Fußball: 3. Liga – Interview mit Joe Enochs
„Es ist gut, etwas anderes zu sehen“

Osnabrück -

Am kommenden Sonntag feiert Joe Enochs ein Wiedersehen mit seinem Ex-Club VfL Osnabrück. Im Interview äußert sich der Coach des FSV Zwickau zu seiner neuen Aufgabe.

Donnerstag, 20.09.2018, 19:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 20.09.2018, 19:00 Uhr
Joe Enochs, hier am vergangenen Samstag in Lotte, zeigt seiner neuen Mannschaft, wo es langgeht. Ein paar Punkte hätte er mit Zwickau jedoch schon gerne eingesammelt.
Joe Enochs, hier am vergangenen Samstag in Lotte, zeigt seiner neuen Mannschaft, wo es langgeht. Ein paar Punkte hätte er mit Zwickau jedoch schon gerne eingesammelt. Foto: Mrugalla

Am Sonntag (13 Uhr) trifft Trainer Joe Enochs mit dem FSV Zwickau auf seinen ehemaligen Club, den VfL Osnabrück . Im Interview spricht der 47-Jährige über die Gefühlslage vor dem Wiedersehen, die Arbeit in Zwickau und Typen in der 3. Fußball-Liga.

Herr Enochs, Sie kennen mehr als 20 Jahre den VfL Osnabrück. Jetzt sind Sie seit Beginn der Saison Cheftrainer in Zwickau. Wo liegen die großen Unterschiede?

Joe Enochs: Von meiner Arbeit her hat sich gar nicht viel geändert. Ich bin wieder Trainer bei einem Drittligisten. In Osnabrück hatte ich einen Co-Trainer, einen Torwarttrainer und einen Athletiktrainer, in Zwickau sind diese Positionen ebenfalls besetzt. Manches war in Osnabrück in Sachen Sponsoring vielleicht einfacher. Für mich ist es sehr angenehm, dass ich mich hier in Zwickau voll und ganz auf den Fußball konzentrieren kann. Mir tut es gut, als Trainer etwas anderes zu sehen.

Wie nehmen Sie die Mentalität der Menschen in Ihrem neuen Umfeld wahr?

Enochs: Als sehr bodenständig und realistisch.

An den sächsischen Dialekt haben Sie sich auch schon gewöhnt?

Enochs: Das ist gar nicht so ein Thema. Gerade bei den jüngeren Menschen nehme ich wahr, dass die gar nicht Sächsisch sprechen. Aber wissen Sie, in Osnabrück musste ich auch kein Plattdeutsch reden. Und so erwartet hier auch keiner von mir, dass ich ihren Dialekt beherrsche.

Gibt es denn irgendetwas, was Sie aus Ihrer alten Heimat vermissen?

Enochs: Natürlich einige Freunde. Ich war ja schließlich 22 Jahre in Osnabrück. Aber genauso, wie ich mir damals ein neues Umfeld geschaffen habe, als ich aus den USA nach Deutschland kam, mache ich es jetzt in Zwickau. Vieles wäre bestimmt schwerer, wenn ich jetzt nicht meine Frau und meine Tochter bei mir hätte.

Zu Ihrer neuen Mannschaft. Mit Ronny König, 35 Jahre alt, haben Sie aktuell einen der ältesten Spieler der 3. Liga im Kader…

Enochs: Er tut der Mannschaft sehr gut. Ronny ist groß, unheimlich kopfballstark und oftmals nur mit einem Foul zu stoppen. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Der Junge hat Qualität. Ein ähnlicher Charakter übrigens wie seinerzeit Halil Savran in Osnabrück. Wenn Halil nicht von einer Verletzung gestoppt worden wäre, hätte ich ihn auch nach Zwickau geholt.

Viele Trainer aus dem Westen Deutschlands behaupten, dass im Osten ein kampfbetonterer Spielstil gepflegt wird. Können Sie das bestätigen?

Enochs: Ich denke, es gibt in jeder Mannschaft Spielertypen, die einfach hart im Nehmen sind. Es mag sein, dass es im Osten mehr von dieser Sorte gibt, aber belegen kann ich das nicht. In meiner aktiven Zeit in Osnabrück hatte ich mit Marko Tredup einen solchen Typen als Kollegen.

Es wird in diesen Wochen immer gerne von der stärksten 3. Liga aller Zeiten gesprochen. Ist das auch Ihr Empfinden?

Enochs: Das hören wir irgendwie in jedem Jahr, oder? In diesem Jahr gibt es in der Liga vielleicht mehr Traditionsvereine. Bis jetzt haben wir es mit einer sehr ausgeglichenen Liga zu tun. Aber es sind gerade mal sieben Spieltage vorüber.

Sie denken also, dass Clubs wie Braunschweig oder Kaiserslautern noch in Fahrt kommen werden?

Enochs: Ja, dazu Karlsruhe und Wehen Wiesbaden. Gerade für Braunschweig und Kaiserslautern ist es erst einmal schwer, sich als ehemalige Zweitligisten anzupassen. Sobald sie das geschafft haben, werden sie in Fahrt kommen. Diese Clubs sind dazu finanziell in der Lage, schwerwiegende Verletzungen zu kompensieren und damit wichtige Spieler zu ersetzen. Ich sagte ja bereits: Wir hatten erst sieben Spieltage, die Verletzungen und Sperren kommen erst noch.

Welches Team hat bisher am meisten überrascht?

Enochs: Alle Teams stehen eng beieinander. Derzeit sehe ich keine große Überraschung. Unterhaching steht zu Recht oben, die haben eine spielstarke Mannschaft.

Mit dem FSV haben Sie neun Punkte aus sieben Spielen geholt. Ist das ein Ergebnis über oder unter den Erwartungen?

Enochs: Schwer zu sagen. Wir hatten ein richtig hartes Auftaktprogramm mit Spielen gegen Halle, Karlsruhe, Braunschweig und Fortuna Köln, aus denen wir acht Punkte geholt haben. Das war richtig gut. In den Spielen danach haben wir zwei knappe Niederlagen kassiert und einmal unentschieden gespielt. Alle Partien waren sehr ausgeglichen. Unterm Strich hätten wir bis heute zwei bis drei Punkte mehr haben müssen.

Am Sonntag empfängt Ihr neuer Club Ihren alten Verein VfL Osnabrück. Wie ist die Gefühlslage – und erzählen Sie mir nicht, dass das ein Spiel wie jedes andere sei…

Enochs: Ja, es ist vielleicht etwas bedeutsamer als ein anderes Spiel. Aber ich glaube, meine Gefühlswelt wäre anders, wenn ich zuerst in Osnabrück antreten müsste. Ich sage auch ganz ehrlich, dass ich jetzt auch nicht unbedingt mit einem großen Gefühlschaos zu kämpfen habe, schließlich wollte der VfL mich nicht mehr haben. Ich freue mich einfach darauf, ehemalige Kollegen aus dem Funktionsteam und den einen oder anderen Spieler wiederzusehen.

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