Fußball: DFB-Pokal
Die Erfolgsstory der SF Lotte geht weiter

Lotte -

Ganz Fußball-Deutschland spricht über die Sportfreunde Lotte, die Bayer Leverkusen im Elfmeterschießen aus dem DFB-Pokal warfen. Der Aufschwung des Vereins vom Autobahnkreuz hat System. Vor 20 Jahren war er aber noch keineswegs absehbar.

Mittwoch, 26.10.2016, 18:10 Uhr

So feierten die Sportfreunde ihren Pokal-Helden: Nico Neidhart (M.) herzt Keeper Benedikt Fernandez, der den entscheidenden Strafstoß parierte – daneben ballt Kapitän Gerrit Nauber die Faust.
So feierten die Sportfreunde ihren Pokal-Helden: Nico Neidhart (M.) herzt Keeper Benedikt Fernandez, der den entscheidenden Strafstoß parierte – daneben ballt Kapitän Gerrit Nauber die Faust. Foto: dpa

Es ist gerade 20 Jahre her, da kickten die SF Lotte noch in der Landesliga. Das Stadion war eine riesige Schüssel mit Aschebahn, umgeben von Dornengestrüpp. Eine kleine Tribüne bot den wenigen Besuchern Unterschlupf. Nichts deutete auf den Höhenflug hin, den der Club vom Autobahnkreuz heute erlebt und der in der Pokal-Sensation am Dienstag gegen Bayer Leverkusen (6:5 nach Elfmeterschießen ) den vorläufigen Höhepunkt fand.

DFB-Pokal 2016/17: SF Lotte - Bayer Leverkusen

1/20
  • Vorfreude vor dem Anpfiff auf den Pokalabend bei Lottes Coach Ismail Atalan.

    Foto: dpa
  • Weitaus ernster die Mienen auf der Leverkusener Bank. Dort lastete die Verantwortung auf den Schultern von Co-Trainer Markus Krösche (l.) und seinem Kollegen Daniel Niedzkowski, die den gesperrten Coach Roger Schmidt vertraten.

    Foto: Guido Kirchner
  • Von Beginnn an entwickelte sich ein packender Pokalkampf, die Lotteraner - wie hier Gerrit Nauber (l.) im Duell mit Stefan Kießling - waren dem Erstligisten das ganze Spiel über ebenbürtig.

    Foto: dpa
  • Erwartungsgemäß aber ging Favorit Leverkusen durch einen Treffer von Kevin Volland (2.v.r.) in der ersten Hälfte (25. min) mit 1:0 in Führung.

    Foto: dpa
  • Doch die Sportfreunde Lotte steckten nicht auf und konnten zu Beginn der zweiten Halbzeit ausgleichen: Leverkusens Roberto Hilbert traf ins eigene Tor (47. min). In dieser Szene gewinnt Lottes Matthias Rahn (l.) ein Kopfballduell gegen Leverkusens Stefan Kießling.

    Foto: dpa
  • Die Sportfreunde Lotte waren nach einem Platzverweis gegen Tim Wendel ab der 78. Spielminute in Unterzahl. Nach 90 Minuten stand es Unentschieden, sodass es in die Verlängerung ging. Erneut sorgte Kevin Volland (r.) für die Führung der Leverkusener (96. min), die jedoch durch Kevin Freibergers Tor (105. min) egalisiert wurde. Ein Elfmeterschießen musste die Entscheidung herbeiführen.

    Foto: dpa
  • Per Fußabwehr entschärfte Lottes Keeper Benedikt Fernandez den Elfer von Julian Baumgartlinger.

    Foto: dpa
  • Nach sieben Elfern war die Überraschung perfekt: Drittligist Lotte besiegte den Erstligisten Bayer Leverkusen mit 6:5 nach Elfmeterschießen.

    Foto: dpa
  • Kollektive Freude anschließend bei den Lotteranern....

    Foto: dpa
  • Held des Abends war Lotte Torhüter Benedikt Fernandez, der zwei Elfer halten konnte.

    Foto: dpa
  • Niedergeschlagenheit hingegen bei den Leverkusenern.

    Foto: dpa
  • Es folgen weitere Impressionen von der Partie...

