Fußball: 3. Liga
Erinnerungen und Geschichten rund um das Pokalspiel SF Lotte - 1860 München

Lotte -

Vor ziemlich genau zwei Jahren, am 8. Februar 2017, standen sich die Sportfreunde Lotte und TSV 1860 München zum ersten Mal überhaupt gegenüber. Damit gewann Lotte im Achtelfinale des DFB-Pokals mit 2:0. Rund um dieses Duell ereigneten sich zahlreiche Geschichten.

Dienstag, 22.01.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 22.01.2019, 19:03 Uhr
Matthias Rahn (Mitte) und Alexander Langlitz, hier am Boden nach einem Foul von Stefan Aigner, der dafür von Schiedsrichter Dingert die gelbe Karte sah, waren beim Pokalspiel vor zwei Jahren bereits dabei. Rechts Torschütze Kevin Freiberger.
Matthias Rahn (Mitte) und Alexander Langlitz, hier am Boden nach einem Foul von Stefan Aigner, der dafür von Schiedsrichter Dingert die gelbe Karte sah, waren beim Pokalspiel vor zwei Jahren bereits dabei. Rechts Torschütze Kevin Freiberger. Foto: Mrugalla

Es ist fast zwei Jahre her, irgendwie aber erinnert vieles an jenen 8. Februar 2017. Damals wie heute ist es bitterkalt, das Wetter unbeständig. Schnee liegt in der Luft, auch wenn die Vorhersagen Trockenheit prognostizieren. Dem Re-Start der Sportfreunde Lotte in der 3. Liga am kommenden Freitag (19 Uhr Frimo-Stadion) gegen den TSV 1860 München scheint damit nichts im Wege zu stehen. „Wir sind motiviert und wollen spielen“, stellt auch SFL-Trainer Nils Drube klar.

Das sah im Februar 2017 ein wenig anders aus. Die Sportfreunde waren bundesweit in aller Munde und schrieben Pokalgeschichte. In der ersten Runde des DFB-Pokals der Saison 2016/17 hatten sie Werder Bremen, in Runde zwei mit Bayer Leverkusen einen weiteren Bundesligisten ausgeschaltet. Im Achtelfinale waren dann die Löwen aus München der Gegner.

Die Vorfreunde in Lotte auf das Duell mit dem damaligen Zweitligisten war riesig. Doch in der Nacht zuvor hatte es kräftig geschneit. Eine dicke Schicht bedeckte den Rasen im Frimo-Stadion. Das Spiel drohte auszufallen.

Auch SFL-Vorsitzender Uli Saatkamp packte vor zwei Jahren mit an und befreite den Platz im Frimo-Stadion vom Schnee.

Auch SFL-Vorsitzender Uli Saatkamp packte vor zwei Jahren mit an und befreite den Platz im Frimo-Stadion vom Schnee. Foto: Uwe Wolter

Dann hatten die Macher des Dorfclubs, wie die Sportfreunde damals in allen Gazetten genannt wurden, eine Top-Idee. Via Facebook riefen sie die Fans zum Schneeschippen auf. Womit wohl die wenigsten gerechnet hatten: An die 100 Sympathisanten kamen zum Frimo-Stadion und schaufelten was das Zeug hielt. Am frühen Nachmittag hieß es dann: Alles erledigt. Der am Morgen noch äußerst skeptisch dreinblickende Schiedsrichter Christian Dingert zeigte sich überrascht und gab grünes Licht.

Dass die Sportfreunde dieses denkwürdige Pokalspiel dann auch noch mit 2:0 nach Treffern von Jaroslaw Lindner und Kevin Freiberger für sich entschieden und ins Viertelfinale einzogen, passte zu diesem denkwürdigen Tag, der die SFL-Familie mehr denn je vereinte.

Ich hatte Tränen der Rührung in den Augen.

SFL-Vorsitzender Uli Saatkamp

An diese Schneeräumaktion dürften sich die meisten erinnern. Dabei gab es noch mehr Geschichten rund um den Pokal-Hit gegen TSV 1860 München wie in dem Buch „111 Gründe, die Sportfreunde Lotte zu lieben“ zu lesen ist.

SFL-Vorsitzender Uli Saatkamp zeigte sich seinerzeit schwer beeindruckt. „Unglaublich, dass so viele hier sind“, freute er sich und packte kräftig mit an. „Ich war morgens recht früh am Stadion“, erinnert sich der Vorsitzende. „Da war alles weiß. So hätte bestimmt nicht gespielt werden können. In den Facebook-Aufruf hatte ich gar nicht so große Hoffnungen reingesteckt. Deshalb haben sofort alle, die da waren, angefangen zu räumen. Dann bin ich zum Baumarkt gefahren, um verschiedene Materialien zu besorgen. Als ich zurückkam, waren da 80 bis 100 Leute, die mit anpackten. Ich hatte Tränen in den Augen.“

Alles schien für den Abend geregelt zu sein. Und doch gab es da noch ein weitere große Hürde, die der Sturheit von Fußballfunktionären geschuldet war, wie in dem Buch zu lesen ist. Schiedsrichter Dingert hatte nämlich nicht nur einen grünen Rasen, sondern auch zehn farbige Bälle für den Abend gefordert. Keine roten. Die hätten die Sportfreunde gehabt. Nein, gelbe sollten es sein. Und es mussten Puma-Bälle sein, da das Unternehmen mit dem Raubtier-Logo der Ausrüster des damaligen Drittliga-Aufsteigers war.

Die zu besorgen, war jedoch alles andere als einfach. SFL-Betreuer Can Özalp klapperte sämtliche Sportgeschäfte in der Umgebung ab. Ohne Erfolg.

Die letzte Chance lag in der Heimat des Sportartikel-Herstellers, in Herzogenaurach. Die Stadt liegt aber nicht gerade um die Ecke, sondern satte 470 Kilometer von Lotte entfernt. Özalp handelte in jedem Fall mit dem Puma-Vertreter einen Deal aus: Er sollte so schnell wie möglich mit den zehn Lederkugeln aus dem Frankenland anreisen – für eine Freikarte und eine Hotelübernachtung. Exakt eine Stunde vor Anpfiff war der Überbringer der Bälle am Stadion. Und was hat es genutzt? Nichts. Gespielt wurde am Abend mit weißen Bällen...

Mit Alexander Langlitz, der seinerzeit zum Spieler des Tages gekürt worden ist, Matthias Rahn und Jaroslaw Lindner gehören nur noch drei Spieler dem Sportfreunde-Kader an, die damals beim bis dahin größten Erfolg der Lotter Club-Geschichte dabei waren.

Und sie erinnern sich gerne: Die im Laufe der Saison mit Spielern im Wert von über vier Millionen Euro verstärkte Löwen-Elf hatte zwar 58 Prozent Ballbesitz und 54 Prozent der Zweikämpfe gewonnen, sich aber keine einzige Torchance erkämpft. Da spielten die Sportfreunde erheblich effizienter und feierten einen hochverdienten 2:0-Erfolg.

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