blutgrätsche an der Seitenlinie, dazu Gelb-Rot wegen eines Handspiels und der Vereitelung eines klaren Tores – von Fairness und Respekt war am Wolbertshof am vergangenen Sonntag – insbesondere bei den Gästen – nichts, aber rein gar nichts mehr zu notieren. Nun mag schnell argumentiert werden: Sicher, wenn es um Punkte geht, kann es auch mal hart auf hart kommen. Doch acht Minuten vor dem Schlusspfiff war die Partie für Vorwärts Epe beim Zwischenstand von 4:1 längst gelaufen. Die Härte, die dort ins Spiel kam, war völlig überflüssig.

Trainer Jochen Wessels verteidigt das neue Ritual dennoch: „Ich finde es gut“, stellt er klar. „Ob privat oder beruflich: Begegne ich bekannten Menschen, Trainerkollegen oder auch Kunden, reiche ich ihnen die Hand. Das hat mit Anstand und Höflichkeit zu tun. Und“, ergänzt der Übungsleiter, „ist in der heutigen Zeit sicher auch ein Stück weit Erziehungsmaßnahme für die ganz jungen Spieler.“ Trotzdem sagt Wessels: „Was in den 90 Minuten dann passiert, steht auf einem anderen Blatt.“

So wie beim Ortsrivalen FC Epe, der beim FC Marl gastierte: Dort ging es nicht gesitteter zu. Wenngleich glücklicherweise nur verbal. Hier kassierte je ein Bankspieler pro Team einen Platzverweis, weil er sich zu lautstark beschwert hatte. Ebenso gab es auch in Olfen und Dülmen je ein Mal den Roten Karton. Macht sechs Mal Rot oder Gelb-Rot am Wochenende in nur acht Partien. Wenn das Spiel beginnt, zählt der Sieg. Shakehands hin oder her.

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