    Foto: dpa
  • DFB-Pokal 2016/17: SF Lotte - Bayer Leverkusen Foto: dpa
  • DFB-Pokal 2016/17: SF Lotte - Bayer Leverkusen Foto: dpa
  • DFB-Pokal 2016/17: SF Lotte - Bayer Leverkusen Foto: dpa
  • DFB-Pokal 2016/17: SF Lotte - Bayer Leverkusen Foto: dpa
  • DFB-Pokal 2016/17: SF Lotte - Bayer Leverkusen Foto: dpa
  • DFB-Pokal 2016/17: SF Lotte - Bayer Leverkusen Foto: dpa
  • DFB-Pokal 2016/17: SF Lotte - Bayer Leverkusen Foto: dpa
  • DFB-Pokal 2016/17: SF Lotte - Bayer Leverkusen Foto: dpa

Erfolgsstory

Die Erfolgsstory begann im Mai 1996 mit der Meisterschaft in der Landesliga. Nach achtjähriger Verbandsliga-Zugehörigkeit folgte 2004 der Aufstieg in die Ober- und 2008 der in die Regionalliga. Wiederum dauerte es acht Jahre, ehe die Sportfreunde nach der Meisterschaft 2013 und dem verpassten Aufstieg 2016 ihren so lang gehegten Traum wahr werden ließen. Durch den Sieg im Relegationsspiel gegen Waldhof Mannheim war der Sprung in die 3. Liga perfekt.

Weit mehr, als alle erhofft hatten

Der Höhenflug der Mannschaft um Trainer Ismail Atalan war aber noch nicht zu Ende. Die Sportfreunde stürmten mit ihrem offensiven Angriffspressing die Liga und sonnten sich sogar drei Spieltage an der Tabellenspitze. Der aktuelle Rang vier nach fast einem Drittel der Saison mit erspielten 21 Zählern ist weit mehr, als alle erhofft hatten. Zufrieden gibt sich Atalan aber nicht: „Ich will jedes Spiel gewinnen, immer“, ist sein Credo. Das haben seine Spieler verinnerlicht. Ausgestattet mit einer unglaublichen Physis, die Preußen Münster am vergangenen Samstag bei der 0:1-Niederlage ebenso zu spüren bekam wie Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen bei der blamablen Pleite in Runde zwei des DFB Pokals, geben sich die Sportfreunde bis zum Abpfiff nicht geschlagen. Vier Mal bereits erzielten sie in der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer.

"Wir haben unheimlich geschuftet"

„Es war in der Vorbereitung mitunter ganz schön hart“, erinnert sich der mit fünf Toren erfolgreichste Schütze Kevin Freiberger. „Wir haben unheimlich geschuftet. Das zahlt sich jetzt aus.“ Und Kapitän Gerrit Nauber ergänzt: „Zudem ist der mannschaftliche Zusammenhalt unglaublich groß. So etwas habe ich noch nie erlebt. Hier steht wirklich jeder für den anderen ein.“

Ein Verdienst von Atalan

Der Charakter der Mannschaft passt. Das ist ein Verdienst von Atalan, der die Sprache der Spieler spricht. Er selbst trainierte vor sechs Jahren noch den 1. FC Gievenbeck II in der Kreisliga. Aktuell baut der 36-Jährige in Hennef sein Fußballlehrer-Diplom und ist auf dem deutschen Trainermarkt begehrter denn je.

Konkurrenz ist ob der Power der Sportfreunde beeindruckt

Viele Kritiker hatten ihn im Sommer gewarnt, in der 3. Liga vorsichtiger zu agieren. Er lehnte ab und ließ den Aufsteiger weiterhin offensiv auftreten. Die richtige Entscheidung. Die Konkurrenz ist ob der Power der Sportfreunde beeindruckt. „Ich will nicht hinten herumspielen lassen. Wir werden immer vorne drauf gehen, egal gegen wen“, sagt Atalan selbstbewusst.

Davon konnte sich in der ersten Pokal-Runde Werder Bremen beim 1:2 überzeugen und am Dienstag Leverkusen . Selbst in Unterzahl waren die Sportfreunde dem haushohen Favoriten ebenbürtig, der Sieg nach Elfmeterschießen war nicht unverdient. So kann die Erfolgsstory der Sportfreunde aus der 14.000-Seelen-Gemeinde, die mittlerweile ganz Fußball-Deutschland kennt, durchaus weitergehen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4394929?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F192%2F4845597%2F4845600%2F
Nachrichten-Ticker