Fußball
Vereine halten beim Thema Kunstrasen den Ball flach

Sendenhorst -

Die EU hat mit der avisierte Verordnung zum Thema Kunstrasen und dem möglichen Austausch des Granulats die Vereine hellhörig werden lassen. Nicht aber hektisch, wie bei den heimischen Clubs festzustellen ist. Gelassenheit ist vielmehr das Gebot der Stunde.

Freitag, 02.08.2019, 16:48 Uhr
Heiß, aber nicht hektisch diskutiert: Das Thema Kunstrasen und der Umgang mit der avisierter EU-Verordnung zur Reduzierung von Plastik-Einstreumaterial.
Heiß, aber nicht hektisch diskutiert: Das Thema Kunstrasen und der Umgang mit der avisierter EU-Verordnung zur Reduzierung von Plastik-Einstreumaterial. Foto: dpa

Die Verantwortlichen der Vereine halten den Ball flach. Beim SV Drensteinfurt, Fortuna Walstedde, SV Rinkerode sowie GW Albersloh herrscht kollektive Gelassenheit, was das Thema Kunstrasen und die Frage um die angedachte Mikroplastik-Einschränkung beim Füllmaterial Granulat sowie dessen Auswirkungen für die Umwelt anbelangt. Mit der gebotenen Aufmerksamkeit. Nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit.

„Gemeinsam mit der Stadt haben wir im September einen Termin mit einem Hersteller, um uns über die Sachlage und das weitere Vorgehen zu informieren“, hält man in Albersloh nach Aussage des 1. Vorsitzenden Ralf Stötzel den Ball im Spiel. Gemeinde, Spenden und Verein hatten für den Bau des Grüns gesorgt.

Wir warten ab, was wirklich kommt.

Hermann Tiggemann, Fortuna Walstedde

Ansonsten bleibt man (noch) gelassen. „Wir warten ab, was wirklich kommt. Noch ist ja nichts Konkretes raus“, beruhigt Hermann Tiggemann . Fast wortgleich befindet sich der Geschäftsführer von Fortuna Walstedde mit seinen Kollegen auf Ballhöhe. Dabei ist das Thema für seinen Club ein Stück weit konkreter. Erst seit 2017 ist der Kunstrasenplatz fertig – und jetzt schon wieder ein Thema. „2022 soll ja erst das Verbot kommen. Zudem gehe ich von einer Übergangslösung aus“, so Tiggemann.

Eine Rückkehr zur Schlacke kann ich mir nicht vorstellen.

Ralf Stötzel, DJK GW Albersloh

Das erhofft sich auch Ralf Stötzel so. „Ein Platz hat eine Lebensdauer von zehn bis 15 Jahren. Danach ist ohnehin eine größere Baumaßnahme fällig. Es wäre wünschenswert, dass es für bestehende Plätze einen Bestandsschutz gibt, bis eine solche Maßnahme fällig ist“, so der GWA-Oberste. Für ihn ist der Kunstrasen derweil alternativlos. Ungeachtet der 3000 bis 4000 Euro für die jährliche Pflege. „Eine Rückkehr zur Schlacke kann ich mir nicht vorstellen. Ein Kunstrasen ist die einzige Chance, ganzjährig gleichbleibende Bedingungen für Spiel und Training zu schaffen.“

Deshalb beschäftigen sich auch Burkhard Weber und seine Vorstandskollegen intensiv mit dem Thema. Aber nicht erst seit der aktuellen Diskussion. Die künstliche Spielfläche beim SV Rinkerode geht gerade ins achte Jahr, weist aber bereits erhebliche Gebrauchsspuren auf. Unter anderem aufgrund unsachgemäßer Pflege. „Wir haben gerade erst 21 Löcher geflickt. Zudem müssten wir viel erneuern “, sagt der Fußball-Abteilungsleiter. Eine Überholung oder Erneuerung könnte also ohnehin früher erforderlich sein, als vor dem branchenüblichen Verfallsdatum. So oder so eine Frage der Finanzen. „Der Verein bildet schon Rücklagen. Aber wenn es vorzeitig kommt, ist es für die kleinen Vereine nicht zu stemmen.“ Bei einem Austausch des Füllstoffes müssen in der Regel allein 35 bis 40 Tonnen Granulat entsorgt werden.

Vielleicht macht sich ja auch der DFB Gedanken und unterstützt die Vereine.

Burkhard Weber, SV Rinkerode

Ungeachtet dessen weiß er, dass der Verein vorbereitet sein sollte, wenn eine mögliche EU-Verordnung rechtskräftig wird. Eine leise Hoffnung richtet er dabei Richtung Frankfurt: „Vielleicht macht sich bis dahin ja auch der DFB Gedanken und unterstützt die Vereine.“

Nicht mit dem DFB, aber mit der Stadtverwaltung ist auch der SV Drensteinfurt längst im Austausch. In der letzten Vorstandssitzung wurde zudem das Thema angeschnitten, nicht aber vertieft. „So lange nichts verbrieft ist, müssen wir nicht handeln. Für mich sind das ungelegte Eier“, beruhigt Alexander Moos. Ein wenig ärgert den Fußball-Obmann, dass der Sport herhalten muss. „Ich habe das Gefühl, dass nur etwas auf den Weg gebracht wurde, damit etwas gemacht wird“, mutmaßt Moos, ehe er ergänzt: „Mikroplastik schön und gut. Erst sollte man aber den Politikern bei den Inlandsflügen einen Riegel vorschieben.“

Erst sollte man den Politikern bei den Inlandsflügen einen Riegel vorschieben.

Alexander Moos, SV Drensteinfurt

Offensiver geht man übrigens im nicht weit entfernten Niedersachsen ans Werk. Vor zwei Jahren entschied sich der VfL Kloster Oesede für die Kork-Variante. Der SSC Dodesheide, ein Osnabrücker Stadtteil-Club mit 2500 Mitgliedern, erneuert seinen Kunstrasenplatz im Winter 2019 – ebenfalls mit Kork als Füllstoff.  

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