Fußball: Nachruf
Einer, der Träume wahr werden ließ – zum Tod von Horst Brameier

Davensberg -

Horst Brameier ist tot. Der Mann, der den märchenhaften Aufstieg des SV Davaria Davensberg in den 1990er-Jahren verantwortete, starb nach schwerer Krankheit im Alter von 72 Jahren. Ein ganzes Dorf trauert.

Freitag, 26.04.2019, 18:15 Uhr aktualisiert: 02.05.2019, 16:52 Uhr
Der größte Moment: Am 5. Juni 1995 stieg Davaria in die Verbandsliga auf, anschließend trugen die Spieler – hier Jürgen Heßeler (l.) und Andreas Lübke – Horst Brameier auf Schultern.
Der größte Moment: Am 5. Juni 1995 stieg Davaria in die Verbandsliga auf, anschließend trugen die Spieler – hier Jürgen Heßeler (l.) und Andreas Lübke – Horst Brameier auf Schultern. Foto: Böckmann

Für Hubert Fuchs war die Nachricht „ein Schock“. Und viele Davensberger dürften am Freitag ganz ähnlich empfunden haben. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde vom Tode Horst Brameiers – viele Jahre Vorsitzender und Gönner des SV Davaria – im Dorf.

Vater der „Burgturm-Brasilianer“

„Burgturm-Brasilianer“, so nannten sie ehrfürchtig jene Elf, die Anfang der 1990er-Jahre von der Kreis- bis in die Verbandsliga durchmarschierte. Brameier hatte entscheidenden Anteil am kometenhaften Aufstieg der Davensberger. Über ein Jahrzehnt stand er dem Verein seines Herzens vor – und ließ sich dieses Engagement einiges kosten. Aber er war eben nicht nur der Mann mit dem dicken Portemonnaie, der die besten Amateurfußballer aus Münster und dem Ruhrgebiet ins Waldstadion lotste.

Mehr als ein bloßer Mäzen

„Horst Brameier hat es verstanden, eine Begeisterung im Dorf zu entfachen, die ihresgleichen suchte und der sich keiner entziehen konnte“, würdigt Fuchs den Verstorbenen. „Eine prägende Figur im Altkreis“ nennt er den langjährigen Freund und Wegbegleiter. Fuchs selbst war damals sportlicher Leiter und Torwarttrainer am Rinkeroder Weg. Noch vor einer Woche hat Martin Ritz – seinerzeit Spieler in Davensberg, heute Trainer des TuS Ascheberg – im Interview mit unserer Zeitung Brameier, den Macher, gelobt. Dass der die Mannschaft mit Geld, ja, aber eben auch mit Bedacht komponiert habe: „Der Zusammenhalt in der Truppe war enorm, wir hätten auch ohne die Kohle funktioniert.“

Regelmäßig trafen sich die einstigen Serienmeister, immer mit dabei: Brameier. Anfang 2018 hatten sie sich mal wieder zusammengefunden in der Gaststätte Eickholt. Anlass war die dicke Vereinschronik, die Fuchs aufgelegt hat. Brameier sei bereits gezeichnet gewesen, „aber er wollte unbedingt beim Treffen dabei sein. Er hat es geliebt, sich mit den Ehemaligen auszutauschen“, so Fuchs.

Historisches Datum

Immer wieder kamen sie auf den 5. Juni 1995 zu sprechen, ein wahrhaft historisches Datum: Über 2000 Zuschauer verfolgten das Entscheidungsspiel in Warendorf zwischen der Davaria und der punktgleichen Spielvereinigung Versmold um den Titel in der Landesliga und den Aufstieg in die nächsthöhere Spielklasse. Die Davensberger gewannen mit 3:2 (2:1) – und trugen anschließend den Mann, der dieses Märchen überhaupt erst Realität hatte werden lassen, auf Schultern.

Sechs Jahre nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte schlidderte Brameiers Unternehmen in die Insolvenz. Davensberg hielt sich danach erstaunlich lange in Liga sechs, aber der Geldfluss versiegte allmählich. Der Verbundenheit des Mäzens mit „seinen“ Davaren – auch darin zeigt sich wahre Größe – tat das keinen Abbruch, Brameier gehörte noch lange dem Beirat des Vereins an.

Der Verstorbene nahm auch am Dorfleben teil, 1993 wurde er Schützenkönig. 2018 jährte sich die Regentschaft zum 25. Mal, es war einer seiner letzten öffentlichen Auftritte. Brameier wurde 72 Jahre alt, er hinterlässt Frau und zwei Kinder.

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