Greven
Laufen, wo die Bären Lachse fangen

Donnerstag, 06.01.2011, 11:01 Uhr

Greven - „Sie sind verrückt“, das hört Peter Uekötter manchmal, wenn die Rede auf sein Lauf-Hobby kommt. „ Dankeschön “, gibt er dann zurück, als wäre es ein Lob. Verrückt kann man es in der Tat finden, was der 45-jährige Grevener Versorgungstechniker Anfang Februar in Angriff nimmt: den Yukon Arctic Ultra (YAU), einen Langdistanzlauf mitten im Winter entlang des kanadischen Flusses. „Das kälteste und härteste Rennen der Welt“, sagt der Veranstalter.

Die ersten zehn Tage des Februar hat Peter Uekötter für seine sportliche Expedition in die Eis-Wildnis hoch im Norden des amerikanischen Kontinents reserviert. Am 6. Februar startet er in Whitehorse auf der Marathondistanz über Trampelpfade, Eis, Geröll und Felsen. Tagestemperaturen um 20 Grad minus sind wahrscheinlich, bis 50 Grad minus ist möglich, sagt die Yukon-Wetterstation. Das und noch ein paar weitere Informationen hat Peter Uekötter aus dem World Wide Web geholt. Aber im Grunde genommen betritt er unbekanntes Land, wenn wer am 1. Februar in Whitehorse aus dem Flieger steigt, nimmt neue Herausforderungen an.

Und das ist genau das, was Peter Uekötter sucht. Fünf oder sechs Kilometer Laufen reichen ihm im Alltag, erzählt er. Aber einmal im Jahr soll es einen Höhepunkt geben. Das sind die Marathons oder noch längere Strecken. Er ist in Jordanien gelaufen, das war der tiefste Ultra-Marathon der Welt. Er ist in Nepal auf dem Mount Everest gelaufen, das war der höchste Marathon. Jetzt kommt der kälteste. Allerdings treibt es der Grevener dann doch nicht so weit, wie er vielleicht könnte. Für ihn ist am ersten Checkpoint an der North Country Ranch nach gut 42 Kilometern Schluss. Viele andere Starter laufen weiter, bis zu 692 Kilometer das Yukon-Tal Richtung Norden hinauf, ziehen Zelt und Proviant auf dem Schlitten hinter sich her. „Wer das macht, hat meinen Respekt“, sagt Peter Uekötter, „körperlich würde ich das vielleicht schaffen, aber ich traue es mir noch nicht zu. Im Zweifelsfall bist du alleine in der Wildnis“. Solche Zweifel kann man bekommen, wenn man auf der Veranstalter-Homepage liest, dass die Evakuierung von der Strecke nicht im Startgeld inbegriffen ist und wenn man sich die Youtube-Videos früherer Yukon- Arctic-Ultra-Läufe ansieht, auf denen sich Männer mit vereisten Bärten durch Tiefschnee quälen.

Alleine wird Peter Uekötter wohl nicht sein. Er startet zusammen mit seinem Lauffreund Dr. Wilfried Seehafer aus Bremen. Sie kennen sich vom Everest Marathon in Nepal 2010. Seehafer hat Uekötter gefragt, ob er nicht mitkommen wolle nach Kanada. So geht das unter Marathon-Freundschaften.

Wie es sich auf Eis und Schnee geht - oder besser läuft - kann Peter Uekötter tagtäglich direkt vor seiner Haustür üben. „Ideale Trainingsvoraussetzungen“ nennt er das, worüber andere fluchen. Das Trainingspensum hat er hochgeschraubt. 15 bis 20 Kilometer stehen jeden zweiten Tag an, einmal pro Woche 30 Kilometer oder mehr. Franz-Felix-See, Westladbergen, Topphoff, Wasserwerk in den Püppkesbergen, das ist seine Strecke. Jeder Schritt, erzählt er, erinnert ihn daran, dass auf Eis und Schnee das Tempo kein Thema ist. „Ich laufe für das Erlebnis, nicht für die Uhr“, beschreibt der ambitionierte Läufer seine Motivation.

Ein Erlebnis dürfte der Yukon Arctic Ultra sicher werden. Aber verrückt bleibt dieser Extrem-Lauf auch - ein bisschen zumindest. Dankeschön!

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