Melanie Hubert ist Physiotherapeutin bei SF Lotte
Ehemalige Bundesligaspielerin hält Regionalligisten auf Trab

Angst vor Männern hat sie keine. Vor Fußballern schon gar nicht. Warum auch? Sie hat ihre Kicker bestens im Griff. Im wahrsten Sinne des Wortes. Melanie Hubert sorgt dafür, dass die Profis der Sportfreunde Lotte einsatzbereit bleiben oder schnell wieder werden.

Montag, 24.08.2015, 12:08 Uhr

Im Laufschritt: Wann immer in Lotte nach Melanie Hubert verlangt wird, dann ist immer Eile geboten.
Im Laufschritt: Wann immer in Lotte nach Melanie Hubert verlangt wird, dann ist immer Eile geboten. Foto: Alfred Stegemann

Die 27-Jährige bewegt sich in einer echten Männerdomäne. Und sie hat einen Festanstellungsvertrag bei den Sportfreunden. Sie ist damit die einzige allein für einen Verein tätige Physiotherapeutin der Regionalliga. Fachlich ist sie bestens ausgebildet. Nicht nur das, auch fußballerisch hat sie einiges drauf, gehörte sie doch einst zum Bundesliga-Kader des FFC Heike Rheine .

„Aua“ und „nicht so doll“ hört sie häufig. Mehrmals täglich sogar. Dabei will sie den jungen Kerlen, die zu ihr kommen, nichts Böses. Im Gegenteil. „Es ist meine Aufgabe, dass sie fit sind, wenn sie spielen müssen“, erklärt Melanie Hubert . Als Physiotherapeutin muss sie Hand anlegen. Dehnübungen hier, Behandlungen an der Muskulatur dort, Tapeverbände anlegen und, und, und. Zehn-Stunden-Arbeitstage sind keine Seltenheit. An Spieltagen, vor allem bei Auswärtspartien, können es auch 14 oder mehr werden.

Nicht selten ist sie die erste im Sportpark am Autobahnkreuz und auch die letzte. „Es ist genug zu tun. Leerlauf gibt es kaum“, berichtet die 27-Jährige. Behandlungen vor und nach den Trainingseinheiten der Sportfreunde Lotte stehen regelmäßig an, an Spieltagen wird vor dem Anstoß bei dem einen oder anderen schnell noch etwas eingerenkt oder „eingestellt“, wie sie es selbst nennt.

Bis vor vier Wochen hieß die 27-Jährige noch Mulder. Dann hat sie geheiratet und den Namen ihres Ehemannes angenommen. Für sie kein Problem. „Wir kennen uns so lange. Dann heiße ich jetzt eben Melanie Hubert.“ Kennen gelernt haben sich die beiden beim Fußball. Seit ihrem sechsten Lebensjahr jagt „Melli“, wie sie in Lotte nur genannt wird, dem runden Leder hinterher. Angefangen hat sie beim FCE Rheine . In der Emsstadt wohnt sie auch heute noch.

Früh stand für sie fest, dass sie auch beruflich etwas mit Fußball zu tun haben möchte. Nach dem Abitur am Emsland-Gymnasium in Rheine absolvierte sie eine Ausbildung zur Rettungsassistentin und arbeitete anschließend bei der Berufs-Feuerwehr in Ibbenbüren.

In guten Händen: Melanie Hubert weiß aus eigener Erfahrung um die Schmerzen von Fußballern.

In guten Händen: Melanie Hubert weiß aus eigener Erfahrung um die Schmerzen von Fußballern. Foto: Alfred Stegemann

Doch sie wollte mehr und entschied sich für ein vierjähriges duales Studium der Physiotherapie. Die praktische Ausbildung war in Rheine, das Studium in ­Uetrecht (Niederlande). „Das war eine harte Zeit“, erinnert sich Melanie Hubert. Aber es hat sich gelohnt, der Abschluss mit Bachelor folgte.

