Fußball | ASC Schöppingen klopfte 1986 an die Tür zur 2. Liga
Jerry Wotte: „Da war die Hütte voll“

Schöppingen -

Es wäre eine Frage für Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“: Was verbindet den FC St. Pauli, RW Essen, VfB Odenburg, ASC Schöppingen und SC Charlottenburg?

Montag, 04.07.2016, 13:07 Uhr

Mit diesem Kader  startete der ASC Schöppingen in die Saison 1985/86, die mit der Meisterschaft und den Spielen um den Aufstieg in die 2. Liga endete. Links, stehend Klaus Hilpert, daneben der frühere Wilmsberger Trainer Martin Steinberg, darunter sitzend Uli Gäher. Mittlere Reihe, 5.v.l. Jerry Wotte, oben Reinhard Kloppenborg (2.v.r.).
Mit diesem Kader  startete der ASC Schöppingen in die Saison 1985/86, die mit der Meisterschaft und den Spielen um den Aufstieg in die 2. Liga endete. Links, stehend Klaus Hilpert, daneben der frühere Wilmsberger Trainer Martin Steinberg, darunter sitzend Uli Gäher. Mittlere Reihe, 5.v.l. Jerry Wotte, oben Reinhard Kloppenborg (2.v.r.). Foto: WN Archiv

Die möglichen Antworten: a) alle Vereine spielten mindestens ein Jahr lang in der 2. Liga; b) bei allen fünf Vereinen war Trainer Klaus Hilpert tätig; c) diese fünf Vereine trafen in einer Aufstiegsrunde zur 2. Liga aufeinander; d) allen fünf Vereinen gelang in der DFB-Pokalhauptrunde schon mal ein Sieg gegen einen Erstligisten.

Ob das Publikum dem Kandidaten auf die Sprünge helfen könnte? Bei dieser Frage, durchaus schon in einer höheren Gewinnphase angesiedelt, könnte wohl auch ein Fußballexperte ins Grübeln kommen.

8000 Zuschauer im Preußen-Stadion

Schließlich ist es 30 Jahre her, dass der Verein aus dem Westmünsterland tatsächlich an das Tor zur 2. Bundesliga anklopfte (richtig wäre damit Anwort c). Vom 21. Mai bis 21. Juni 1986 nahm der ASC unter Regie von Trainer Klaus Hilpert an der Aufstiegsrunde teil. Hinter den beiden Aufsteigern FC St. Pauli und Rot-Weiß Essen sowie Charlottenburg und Oldenburg belegten die Schöppinger Fußballer den fünften und letzten Rang. 8000 Zuschauer verfolgten zum Abschluss der Aufstiegsrunde im Stadion von Preußen Münster das Spiel des ASC gegen RW Essen (1:5). Held des Spiels war Volker Abramczik, der allein vier Treffer erzielte, während Uli Gäher für den Ehrentreffer verantwortlich zeichnete.

Wotte spielte bis 1991 für den ASC

Fünf Jahre nach der Aufstiegsrunde zur 2. Liga rückte der ASC Schöppingen 1991 erneut in den Blickpunkt. Als Vize-Meister der Oberliga nahm die von Bernard Dietz trainierte Mannschaft an den Spielen um die Deutsche Amateurmeisterschaft teil. Nach einer 2:5-Auftaktniederlage bei den Amateuren von Werder Bremen trennte sich der ASC 3:3 von Alemannia Aachen und 1:1 von Türkiyemspor Berlin. Nach dieser Spielzeit verließen u. a. Alfred Nijhuis (Profi beim MSV Duisburg), Milan Lazic und Jerry Wotte den ASC. Wotte war 1991 in Berlin der einzige ASC-Spieler, der auch 1986 im Meisterschaftsjahr das Schöppinger Trikot getragen hatte.

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Genau einen Monat zuvor hatten die Aufstiegsspiele für den ASC mit einem Heimspiel begonnen. Im Vechtestadion gab vor der prächtigen Kulisse von 6700 Besuchern der FC St. Pauli seine Visitenkarte ab und entführte mit einem 3:1-Sieg auch gleich die Punkte. Für die Hilpert-Schützlinge traf Rob Reekers.

