Fußball: Kreisliga A
Kinospots und Rasenverkauf – wie der SV Mauritz sein Image aufpolieren möchte

Münster -

Die großen Fußballgeschichten werden in Münster nicht zwingend im Nordosten der Stadt geschrieben. Beim SV Mauritz wird Kreisliga-Fußball gespielt. Der Fusionsclub strebt auch gar nicht reihenweise Aufstiege an – aber er möchte mit pfiffigen Mitteln ein neues Image erhalten.

Samstag, 21.09.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 23.09.2019, 12:10 Uhr
Der SV Mauritz, hier die schmucke Anlage am Coppenrathsweg, möchte das Image der grauen Maus ablegen. Trainer Christopher Dunkel-Steinhoff (kleines Bild) ist eine der treibenden Kräfte
Der SV Mauritz, hier die schmucke Anlage am Coppenrathsweg, möchte das Image der grauen Maus ablegen. Trainer Christopher Dunkel-Steinhoff (kleines Bild) ist eine der treibenden Kräfte Foto: SVM, Oetz

Vielleicht muss man einfach mal neue Wege gehen, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Der SV Mauritz, bislang eher so etwas wie ein Mauerblümchen im Beet der Fußball-Rosen Münsters, schlägt eine neue Richtung ein. Und beschreibt dabei durchaus unkonventionelle Methoden, aus diesem Schatten herauszutreten. Zumindest befindet sich der Club, der aus der Fusion von Germania Mauritz mit dem Telekom-Post SV Münster hervorging, in Aufbruchstimmung. Die Fußballer werden sich, so kündigte der Trainer der ersten Fußball-Mannschaft, Christopher Dunkel-Steinhoff an, demnächst mit einem eigenen Abteilungsvorstand präsentieren. „Damit wir insgesamt handlungsschneller auf unserer Ebene sein können,“ wie Dunkel-Steinhoff schildert. Ulrich Thelen , Thorsten Kubitza, Erich Varnhagen und Paul Korves seien die treibenden Kräfte, sagt Dunkel-Steinhoff – und schließt sich selbst mit ein.

Wobei dieser Umstand im münsterischen Clubfußball für sich genommen nun wahrlich kein Aufsehen erregen müsste. Für den Traditionsclub allerdings schon. Und mit hinein spielen nun auch Maßnahmen, die über das Normale hinausgehen. Mauritz drängt nach vorn, will den Platz auf der Hinterbank verlassen und (im Stadtteil und darüber hinaus) Namenspolitur betreiben, ohne freilich sportlich aus der Kreisliga A hinausdrängen zu wollen. „Die Klasse ist wichtig und gut für uns“, sagt Dunkel-Steinhoff und bricht eine Lanze für das Kreis-Oberhaus.

Pfiffig: Wer demnächst im Kinosaal sitzt, könnte beispielsweise vom Sportverein aus dem Nordosten der Stadt überrascht werden. Dessen Spot läuft im Vorspann diverser Leinwandaufführungen, wirbt fürs SVM-Image, ruft zu Spenden auf und spricht im besten Fall Juniorenkicker an, dem Club beizutreten. „Leute, wir brauchen Eure Hilfe“, fasst Dunkel-Steinhoff die Inhalte zusammen. Der Clip wird gemeinsam mithilfe der Agentur „Guck“ erstellt.

Nein, in Not geraten ist der Club nicht. Hat aber einige Lasten zu schultern. Der Kunstrasen ist gerade fertiggestellt, noch nicht einmal eingeweiht, kostet den Verein aber einen Eigenanteil. Da muss Geld zusammenkommen – unter anderem durch den Kinospot. Oder durch den Verkauf imaginärer Platzanteile – Motto: „Mailand oder Madrid, Hauptsache Kunstrasen“ oder „... ihr könnt uns noch nicht einmal den Rasen kaputt treten“. Den neuen Platz kann man quadratmeterweise „kaufen“ – auf der Homepage des SV Mauritz stehen die Quadratzentimeter parat: Der Elfmeterpunkt ist gleich 500 Euro „wert“, den Anstoßpunkt gibt’s für 1000 Euro und die Strafraumecke für 35 Euro – 22 Prozent der Fläche ist bereits an den Mann und die Frau gebracht. Der Verein mit seinen drei Senioren- und zwölf Jugend-Teams, einer Altherren- und einer Frauen-Mannschaft verfügt über weitere drei Rasenplätze – einen „teilt“ er sich mit den Münster Mammuts (American Football).

Für Dunkel-Steinhoff sind diese öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen notwendig, auch aus dem sportlichen Selbstverständnis heraus, sozusagen ein Aufbegehren gegen das Fußball-Establishment in Münster: „Gegen die Big Player wie Münster 08, Preußen, TuS Hiltrup kommt man doch nicht an“, sagt er und hofft, mit den Image-Kampagnen auch Talente an den Verein binden zu können. Dazu gehört auch, dass künftig über „Soccer-watch“, ein Videoportal für Amateursport, die Spiele der Ersten in der Kreisliga A live zu sehen sein sollen – zumindest die zusammengeschnittenen Höhepunkte. „Wir wollen etwas anschieben, uns abheben von den anderen Vereinen“, sagt Dunkel-Steinhoff und ist sich sicher, dass das belebende Geschäft der Konkurrenz auch auf den SV Mauritz zurückfällt.

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