Fußball: TuS Altenberge greift zur Selbsthilfe
(Mannschafts)Held für einen Tag

Altenberge -

Normalerweise steht Jonas Gerdes bei der D-Jugend des TuS Altenberge zwischen den Torpfosten und wechselt sich mit Tom Krabbe bei den Spielen seiner Mannschaft ab. Oder er geht zur Schule, denn der Junge ist erst zwölf Jahre alt. Am Samstag jedoch mutierte der TuS-Schnapper zum Greenkeeper – allerdings nicht ganz freiwillig.

Montag, 26.06.2017, 12:06 Uhr

Wie sich‘s gehört, fährt Jonas Gerdes Papas Rasenmäher mit Geräuschschutz über den zu lang geratenen Rasen des Hauptplatzes beim TuS Altenberge, um seiner D1 optimale Spielbedingungen für die Partie gegen Epe zu bereiten.
Wie sich‘s gehört, fährt Jonas Gerdes Papas Rasenmäher mit Geräuschschutz über den zu lang geratenen Rasen des Hauptplatzes beim TuS Altenberge, um seiner D1 optimale Spielbedingungen für die Partie gegen Epe zu bereiten. Foto: TuS Altenberge

Seine Mannschaft, die D1, musste in der Aufstiegsrunde zur Bezirksliga ein Heimspiel gegen den FC Epe austragen. Normalerweise kein Problem, denn wer die Anlage des TuS Altenberge kennt, weiß, dass Platzwart Norbert Heithaus seinen Laden in Schuss hält und das grüne Geläuf immer bestens für das Altenberger Kurzpassspiel präpariert ist. Und ganz nebenbei eine der am besten gepflegten Platzanlagen des Münsterlandes sein dürfte.

Nicht so am Wochenende, denn der gemeindeeigene Rasenmäher hatte seinen Geist aufgegeben. „Der war kaputt, irgendein Ersatzteil fehlte. Auf jeden Fall konnte der Platz nicht gemäht werden, und als wir am Freitagabend die Platzbegehung gemacht haben, stellten wir fest, dass der Rasen zu lang war“, gibt Dietrich Schulze-Marmeling die Chronologie der Ereignisse von Freitag bis zum Anpfiff wieder. „Wir“, das waren Schulze-Marmeling, Johannes Gerdes und Jugendobmann Stefan Klapproth.

Was tun? Auf Kunstrasen umsteigen? Taktik umstellen auf kick-and-rush? Keine Option, denn die Trainer Dominik Adler und Lorenz Schulze-Marmeling haben ihren Jungs von klein auf an beigebracht, tiki-taka zu spielen. Aber Kurzpassspiel auf einem Geläuf, das mit Kleeblüten nur so übersät ist – vor allem dort, wo die D-Junioren ihr Kleinfeld einteilen müssen – schwer vorstellbar. Da kann so ein Spiel schnell in die Hose gehen. Und nach einem Sieg und einer Niederlage in der Aufstiegsrunde wollte die Mannschaft die nächste Begegnung auf jeden Fall gewinnen, um am Ende noch die Chance zu wahren, den Aufstieg zu packen.

„Wisst ihr was, wir haben bei uns zu Hause auf dem Hof auch einen Aufsitzrasenmäher. Ich sage Jonas Bescheid, dass er den Rasen mal eben mähen soll“, schlug Johannes Gerdes, ehemaliger Torwart des TuS und Jonas‘ Vater, kurzerhand vor.

„Der Hof liegt ganz in der Nähe, nur eben den Hügel rauf. Und was soll ich sagen: Als ich am Samstag um halb elf am Platz war und ein Foto davon machen wollte, wie Jonas den Rasen mäht, war der schon fertig“, berichtet Dietrich Schulze-Marmeling, dass diese Aktion am Samstagmorgen ratzfatz über die Bühne gegangen sein muss und die drei angesetzten Schiedsrichter einen frisch gemähtes Rechteck von 68 mal 49 Metern vorfanden.

Der Dank seiner Mannschaft war Jonas gewiss, zumal das Spiel gegen Epe mit einem 3:1-Erfolg ausging und nun im letzten Spiel in Beckum eine Entscheidung fallen könnte.

Zur Belohnung gab‘s für Jonas Gerdes einen Gutschein über 20 Kugeln Eis. „Die wird er wohl mit der Mannschaft teilen“, glaubt DSM.

Als ich am Samstag am Platz war und ein Foto davon machen wollte, wie Jonas den Rasen mäht, war der schon fertig.

Dietrich Schulze-Marmeling
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4958570?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F192%2F
Nachrichten-Ticker