Gronauer Hans Gabbe ist neuer Sportrechte-Chef bei Sky
„Möchte mit niemandem tauschen“

Gronau -

Sein Name ist vermutlich nicht den meisten Fans ein Begriff. Sein Job steht dafür umso mehr im Fokus. Denn wenn die Deutsche Fußball Liga (DFL) im April an den Verhandlungstisch bittet, dann nimmt dort auch ein gebürtiger Gronauer Platz. Hans Gabbe heißt der neue Sportrechte-Chef von Sky Deutschland. Seine Mission: Der deutsche Pay-TV-Sender will die Rechte für die Live-Übertragungen der Bundesliga über die Saison 2016/17 hinaus behalten. WN-Mitarbeiter Nils Reschke sprach mit dem 41-jährigen Juristen über ein Leben irgendwo zwischen Gronauer Tennis-Wurzeln und Millionen-Deal.

Donnerstag, 31.03.2016, 08:03 Uhr

Hans Gabbe verhandelt für Sky mit der DFL über die Bundesliga-Rechte.
Hans Gabbe verhandelt für Sky mit der DFL über die Bundesliga-Rechte. Foto: Sky/Andreas Hoffmann

Hans Gabbe , erinnern Sie sich eigentlich noch an 1989?

Gabbe: Natürlich. Das war das Jahr, in dem ich als Jugendsportler des Jahres in Gronau ausgezeichnet wurde. In der deutschen Tennis-Jugendrangliste stand ich damals irgendwo zwischen Platz neun und zwölf, bin Westfalenmeister geworden und habe auch schon im Herrenbereich die ersten erfolgreichen Schritte unternommen. Diese Auszeichnung war etwas Besonderes, weil sie für mich die erste dieser Art war.

Was ist seitdem im Leben des gebürtigen Gronauers passiert?

Gabbe: Zunächst lag der Fokus noch auf dem Tennissport. In der 2. Bundesliga spielte ich damals für den SV Münster und danach beim Oberhausener THC, habe parallel mein Abitur gemacht. Danach musste ich eine wichtige Entscheidung treffen.

Welche war das?

Gabbe: Ob ich Tennis professionell spielen möchte. So wie viele meiner damaligen Kollegen aus dem Westfalenkader. Zu dem zählte damals auch ein Michael Kohlmann . Oder eben, ob ich mich auf eine berufliche Karriere konzentriere. Ich habe mich für letztere Variante entschieden, habe Jura studiert und mir dabei das Privileg erarbeitet, den Beruf mit meiner Leidenschaft für den Sport zu kombinieren.

Kohlmann ist seit Februar Kapitän der deutschen Davis-Cup-Mannschaft. Sie haben im Februar den Posten als Sportrechte-Chef bei Sky Deutschland übernommen. Können Sie Ihre Aufgaben in drei Sätzen erklären?

Gabbe: Der Fokus liegt natürlich auf dem Erwerb der Sportrechte für Sky. Dieser Prozess beginnt mit der Evaluierung der wesentlichen Parameter für die Sportart, es folgen Verhandlungen mit den Lizenzgebern und schließlich das juristische Finalisieren der Verträge. Hinzu kommt die weltweite Beobachtung des Sportrechte-Marktes und die Entwicklung einer Sportrechte-Strategie. Neu ist die Verantwortung bei der Verwertung und Kommerzialisierung der Sportrechte. Aber am Ende des Tages gilt es, unseren Abonnenten hochwertigen, spannenden und exklusiven Sport zu bieten.

Die Rechtevergabe der Fußball-Bundesliga steht aktuell im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Was überwiegt da eigentlich: Die Her­ausforderung, das bestmögliche Paket für Bestands-, potenzielle Neukunden und Fußballfans zu schnüren? Oder doch eher der Stress, den diese Aufgabe mit sich bringt?

Gabbe: Mein Beruf ist ein absoluter Traumjob, den ich als echtes Privileg empfinde. Herausfordernd, ja, manchmal auch stressig. Aber ich möchte mit niemandem tauschen.

Neue Anstoßzeiten

Die Fußballfans werden sich ab der Saison 2017/18 wohl auf Veränderungen einstellen müssen. Und zwar unabhängig davon, wo die 1. Bundesliga dann live im Fernsehen verfolgt werden kann. Denn Gerüchte verdichten sich, wonach die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Spieltage weiter zerpflücken will

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Ist ein Sportrechte-Chef denn eigentlich zur Neutralität verpflichtet? Oder für welchen Fußballverein schlägt Ihr Herz privat?

