Fußball: 2. Liga
„Das fühlt sich nicht richtig an“

Osnabrück -

Die Gelb-Rote Karte für den Osnabrücker Schlussmann Philipp Kühn sorgte nach der 1:3-Niederlage des VfL gegen den SV Sandhausen für reichlich Gesprächsstoff – bei allen Beteiligten.

Donnerstag, 30.01.2020, 17:42 Uhr aktualisiert: 31.01.2020, 17:52 Uhr
Der Anfang vom Ende: Schiedsrichter Timo Gerach zeigt Osnabrücks Torwart Philipp Kühn die Rote Karte, während Moritz Heyer den Unparteiischen geradezu anfleht.
Der Anfang vom Ende: Schiedsrichter Timo Gerach zeigt Osnabrücks Torwart Philipp Kühn die Rote Karte, während Moritz Heyer den Unparteiischen geradezu anfleht. Foto: dpa

Auf den ersten Blick ließ das Ergebnis von 1:3 nicht viel Interpretationsspielraum, aber die Umstände zum Start in die Zweitliga-Restrunde waren für den VfL Osnabrück denkbar ungünstig: Ein per Videobeweis aberkanntes Tor in der Anfangsphase, Gelb-Rot für Torwart Philipp Kühn , ein Gegentor per Elfmeter-Wiederholung und eine 45-minütige Unterzahl trugen maßgeblich dazu bei, dass die Lila-Weißen am Mittwochabend gegen den SV Sandhausen nach vier ungeschlagenen Heimspielen wieder eine Niederlage im eigenen Stadion hinnehmen mussten.

Als Trainer Daniel Thioune zur Halbzeit in die Kabine ging, hatte er die Hände in den Taschen vergraben und den Kopf gesenkt. Die Szenen kurz vor der Pause hatte der Referee regelkonform bewertet, aber das war gar nicht nach dem Geschmack der Lila-Weißen.

„Es war eine Kette vieler Entscheidungen, die im Nachgang vielleicht regelkonform waren“, meinte ein maßlos enttäuschter Thioune. „Regeltechnisch muss das so sein, aber das hat dann aus meiner Sicht nichts mehr mit Fußball zu tun. Das fühlt sich für mich nicht richtig an. Damit wird ein Spiel kaputtgemacht.“

Nach einem Foul von Philipp Kühn an Kevin Behrens hatte der VfL-Keeper zurecht die Gelbe Karte gesehen. Der Strafstoß war ebenso eindeutig. Den ersten Versuch von Leart Paqarada hielt Kühn (44.), aber die Fahne des Assistenten ging nach oben: Kühn hatte sich nach vorne bewegt und damit die Torlinie verlassen. Dafür gibt es laut Reglement ebenfalls Gelb. Das bedeutete Gelb-Rot gegen Kühn. Nils Körber rückte zwischen die Pfosten, führ ihn musste Schmidt das Feld verlassen, konnte den zweiten Versuch von Paqarada aber nicht parieren.

Trotz dieser Umstände war es umso beeindruckender, wie sich der VfL nach der Pause zurückmeldete: Marcos Álvarez sah den einlaufenden Bashkim Ajdini, der aus vollem Lauf unvermittelt abzog. Etwas mehr als eine Minute war nach dem Anpfiff vergangen, als der Ball im kurzen oberen Eck zum 1:1 einschlug (47.).

In Unterzahl musste der VfL seine Defensive nun aber umso disziplinierter zusammenhalten, kam seltener nach vorn und hatte nicht mehr die Chancen wie zu Spielbeginn. Da hatte Felix Agu ein frühes Tor nach mustergültiger Flanke von Ajdini erzielt (8.), aber zuvor knapp im Abseits gestanden, wie der Videoassistent ermittelte. Diese Szene und die Ampelkarte gegen Kühn waren fraglos die die Knackpunkte im Spiel. Das sah auch Sandhausen-Trainer Uwe Koschinat so: „Wir konnten diesen Sieg nur feiern, weil sehr, sehr viele Situationen zu unseren Gunsten entschieden wurden. Bevor das Gegentor in der Anfangsphase wegen Abseits aufgehoben wurde, hatten wir den Rückstand schon emotional verarbeitet. Später hat der VfL auch in Unterzahl eine unheimliche Aktivität auf den Platz gebracht, aber in den entscheidenden Situationen hat das Pendel zu unserer Seite ausgeschlagen.“

Während sich die Gäste in der Folge sehr effektiv zeigten und Kevin Behrens mit zwei schönen, aber auch vermeidbaren Kopfballtreffern (60. und 83.) für den Sieg sorgten, blieb den Hausherren ein weitere Treffer verwehrt, obwohl Anas Ouahim beim 1:2 die große Ausgleichschance auf dem Fuß hatte, aber das Tor knapp verfehlte (72.). „Das ist Fußball. Es sind oft Kleinigkeiten, die ein Spiel entscheiden“, suchte der Mittelfeldspieler nach einer Erklärung. „Wir sind in Unterzahl super zurückgekommen und haben einmal mehr gezeigt, welchen Charakter diese Mannschaft hat. Nach dem zweiten Gegentor wurden die Beine schwer. Die Gelb-Rote Karte gegen Philipp Kühn ist zwar regelkonform, aber solche Situationen sehen wir an jedem Wochenende. Da fehlt mir einfach das Fingerspitzengefühl.“

VfL Osnabrück: Kühn – Heyer, van Aken, Trapp – Ajdini, Blacha, Ouahim, Henning (83. Henning), Schmidt (45. Körber), Agu – Alvarez (68. Ceesay)

SV Sandhausen: Fraisl – Diekmeier, Nauber, Zhirov, Paqarada – Paurevic (46. Biada), Taffetshofer (86. Kister), Linsmayer, Halimi (83. M. Engels) – Behrens, Bouhaddouz

Tore: 0:1 Paqarada (45.+3, FE), 1:1 Ajdini (47.), 1:2, 1:3 Behrens (60., 83.).

Schiedsrichter: Timo Gerach (33, Landau). Gelb: Kühn, Ceesay /Paurevic, E. Taffertshofer, Behrens, Biada. Gelb-Rot: 45. Kühn.

Zuschauer: 13 298.

Nächstes Spiel: Sonntag (2. Februar, 13.30 Uhr) bei Darmstadt 98.

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