Ich kenne sie alle noch.

Jerry Wotte

Einer, der sich noch bestens an den Gewinn der Meisterschaft in der Oberliga Westfalen und die anschließenden Aufstiegsspiele erinnert, ist Jeroen „Jerry“ Wotte. Der heute 52-Jährige stand selbst auf dem Platz und schwärmt von dieser Zeit: „Plötzlich war der ASC Schöppingen in ganz Deutschland bekannt.“ Aus dem Stand heraus kann Wotte auch 30 Jahre danach die Namen seiner Mitspieler aufzählen. Wotte: „Ich kenne sie alle noch.“ Jedoch sind die Kontakte dünner, sprich selten geworden. Der Niederländer war ein Jahr zuvor als jüngster Neuzugang zum ASC gewechselt und spielte meistens im Mittelfeld. „Das war damals schon ziemlich professionell. Es war eine super Zeit, hat uns unheimlich viel Spaß gemacht“, blickt Wotte gerne zurück. „Der Verein wurde von Herbert Rottderdam und Heinz Tummel super geführt.“

Thirty goals.

Bradley Smith nannte 1985 sein Saisonziel.

Überrascht vom damaligen Erfolg war Jerry Wotte nicht: „Wir haben ganz schnell gemerkt, dass wir eine starke Truppe hatten. Die Mischung war perfekt, alte und junge Spieler passten super zusammen. Und mittendrin wir drei Holländer als positiv Fußballverrückte.“ Mit Rob Reekers und Bennie Brinkman bildete Wotte eine Fahrgemeinschaft, trainiert wurde viermal in der Woche. Und auch mangelte es der Mannschaft nicht an Selbstvertrauen. Als WDR-Reporter Jochen Hageleit (Köln) beim „Tag der offenen Tür“ zu Beginn der Saison 85/86 die ASC-Spieler vorstellte und kurz ans Mikrofon holte, wagte sich Keeper Dietmar Wiese schon weit aus dem Fenster und erklärte: „Wir wollen Meister werden.“ Und US-Boy Bradley Smith kündigte „thirty goals“ an. Doch Routinier Rainer Urban mahnte: „Die Leute sollten nicht enttäuscht sein, wenn es nur zu Platz vier oder fünf reicht.“

Fußball-Deutschland schaute nach Schöppingen

Doch diese Enttäuschung blieb den Schöppingern erspart. Der ASC startete mit einem 1:1 gegen Westfalia Herne bescheiden in die Saison, die er am 1. Mai 1986 mit einem 2:0-Erfolg gegen die SpVgg Erkenschwick als Meister der Oberliga Westfalen krönte. „Der hungrige Nachwuchs hat es allen gezeigt. In Schöppingen haben die Fohlen ein Zeichen gesetzt“, hieß es dazu in einem WN-Kommentar.

Jerry Wotte

Jerry Wotte Foto: sh

Der ASC ging mit vier Punkten Vorsprung vor Paderborn-Neuhaus, dem FC Gütersloh, DSC Wanne-Eickel und Preußen Münster durchs Ziel. In diesem Moment schaute Fußball-Westfalen nach Schöppingen, wenig später Fußball-Deutschland, als die Aufstiegsrunde begann. Die bescherte den Grün-Weißen weitere acht Spiele gegen die zwei früheren Bundesligisten St. Pauli und RW Essen sowie die früheren Zweitligisten Charlottenburg und Oldenburg.

Als Favorit galt der ASC in diesem illustren Kreis nicht, aber Trainer Hilpert wusste: „Die kleine Chance des Außenseiters kann plötzlich auch ganz groß werden.“

Spiel am Millerntor

So waren die Schöppinger nach dem 1:3 gegen St. Pauli, dem 1:1 in Charlottenburg und dem 2:0 gegen Oldenburg noch gut im Rennen. Zwei Niederlagen in Essen (0:5) und St. Pauli (1:3) ließen die zarten Aufstiegsträume jedoch rasch platzen. Das Spiel am Millerntor, erst recht die Partie in Münster gegen RW Essen („Da war die Hütte voll“) zählen für Jerry Wotte auch 30 Jahre später zu den „tollen Erinnerungen an die Zeit in Schöppingen“.

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