Gabbe: Alle 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga leisten ihren Beitrag auch für den Erfolg unseres Unternehmens. Deswegen ist eine gewisse Neutralität in diesem Job geboten. Sky repräsentiert die gesamte Bundesliga, nicht nur einzelne Vereine. Das ist uns sehr wichtig. Doch wie jeder andere Mitarbeiter auch sympathisiere ich mit einem Klub: Bei mir ist das der Hamburger SV.

Abseits des Fußballs hält Sky bis 2018 unter anderem die Rechte am wohl prestigeträchtigsten Tennisturnier der Welt. Live-Übertragungen aus Wimbledon – ist das für den ehemaligen Grün-Gold-Spieler Hans Gabbe etwas Besonderes?

Gabbe: Ja und nein. Alle bei Sky akquirierten Sportarten zeichnen sich durch eine weltweit hohe Reputation und Alleinstellung aus. Auch Wimbledon ist in diesem Kontext zu sehen. Persönlich freue mich natürlich darüber. Und der Besuch vor Ort war ein ganz besonderes Erlebnis. Das Turnier ist so anders als vieles andere im Sport. Vor allem, weil es eine unglaubliche Tradition hat, die man immer spürt. Angefangen beim Rasen bis hin zu den unvermeidlichen Erdbeeren!

Stichwort Tennis: Ihr Vater Jens und Ihr Bruder Sven haben mit den Gronau Open ein überaus erfolgreiches Turnier in Ihrer Heimatstadt etabliert.

Gabbe: Was die beiden in Zusammenarbeit mit dem Verein, Stadt, Sponsoren und allen Personen, die dort ehrenamtlich mitarbeiten, geschaffen haben, ist außergewöhnlich. Ich habe in den Anfängen des Turniers mehrmals vorbeigeschaut. Schon damals war von Jahr zu Jahr eine Entwicklung zu sehen.

Wie sieht es denn eigentlich mit der eigenen Tenniskarriere aus? Und was unternimmt der Privatmensch Hans Gabbe nach dem Feierabend?

Gabbe: Bis zum Abschluss des Studiums stand Tennis noch hoch im Kurs. Ich spiele mittlerweile aber kaum noch. Einen sportlichen Ausgleich zum Job suche ich etwa beim Joggen. Oder ich fahre mit dem Rad zur Arbeit. Privat interessiere ich mich sehr für die Börse und Kunst. Meine größte Leidenschaft ist aber das Reisen. Hier hat es mir vor allem Afrika angetan.

Apropos Reisen: Was verbindet Sie noch mit der Heimat?

Gabbe: Zu allererst meine Familie, die mich auch über aktuelle Entwicklungen in der Stadt auf dem Laufenden hält. Da ich mittlerweile seit über elf Jahren in München lebe, ist es nicht so einfach, Gronau häufiger zu besuchen. Und dann natürlich der Tennisverein Grün-Gold. Wann immer ich hier bin, versuche ich an der Losser­straße ein Match zu spielen. Ich habe diesem Verein schließlich sehr viel zu verdanken.

Mit Peter Radwanski, dem Vater der Weltklassespielerinnen Agnieszka und Urzula Radwanska, haben Sie in Gronau selbst noch zusammengespielt.

Gabbe: Peter kam damals als einer der besten polnischen Tennisspieler nach Gronau und hat sogar anfangs kurz bei uns zu Hause gewohnt. Ich habe als Jugendlicher auch immer mit ihm trainiert, bis ich den Verein gewechselt habe. Der Kontakt nach Gronau ist in den Jahren danach nie ganz abgerissen. Besonders nicht zu meinem alten Mannschaftskameraden Wolfgang Nolze. Mit Wolly habe ich während meines Referendariats noch in Düsseldorf zusammengespielt. Und sein Vater, Wolfgang Nolze senior, ist für mich nach wie vor die gute Seele von Grün-Gold. Wann immer du auf die Anlage kommst: Er pflegt die Plätze, kümmert sich um die Kinder und freut sich stets, mich wiederzusehen. Es wäre also mal wieder an der Zeit …

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