Fußball: Westfalenliga
Carsten Winkler erläutert, warum er den TuS Hiltrup im Sommer verlässt

Münster -

Eigentlich läuft es ja ganz ordentlich für den TuS Hiltrup. Platz fünf der Liga, lange in Schlagdistanz zur Spitze, zuletzt nur ein, zwei kleine Hänger. So überraschte die Ankündigung von Trainer Carsten Winkler, im Sommer aufzuhören schon. Seinen Schritt begründet der 39-Jährige aber gründlich.

Samstag, 01.12.2018, 08:00 Uhr aktualisiert: 02.12.2018, 13:44 Uhr
Carsten Winkler hört nach drei Jahren als Trainer seines Heimatclubs TuS Hiltrup auf – obwohl es ganz gut läuft.
Carsten Winkler hört nach drei Jahren als Trainer seines Heimatclubs TuS Hiltrup auf – obwohl es ganz gut läuft. Foto: fotoideen.com

Die Entscheidung steht. Schon ziemlich lange und so unverrückbar, dass auch reizvolle Argumente Carsten Winkler nicht umstimmen können. Nach drei Jahren, das hat er letzte Woche bekanntgegeben, ist für ihn Schluss beim TuS Hiltrup . „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“, sagt er. Auch wenn es im Moment rund läuft, Trainer und Team extrem harmonisch agieren, ist dieses Sprichwort nicht sein einziger Grund, im Sommer aufzuhören.

„Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem sich Dinge wie Kabinenansprachen oft wiederholen. Da erzählt man in der Halbzeit bei Rückstand das Gleiche und bei Führung auch. Da kann ich mich auch nicht neu erfinden. Vielleicht sehe ich das mit der Abnutzung zu kritisch, doch von der Hand weisen lässt es sich nicht“, so der 39-Jährige. „Es gibt zwei Ebenen. Auf der sozialen ist alles top, wir haben eine geile Chemie. Auf der fachlichen sage ich: Es wird der Mannschaft gut tun, wenn jemand mit einer anderen Vorstellung von Fußball kommt.“ Er weiß, dass es sein Nachfolger nicht leicht haben wird. „Ich möchte ihm ein gutes Umfeld und eine gute Mannschaft hinterlassen. Er kann dann an neuen Stellschrauben drehen. Aber ich werde bis zum letzten Tag 100 Prozent investieren und es dem Neuen damit hoffentlich auch irgendwie schwer machen.“ Wie sich große Fußstapfen anfühlen, weiß Winkler. Als er 2014 Vereinsikone Gundolf Lorenz beim BSV Roxel beerbte, gelang der Spagat sensationell, ehe er zwei Spielzeiten später zu seinem Heimatclub ans Osttor ging.

„Vor drei Jahren haben wir etwas zu hoch gegriffene Ziele formuliert“, erinnert sich der Berufsschullehrer. Ursprüngliche Idee war es ja, die Oberliga anzugreifen, was sich aufgrund finanzieller Einschnitte erst mal zerschlug. „Ich bin dankbar, dass der Großteil der Truppe trotzdem so zusammengeblieben ist.“ Nach turbulenten rund eineinhalb Jahren mit Abstiegen der wichtigsten Jugend-Teams und Schwierigkeiten in den anderen Senioren-Mannschaften scheint der TuS aktuell wieder ruhigere Fahrwasser anzusteuern. „Die Voraussetzungen sind jetzt wieder gut. Für das, was passiert ist, schiebe ich keinem den schwarzen Peter zu. Aber ich denke, dass die Bedingungen inzwischen wieder passen. Ich hoffe, die Jungs bleiben auch diesmal zusammen.“ Vielleicht hätte sich Winkler, der auch schon den SV Rinkerode und Davaria Davensberg trainierte, noch mal überreden lassen, wenn der Verein neue Reize durch sechs, sieben Neuzugänge schaffen könnte. „Aber die hätten richtig Qualität mitbringen und besser als unser Durchschnitt sein müssen“, sagt er. „Das kann der TuS allein auch aus finanziellen Gründen nicht zusichern.“

Bereits im September kam der Sportliche Leiter Frank Busch mit dem Ansinnen, frühzeitig zu verlängern, zum Coach. „Das ehrte mich total. Aber für mich war klar, dass mein Vertrag ausläuft und dass dann auch Schluss ist.“ Eine Saison im Ruhemodus kann sich Winkler gut vorstellen, vielleicht auch länger. 20 Jahre als Trainer, angefangen bei den Junioren bis zur Westfalenliga zuletzt, schlauchen natürlich. Dazu würde er gerne mal andere Sportarten für sich intensivieren. „Aber ich sage auch nicht, dass mich keiner kontaktieren darf. Mich interessieren ligaunabhängig ambitionierte Aufgaben, bei denen sich etwas entwickeln und die Vereinsstruktur steuern lässt.“

Unschwer zu prognostizieren, dass sich schnell Interessenten melden werden. Dazu hat sich Winkler gerade in den vergangenen fünf Jahren in Münster zu viele Meriten erworben. „In Roxel sind viele Freundschaften entstanden, die Truppe war ja schon sehr erfahren“, erinnert er sich an zwei Jahre, die mit Aufstieg und Klassenerhalt endeten. „In Hiltrup war der Altersunterschied schon wesentlich größer, aber wir haben eine super Mischung gefunden. Jede Einheit macht Spaß.“ Platz fünf und eine ordentliche Hinserie dokumentieren das. Schwer vorstellbar, dass der Trainer einfach so loslassen kann. Aber wie beschrieben: Der Beschluss ist getroffen. Und am Sprichwort ist ja letztlich doch etwas dran.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6224959?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F192%2F
Das Jucken hört nicht auf
Setzt Eichen und Menschen zu: der Eichenprozessionsspinner
Nachrichten-Ticker