Nach dem Studium arbeitet sie zunächst in Hamm. Dort gab es erste Berührungspunkte mit Profifußballern. „Da war mir klar, das ist mein Ding. Das will ich machen“, blickt sie zurück. 2011 erreichte sie der Anruf von Maik Walpurgis, dem damaligen Trainer der Sportfreunde Lotte. Schnell wurden sich beide Seiten einig. Eine halbe Stelle war es bis Sommer 2013.

Melanie ist einfach klasse. Sie macht top Arbeit, ist unheimlich kompetent. Sie gehört definitiv zu den Top-3-Physiotherapeuten in meiner 20-jährigen Karriere.

Mittelfeldspieler Tim Wendel

Seit Beginn der Saison 2013/14 ist sie in Vollzeit bei den Sportfreunden Lotte angestellt und damit die einzige für einen Verein hauptamtlich tätige Physiotherapeutin der Regionalliga. Frauen gibt es in diesem von Männern beherrschten Bereich ohnehin von Bundes- bis Regionalliga nur sehr wenige.

Melanie Hubert aber stand immer ihren Mann und suchte weitere Herausforderungen im medizinischen Bereich. Sie absolvierte Fortbildungen zur Sportphysiotherapeutin, Sport-Osteopatin und Chiropraktikerin sowie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. „Deshalb arbeite ich sehr gern im Präventivbereich“, schildert die 27-Jährige und klopft auf Holz.

„In den vergangenen Jahren hatten wir in Lotte kaum schlimmere muskuläre Verletzungen.“ Einer ihrer Ausbilder in dieser Zeit war Klaus Eder, Physiotherapeut der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. „Bei ihm habe ich viel gelernt“, äußert „Melli“.

Melanie Hubert beim Einsatz während eines Spiels.

Melanie Hubert beim Einsatz während eines Spiels. Foto: Mrugalla

Ihre Arbeit in Lotte begutachtet sie am liebsten selbst. Wenn Melanie Hubert einen zuvor verletzten Spieler durch ihre Behandlung fit gemacht hat, geht sie mit ihm in den Kraftraum oder eben auch auf den Rasen und macht erste fußballerische Übungen. „Zu Beginn kamen da natürlich ein paar Sprüche nach dem Motto, was soll ich denn jetzt mit einer Frau aufm Platz?“, blickt sie zurück.

Umso überraschter sind die Spieler, wenn sie sehen, dass die 27-jährige mit dem Ball umgehen kann, und zwar richtig gut. Seit ihrem sechsten Lebensjahr spielt sie Fußball, gehörte sogar zwei Jahre zum Kader des FFC Heike Rheine in der ersten und zweiten Bundesliga.

Im Doppelpass: Melanie Hubert mit Lottes Mittelfeldspieler Tim Wendel.

Im Doppelpass: Melanie Hubert mit Lottes Mittelfeldspieler Tim Wendel. Foto: Alfred Stegemann

Noch heute ist die technisch beschlagene Mittelfeldspielerin aktiv für SF Gellendorf in der Kreisliga. Mehr lässt die fehlende Zeit nicht zu. „Ich glaube, ich weiß, wie Fußballer ticken. Manchmal fragen mich einige aus der Mannschaft vor dem Spiel sogar, ob sie Stollen oder Noppen tragen sollen.“

Melanie Hubert ist bei jeder Trainingseinheit und bei jedem Spiel dabei. Sie weiß genau, was los ist bei den Sportfreunden. „Ja, manchmal schildern mir die Jungs auch ihre Sorgen“, erzählt die medizinische Fachkraft, ohne ins Detail zu gehen. Die Spieler wissen, was sie an ihr haben und vertrauen ihr.

„Melanie ist einfach klasse. Sie macht top Arbeit, ist unheimlich kompetent“, betont Mittelfeldspieler Tim Wendel. „Sie gehört definitiv zu den Top-3-Physiotherapeuten in meiner 20-jährigen Karriere.“

Und was sagt Trainer Ismail Atalan? „Wir verstehen uns gut. Sie weiß ja, was sie tut. Natürlich möchte ich, dass Spieler so schnell wie möglich fit werden nach einer Verletzung. Aber ihre Meinung ist mir sehr wichtig. Entscheidungen diesbezüglich treffen wir gemeinsam.“

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