Fußball | Bezirksliga 11: Vorwärts Epe in der Krise
Vier verliert

Epe -

Vier Auswärtsspiele, immer vier Gegentore. Bei Vorwärts lautete das Motto zuletzt: Vier verliert! Der Gegenwind, der den Grün-Weißen vor dem Jahreswechsel nach drei sieglosen Spielen ins Gesicht blies, ist längst zum Sturm geworden. Am Wolbertshof zehren sie einzig und alleine noch von einer tollen Hinrunde. Die Rückserie freilich hat Epe komplett in den Sand gesetzt. Eine Suche nach Erklärungen.

Freitag, 12.05.2017, 17:05 Uhr

Die Zeiten sind vorbei: Lange bewegten sich Vorwärts Epe und SG Borken auf Augenhöhe. Doch mittlerweile haben die Grün-Weißen die Spielgemeinschaft längst aus den Augen verloren.
Die Zeiten sind vorbei: Lange bewegten sich Vorwärts Epe und SG Borken auf Augenhöhe. Doch mittlerweile haben die Grün-Weißen die Spielgemeinschaft längst aus den Augen verloren. Foto: Stefan Hoof

Was waren das noch für Zeiten! Die Hinrunde beendete Vorwärts Epe als Tabellenführer. Dabei kassierte der Bezirksligist gerade einmal elf Gegentore in 14 Partien. Mittlerweile neigt die Saison 2016/17 sich dem Ende entgegen. Am 28. Mai heißt es: Feierabend. Elf Matches haben die Grün-Weißen in der Rückrunde absolviert. Von einer Krise am Wolbertshof zu sprechen, ist längst nicht mehr übertrieben. Die Bilanz dieser Begegnungen fällt nämlich nicht nur ernüchternd, sondern enttäuschend aus.

Abstiegskandidat in der Rückrunde

Die nackten Zahlen im Vergleich zu besagter Hinserie lesen sich erschreckend: In diesen elf Partien kassierte Vorwärts 30 Gegentreffer. Am Ende wird Epe also wohl mit dreimal so viel kassierten Toren durch die Ziellinie gehen. Nach Platz zwei vor der Winterpause sind die Mannen von Trainer Dirk Bültbrun nun wieder Zweiter – wenn die Rückrundentabelle gedreht wird. Vorwärts Epe anno 2017 liest sich in Statistiken: Vorletzter mit nur zwei Siegen, aber mit der zweitschlechteste Abwehr der Liga. Nur der TSV Marl-Hüls 2 präsentierte sich in diesem Kalenderjahr noch schwächer.

„Die aktuelle Situation frustriert“

Ein Grund ist sicherlich in den vielen, den langfristigen Verletzungen zu suchen. Doch gewiss kann dies nicht die einzige Ursache sein. Denn schon in der Hinrunde kämpfte Dirk Bültbrun und sein Trainer- und Betreuerstab mit extremen Verletzungspech. Damals steckte die Mannschaft diese Rückschläge derart gut weg, sodass sich nicht wenige verwundert die Augen rieben. So sieht es auch der Coach selbst: „Dass wir uns oben in der Tabelle einnisten konnten, war sicherlich nicht nur für mich überraschend“, sagt Dirk Bültbrun. „Die aktuelle Situation frustriert, da gibt es gar nichts schönzureden.“ Woran also liegt es?

Kein Motivationsproblem

Florian Albers , Spielführer der Vorwärtsler, tappt im Dunkeln: „So wirklich in Worte fassen kann ich die Gründe auch nicht“, meint der Kapitän. „Das Momentum ist einfach nicht mehr auf unserer Seite. In der Hinrunde lief es einfach. Stand ein Spiel auf Messers Schneider, haben wir es trotzdem über die Zeit gebracht oder kurz vor knapp zu unseren Gunsten entschieden. In diesem Jahr ist es komplett anders“, sucht er nach Erklärungen. Ein Motivationsproblem hat Albers indes nicht ausgemacht. „Natürlich war das Titelrennen dann sehr früh entschieden und die SG Borken enteilt. Aber wir hatten auch schon solche Aussetzer in der Hinrunde, als wir vorne lagen. Allerdings eben nicht in dieser Größenordnung.“

Kolumbianische Defensiv-Qualitäten

Das Dilemma begann konkret schon vor dem Jahreswechsel, als nach einem glatten 3:0 gegen den FC Marl die letzten drei Partien nicht mehr gewonnen, Platz eins verloren wurde. Bei eben jenem 3:0-Sieg stand der Kolumbianer Andres Fernando Caicedo Cobos vor seinem Wechsel in die zweite kolumbianische Liga das letzte Mal im Kader. „Ich werde niemals einen einzigen Spieler für Erfolge und Misserfolge verantwortlich machen. Aber in der Innenverteidigung fehlt Andres an allen Ecken und Enden. Wir können ihn nicht ersetzen“, erklärt Dirk Bültbrun. Bestätigt wird der Vorwärts-Trainer natürlich durch die Zahlen, die dies gerade in Sachen Gegentoren untermauern. Dazu kommt: Max Peters wechselte nach Dülmen. Auch er war in der Kaderplanung berücksichtigt.

Das Schrumpfen des Kaders

Abgesehen von diesen zwei Personalien sieht Bültbrun das Schrumpfen des Kaders im laufenden Spieljahr als Hauptgrund dafür, dass Vorwärts mittlerweile der Musik hinterherläuft. Als Erklärung, nicht als Ausrede. Schichtarbeiter, auswärtige Studenten, Schüler: „Von den 13 fitten Spielern, die mir bleiben, sind nur durchschnittlich sechs beim Training. So ist es schwer bis unmöglich, ein Spiel vernünftig aufzuarbeiten. Das kann ich eigentlich erst eine Woche später, am nächsten Spieltag also, wenn zumindest da dann die meisten anwesend sind“, beschreibt Bültbrun sein Dilemma. Auch das Arbeiten an Standards, defensiv eine der größten Schwächen des Eper Bezirksligisten, ist so natürlich kaum machbar. „Ich weiß zudem schon gar nicht mehr, wann zuletzt ein und dieselbe Viererkette zweimal in Folge auflaufen konnte“, so ein ratloser Coach.

„Wir brauchen einen breiteren Kader“

Und die Moral von der Geschichte? „Wir brauchen in der kommenden Saison einen breiteren Kader. Zwei Torhüter, 20 Feldspieler. Das ist zwingend notwendig, um gruppen- und mannschaftstaktische Dinge zu studieren.“ Und außerdem sei es kein Geheimnis, dass ein gesunder Konkurrenzkampf motivations- und leistungsfördernd wirke. Bis dahin allerdings gibt es nur eine Lösung: Augen zu und durch!

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