Fußball: Jungprofi
Draußen, drinnen, draußen, drinnen – das irre Jahr des Amos Pieper

Lüdinghausen -

Amos Pieper (Arminia Bielefeld) hat ein schier unglaubliches Jahr hinter sich. Im großen WN-Exklusiv-Interview spricht der gebürtige Lüdinghauser über Konkurrenz im Team, Ambitionen der Ostwestfalen sowie, natürlich, die Bezirksliga-Derbys zwischen Union und Nordkirchen.

Montag, 30.12.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 30.12.2019, 23:05 Uhr
Zweikampfstarker Innenverteidiger mit guter Spieleröffnung: DSC-Jungprofi Amos Pieper.
Zweikampfstarker Innenverteidiger mit guter Spieleröffnung: DSC-Jungprofi Amos Pieper. Foto: Witters

Amos Pieper zählt ohne Wenn und Aber zu den Aufsteigern der vergangenen zwölf Monate. Im Februar, kurz nach seinem Wechsel zu Arminia Bielefeld , war der 21-Jährige ein Talent mit Perspektive, jetzt ist er Stammkraft beim Zweitliga-Herbstmeister und im Dunstkreis der DFB-U 21-Auswahl. Unser Redaktionsmitglied Florian Levenig hat mit dem gebürtigen Lüdinghauser gesprochen.

Kurzes Quiz: Wie endete das jüngste Bezirksliga-Derby zwischen Ihren Jugendklubs FC Nordkirchen und Union Lüdinghausen?

Pieper: 5:0 für den FCN.

Korrekt. In den WN gelesen oder bei fussball.de?

Pieper: Ich war selbst da und habe mir die Schlussphase angeschaut. Mit Arminia hatten wir bereits am Freitag in Karlsruhe gespielt, da bot sich der Kurztrip in die Heimat an.

Kennen Sie noch aktuelle Spieler beider Vereine?

Pieper: Doch. Robin Schwick zum Beispiel. Oder Niklas Hüser, mit dem ich damals gemeinsam in der Union-Jugend gekickt habe.

Zu Arminia: Sie haben den WN kurz nach dem Transfer erzählt, wie beeindruckend es gewesen sei, das Spiel gegen den HSV 90 Minuten von der Bank aus zu verfolgen. Jetzt, zehn Monate später, wäre Ihnen das vermutlich zu wenig.

Pieper: Vermutlich (lacht).

Ein Beleg dafür, dass das Jahr in Bielefeld Ihre kühnsten Erwartungen übertroffen hat?

Pieper: Kann man so sagen. Wobei ich von Tag eins an alles dafür getan habe, dass es so laufen kann. Ich habe versucht, mich so rasch wie möglich zu integrieren, habe in jedem Training Gas gegeben. Richtig ist: Dass das alles so rasend schnell geklappt hat, damit war natürlich nicht zu rechnen.

Gehört auch Glück dazu? Wobei das vielleicht der falsche Begriff ist, wenn sich ein Mitspieler verletzt und man selbst dadurch in die erste Elf rutscht.

Pieper: Klar. Für Brian (Behrendt, Arminia-Abwehrchef – d. Red.) war die Verletzung natürlich ein harter Schlag . Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Aber für mich hat sich in dem Moment eine Tür geöffnet. Wobei der Klub ja unmittelbar reagiert und Alex Pérez nachverpflichtet hat.

Ein Routinier mit Europa-League-Erfahrung. Denkt man da nicht: Ihr habt doch einen guten Mann für die Position: mich?

Pieper: Man denkt: Konkurrenz wird es immer geben, sei dir nie zu sicher – und nimmt diese Herausforderung an.

Keine Ahnung, wie transfermarkt.de darauf kommt: Aber die Plattform beziffert Ihren Marktwert seit Kurzem auf 1 000 000 Euro. Wird Ihnen bei der Summe schwindelig?

