Fußball: Regionalliga West
„Wir dürfen uns nicht erpressen lassen“

Ahlen -

Der plötzliche Rauswurf von Trainer Marco Antwerpen und Kapitän Felix Backszat sorgt für Diskussionsstoff bei Rot-Weiß Ahlen. Teile der Mannschaft sollen nicht mit den Inhalten des offenen Briefs einverstanden gewesen sein.

Donnerstag, 19.05.2016, 15:05 Uhr

Sah sich zum Handeln gezwungen: RW Ahlens Vorsitzender Dirk Neuhaus.
Sah sich zum Handeln gezwungen: RW Ahlens Vorsitzender Dirk Neuhaus. Foto: Cedric Gebhardt

Die Turbulenzen bei Rot-Weiß Ahlen halten an. Der plötzliche Rauswurf von Chefcoach Marco Antwerpen , Co-Trainer Uwe Peters und Kapitän Felix Backszat erschien zunächst wie eine Kurzschlusshandlung von Dirk Neuhaus .

Doch der RWA-Vorsitzende reklamiert Gründe für diesen Schritt. Nach Informationen unserer Zeitung soll eben nicht die gesamte Mannschaft geschlossen hinter Form, Inhalt und Veröffentlichungszeitpunkt des offenen Briefes gestanden haben, so wie es am Ende des Schreibens steht. Das behauptet auch Dirk Neuhaus.

Nicht alle Spieler sollen mit dem Brief einverstanden gewesen sein

So war am Donnerstag zu hören, dass sich einige Spieler geweigert haben sollen, diesen drastischen Schritt zu gehen. Daraufhin soll ihnen mit einer Streichung aus dem Kader für die letzten beiden Partien gedroht worden sein. Marco Antwerpen aber widerspricht rigoros: „Das muss ich dementieren. Warum sollte ich mit Drohungen arbeiten?“ Darüber hinaus sei er nicht der Initiator des Briefes gewesen. „Die Mannschaft wollte den Brief rausschicken, ich habe sie nur dabei unterstützt. Alles Weitere sollte das Team unter sich klären.“

Er habe die Situation so wahrgenommen, dass jeder Akteur in der Kabine die Veröffentlichung des Briefes in der erschienenen Form unterstützt habe. „Alle haben dem zugestimmt“, so Antwerpen . „Ich gehe aber nicht im Groll, sondern als derjenige, der den Kopf hinhalten muss“, sagt Antwerpen. Am Freitag werde er sich vor dem Training von der Mannschaft verabschieden. Dann ist das Kapitel RW Ahlen für ihn endgültig beendet.

Neuhaus wehrt sich gegen Erpressungsversuch

Dirk Neuhaus ist dagegen nach wie vor enttäuscht vom Verhalten von Team und Trainer. „Wenn man 15, 16 Jahre ist und als Schülersprecher dem Rektor an den Karren pissen möchte, dann macht man so was. Aber im Übergang zum Profifußball ist das alles völlig unangebracht. Solche Dinge muss man intern klären“, hält der RWA-Vorsitzende fest.

„Einige Spieler haben sicher gar nicht gewusst, was für eine Welle sie damit lostreten“, so Neuhaus. Er sieht das Gesamtkonstrukt RW Ahlen durch dieses Verhalten und die erhobenen Vorwürfe geschädigt. „Das dürfen wir uns als Verein nicht gefallen lassen. Es kann nicht sein, dass wir uns von der Mannschaft erpressen lassen. Da hört der Spaß auf. Deshalb musste ich handeln“, erläuterte Dirk Neuhaus. Er legt nach: „Die Mannschaft ist vielleicht das Zugpferd, aber die Zügel halten immer noch wir in der Hand.“ Die im Brief geäußerten Vorwürfe nennt er nach wie vor „unberechtigt“ – alle Gehälter seien gezahlt worden. Dem Vernehmen nach stehen aber noch Sieg- und Auflaufprämien aus.

Begnadigung für Felix Backszat?

Dem Vorwurf, er habe das Team nicht regelmäßig über die aktuelle Lage unterrichtet, entgegnet der Präsident: „Bei fast jedem Auswärtsspiel habe ich stundenlang mit im Mannschaftsbus gesessen. Bei der Gelegenheit hätten die Spieler dann auch mal zu mir kommen können, um Probleme auf kurzem Dienstweg zu klären.“ Das sei zwar geschehen, aber eben nicht allzu häufig. Den Ball spielt Neuhaus damit an die Belegschaft zurück, die aus seiner Sicht diesbezüglich ihrerseits mehr Initiative hätte ergreifen können.

Denkbar ist für Dirk Neuhaus derweil eine Begnadigung von Felix Backszat, für die sich der Mannschaftsrat eingesetzt haben soll. Der Leitwolf gilt intern als sehr geschätzte Persönlichkeit. „In dieser Angelegenheit bin ich kompromiss- und gesprächsbereit“, bestätigt Neuhaus. Ob Felix Backszat seinerseits überhaupt Interesse an einer Rückkehr hat, steht jedoch in den Sternen. Der Spielführer war bis Donnerstagnachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Schriftliche Einigung im Insolvenzverfahren verzögert sich

In jedem Fall aber möchte Dirk Neuhaus am Sonntag nach der Partie in Mönchengladbach noch einmal mit Felix Backszat reden: „Wir werden sehen, dass wir die Kuh schnell vom Eis kriegen.“ Heißt: Beim Westfalenpokal-Finale gegen Wattenscheid 09 könnte der Kapitän wieder zum Aufgebot gehören. Für das Auswärtsspiel am Niederrhein aber bleibt Backszat suspendiert.

Weiterhin zuversichtlich ist Dirk Neuhaus, was die Aufhebung des Insolvenzverfahrens angeht. Die für Freitag angedachte schriftliche Fixierung der Einigung zwischen Peter Evers und Rechtsanwalt Michael Mönig werde sich allerdings noch etwas verzögern. In der kommenden Woche solle Evers aber seine Verzichtserklärung unterzeichnen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4015788?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F192%2F4845597%2F4845605%2F
Nachrichten-Ticker