Frauenfußball | Interview mit Fortuna Gronaus Ex-Trainer Ralf Spanier
„Die Spielerinnen sind anspruchsvoller geworden“

Gronau -

Im Sommer 2015 übernahm Ralf Spanier von Britta Röwer das Traineramt beim Frauenfußball-Landesligisten Fortuna Gronau. Nach Rang neun im Spieljahr 15/16 ereilte den Coach, der im Sommer zum Regionalligisten Germania Hauenhorst wechselt, in dieser Woche das vorzeitige Aus an der Laubstiege.

Samstag, 08.04.2017, 03:04 Uhr

Ralf Spanier blickt zurück: „Ich habe mich in der Fortuna-Familie sehr wohl gefühlt.“
Ralf Spanier blickt zurück: „Ich habe mich in der Fortuna-Familie sehr wohl gefühlt.“ Foto: Stefan Hoof

Der Vorstand stellt Spanier bis Saisonende von seinen Aufgaben frei. WN-Redakteur Stefan Hoof sprach mit dem Trainer.

Ralf Spanier, wie haben Sie von Ihrer Freistellung erfahren?

Ralf Spanier: Am Dienstagabend hat mich Frauen Obmann Harry de Wagt angerufen und mir die Entscheidung des Vorstandes mitgeteilt.

Hat Sie dieser Schritt nach der Niederlage gegen Schlusslicht Gievenbeck überrascht?

Spanier: Als ich die Info von Harry de Wagt bekam, war ich zunächst natürlich überrascht und auch enttäuscht, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Ich bin fest davon ausgegangen, dass ich weiterhin das Vertrauen von Verein und Mannschaft habe, um mich am Ende der Saison mit dem Klassenerhalt aus Gronau zu verabschieden.

Wie sehr sind Sie jetzt von diesem Schritt enttäuscht?

Spanier: Ich bin erfahren genug, um solche Entscheidungen richtig einzuordnen. Nach einer Nacht drüber schlafen habe ich das Ganze auch schon wieder anders gesehen. Das Verständnis für die Entscheidung war schnell da, denn als Trainer ist man gerade im Mannschaftssport meistens das sogenannte „Bauern-Opfer“. Ein ganzes Team auszutauschen, gibt es auch im Amateurbereich nicht. Zudem glaube ich, dass durch diesen Schritt die Mannschaft noch mehr in die Verantwortung genommen werden soll.

Im Umfeld war seit Monaten zu hören, dass das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft nicht das beste sei?

Spanier: Das stimmt pauschal so nicht. Ich habe zu allen Spielerinnen im zwischenmenschlichen Bereich ein sehr gutes Verhältnis. Wir reden ja nicht nur über Fußball, sondern hatten auch private Aktivitäten wie gemeinsame Veranstaltungen, Mannschaftsfeiern, Geburtstagspartys oder Bosseln. Das passte alles sehr gut, hat auch allen viel Spaß gemacht. Was den fußballerischen Teil betrifft, da gab es allerdings öfters Differenzen – gerade was die Inhalte und Durchführung von Trainings- und Wettkampfeinheiten betrifft. Darüber hatten wir am Ende der Hinrunde schon einmal geredet. Der Grund ist, dass ich ein sehr akribischer und fordernder Trainer bin, gerade was die Bereiche Taktik und Technik betrifft. Das kam bei einigen Spielerinnen nicht so gut an, weil es dann entweder zu anspruchsvoll war oder die Notwendigkeit nicht erkannt wurde.

Was werfen Sie sich selbst im Nachhinein vielleicht als Fehler vor?

Spanier: Die Spielerinnen sind anspruchsvoller geworden und hinterfragen mehr. Folglich hätte ich mich noch intensiver mit der Mannschaft und gerade den einzelnen Spielerinnen beschäftigen müssen – gerade in Bezug auf die Trainingsgestaltung und die Inhalte, die ich vermitteln will. Dann hätte ich wahrscheinlich schon viel früher eine andere Auffassung und Meinung bekommen und einiges geändert. Aber solche Dinge sind nun mal das Herausforderndste und Spannendste in der Trainertätigkeit – gerade im Frauenfußball .

Hat Fortuna das Potenzial, die Klasse zu halten?

Spanier: Da sage ich klipp und klar: Ja! Es gibt schwächere Teams in der Liga. Aber: neben einer hervorragenden Einstellung wie sie zum Beispiel selbst bei der Niederlage gegen Gievenbeck gegeben war, muss jede einzelne Spielerin ihr vorhandenes Potenzial an fußballerischen Fähigkeiten abrufen und bei den beiden gerade genannten Eigenschaften auch über die Grenzen gehen.

Wäre nach dem personellen Aderlass in den letzten zwei Jahren ein Abstieg sogar die bessere Lösung für Fortuna?

Spanier: Freiwillig diese Lösung herbeiführen? Nein! Die Liga zu halten ist einfacher, als in diese Liga wieder aufzusteigen. Ich würde nur im Falle eines Abstiegs eine sogenannte „Grunderneuerung“ des Kaders vornehmen. Bei Klassenerhalt sollte man die Mannschaft gezielt in mehreren Schritten mit jungen Talenten bereichern.

Nach fast zweijähriger Trainertätigkeit in Gronau: Welche Erinnerungen nehmen Sie mit und welchen Eindruck haben Sie vom Gronauer Fußball allgemein gewonnen?

Spanier: Ich habe mich trotz der großen Entfernung zwischen meinem Wohnort Rheine und Gronau in der Fortuna-Familie sehr wohl gefühlt. Ich habe einen großen und gut organisierten Verein mit einer hervorragenden Infrastruktur kennengelernt. Das Miteinander auf dem Gelände oder im Clubheim hat mir ebenfalls gut gefallen, weil alle sehr offen mitein­ander umgehen. Mit Harry de Wagt habe ich einen positiv Verrückten in Sachen Frauenfußball kennengelernt, dem ich meinen höchsten Respekt zolle. Im Nachhinein behalte ich gute Erinnerungen und wünsche allen Mannschaften im Verein den bestmöglichen Erfolg.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4755706?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F192%2F4845593%2F4894268%2F
Nachrichten-Ticker