Pieper: Tatsächlich gibt es ein, zwei Kumpels oder jemanden in der Familie, die mich darüber auf dem Laufenden halten. Zunächst mal ist es eine abstrakte Zahl, die sich ruckzuck in diese wie in jene Richtung verändern kann. Sie taugt höchstens als Indikator dafür, was man in einem bestimmten Zeitraum erreicht hat. Als Formkurve.

Apropos: Sie sprachen in einem anderen Interview von Aufs und Abs in 2019. Von Abs haben wir gar nichts mitbekommen.

Pieper: Kleinere Rückschläge gab es schon. Nach Brians Ausfall habe ich zwei Mal gespielt – solide, wie ich finde. Dann kam das Hannover-Spiel, in dem Alex in der Startelf stand und ich auf der Bank saß. Und erst danach war ich wirklich Stammspieler. Draußen, drinnen, draußen, drinnen: Das beschäftigt einen schon. Andererseits gehört es zum Lernprozess eines jeden Jungprofis. Man muss halt versuchen, auch aus so einer Situation das Beste zu machen.

Nicht nur für Sie war es ein traumhaftes Jahr, sondern auch für Ihr Team. Platz eins nach der Hinrunde – vor dem HSV, vor Stuttgart. Auch wenn Ihr Coach Uwe Neuhaus davon nichts wissen will: Ab wann ist Bielefeld offizieller Aufstiegsanwärter?

Pieper: Ich bin da beim Trainer. Natürlich ploppt die Frage regelmäßig auf. Ist ja auch okay, wenn man ganz vorn steht. Aber für uns ist das aktuell wirklich kein Thema. Was die großen Klubs, zu denen ich neben Hamburg und Stuttgart auch Nürnberg und Hannover zähle, angeht: Es gibt halt in der Saison keine Übermannschaft, die von Erfolg zu Erfolg eilt und die Gegner an die Wand spielt. Jeder Sieg, jeder einzelne Punkt ist das Ergebnis harter Arbeit.

Dass Bielefeld Herbstmeister geworden ist, scheint Sie gar nicht sonderlich zu überraschen.

Pieper: Doch, klar. Mich überrascht nur nicht, dass wir eine gute Runde spielen. Das hatte sich in der Rückserie 2018/19 bereits angedeutet.

Will man partout was Negatives finden: Daheim punktet Arminia nicht so zuverlässig wie in der Fremde – und ein Pieper-Tor fehlt noch. Kann doch nicht schwer sein, als 1,92-Meter-Man nach Standards per Kopf zu treffen.

Pieper: Wobei ja nicht mein Hauptjob ist, Tore zu schießen. Aber eine Erklärung habe ich weder für das eine noch das andere. Irgendwie fangen wir uns in der Schüco-Arena regelmäßig unnötige Tore. Wir treten ja nicht anders auf als auswärts. Dort wie hier ist unser Spiel auf Ballbesitz angelegt. Nennen Sie es fehlendes Matchglück.

Gutes Stichwort. Im Pokal gegen Schalke hatte Bielefeld ebenfalls Pech.

Pieper: Eine irre Partie, ja. Die Schalker haben uns in der ersten Hälfte förmlich überrollt. Und am Ende konnten sie echt froh sein, dass sie das 3:2 ins Ziel gerettet haben. Unfassbar, was wir in den Schlussminuten an Chancen hatten.

Nicht zum Einsatz gekommen sind Sie im U 21-Länderspiel gegen Belgien. Bei drei Gegentoren: Hätte Stefan Kuntz mal besser einen fähigen Innenverteidiger wie Sie aufgestellt.

Pieper: Na ja. Ich war eh als Back-up vorgesehen, hatte nur ein, zwei Mal mit der Auswahl trainiert. Trotzdem war allein die Nachnominierung für mich das i-Tüpfelchen auf einem tollen Jahr.

Wie soll man das denn 2020 bitte überhaupt noch toppen?

Pieper: Gute Frage (lacht). Mit einem Tor vielleicht?

Nicht so bescheiden.

Pieper: Nein, im Ernst: Mehr als Platz eins geht ja nicht. Wird das kommende Jahr so wie das abgelaufene: Das unterschreibe ich sofort.

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