A-Jugend-Handball
A-Jugend sieht sich getäuscht

Greven -

Die A-Jugendlichen des SC Greven 09 sind enttäuscht. Sie wollen in der Bundesliga an den Start gehen, doch sie sehen dieses Ziel gefährdet. Dabei greifen sie den Vorsitzenden Christoph Glanemann an.

Mittwoch, 29.05.2013, 16:05 Uhr

Trotz aller Widrigkeiten im Umfeld bereiten sich die A-Juniorinnen des SC Greven 09 auf die anstehenden Qualifikationen vor. Unter anderem absolvieren sie ein Ausdauer- und Krafttraining im Fitnessstudio Power Sports.
Trotz aller Widrigkeiten im Umfeld bereiten sich die A-Juniorinnen des SC Greven 09 auf die anstehenden Qualifikationen vor. Unter anderem absolvieren sie ein Ausdauer- und Krafttraining im Fitnessstudio Power Sports. Foto: th

Drei Mal in der Woche treffen sie sich zum Handball in der Halle. Zwei Mal wöchentlich stehen zusätzlichen Laufeinheiten auf dem Trainingsplan. Und obendrein absolvieren sie ebenfalls an zwei Tagen ein Kraft- und Ausdauertraining. Der Aufwand, den die A-Juniorinnen des SC Greven 09 seit April betreiben, ist enorm. Dabei treibt die elf ausgewählten Spielerinnen ein gemeinsames Ziel an: Sie wollen unbedingt dabei sein, wenn in der kommenden Saison die Bundesliga-Nachwuchsrunde startet. Sie wollen sich mit den talentiertesten ihres Jahrganges messen, wollen zum Kreis der besten Nachwuchsmannschaften der Republik gehören.

Doch seit zwei Wochen scheint vieles in Frage zu stehen. Mehr noch: Nach der ersten Frauenmannschaft droht nun auch das hoffnungsvolle A-Jugend-Team und mit ihm das Nachwuchskonzept des SC Greven 09 auf der Kippe zu stehen.

Die Entscheidung des Vereinsvorstandes, den Kooperationsvertrag mit der Spielbetriebs GmbH zu kündigen, zieht weite Kreise und hat ganz offensichtlich auch den Nachwuchsbereich erfasst.

Dort steht auf der einen Seite Abteilungsleiter Wolfgang Schäpermeier . Er gibt sich alle Mühe, die Fäden zusammenzuhalten. Die Entlassung von Lars Sune Petersen, so gibt Schäpermeier am Rande einer Trainingseinheit am Dienstag zu Protokoll, sei unvermeidbar gewesen: Bislang sei der A-Jugendtrainer bei der GmbH angestellt gewesen. Mit der Kündigung des Vertrages aber hätte der Verein ihn beschäftigen müssen. Finanziell könne der SC 09 dies allerdings nicht stemmen, bekräftigte Schäpermeier.

Ihm gegenüber stehen Spielerinnen der Mannschaft, die Klartext reden. Sie gehen mit ihrem Abteilungsleiter und dem 09-Vorsitzenden Christoph Glanemann hart ins Gericht, werfen den Verantwortlichen grob unsportliches Verhalten vor und bezichtigen sie gar der Lüge.

Ellen Look kommt aus der Nähe von Osnabrück . Sie spielt seit zwei Jahren beim SC 09. Fiona Wortmann ist ein Eigengewächs des Vereins. Sie spielt seit der E-Jugend Handball. Ihre Mutter ist die Geschäftsführerin der Spielbetriebs GmbH. Anna Schnier kommt Tag für Tag aus Nottuln angereist. Sie spielt seit dem vergangenen Jahr in Greven . Die drei sind die Wortführer einer nicht nur verunsicherten, sondern wohl auch der Vereinspolitik überdrüssigen Mannschaft. Ihre Befürchtung: „Es gibt kaum noch Hoffnung und Perspektiven für Leistungshandball.“

Dabei beziehen sich die drei Spielerinnen auf die Umstände der Trainerentlassung und ein Gespräch, das sie vor zwei Wochen mit Glanemann und Schäpermeier geführt haben. Dabei seien Versprechungen gemacht, aber nicht gehalten worden, erklären sie und zählen auf: Die Ausstattung mit neuen Trikots, eine intensive Trainingsbetreuung wie bis zur Entlassung Petersens, die Organisation des Fahrdienstes, eine mögliche Verlängerung mit Timo Ortmeyer. „Auf diese Dinge haben wir uns verlassen.“

Einen Übergangstrainer gibt es mit dem jungen B-Lizenzimhaber Dennis Wahlers, der jedoch könne den zeitlichen Aufwand seines Vorgängers nicht leisten. Jetzt trainiert die Mannschaft zeitweise alleine. Vieles andere würde dagegen überhaupt nicht funktionieren. So sickerte jetzt durch, dass Ortmeyer längst in Bissendorf unter Vertrag steht. Das Urteil der enttäuschten Spielerinnen ist niederschmetternd: „Das ist kein Leistungshandball mehr. So sehen wir keine Perspektive.“

Schnier, Wortmann und Loock vermuten gar, dass das bisherige Leistungskonzept vom Verein nicht gewollt sei. Eine Ursache dafür sehen die Spielerinnen in dem klar auf Leistung ausgerichteten Konzept. Danach wurden aus dem 16-köpfigen A-Junioren-Kader elf Spielerinnen ausgewählt und auf die Bundesliga-Qualifikation gezielt vorbereitet. „Dieses Konzept passte dem Verein nicht“, mutmaßen die Spielerinnen, die sich trotz der Widrigkeiten weiterhin auf das Qualifikationsturnier am 8. Juni vorbereiten. Bis dahin wollen sie das Trainingspensum so hoch wie eben möglich halten. Und danach? „Wenn es so weitergehen sollte, werde ich nicht mehr spielen“, meint Ellen Loock und man sieht, dass ihr diese Vorstellung schwer fällt.

Doch die Alternativen zum Leistungsstützpunkt in Greven sind rar gesät. Und einen noch höheren Aufwand betreiben und künftig nach Blomberg oder Dortmund fahren, wollen die Spielerinnen auch nicht.

Am kommenden Wochenende steht zunächst die Qualifikation zur Oberliga an. Beim ersten Turnier am vergangenen Wochenende gelangen der 09-A-Jugend drei Siege, das Tor zur Oberliga steht damit weit offen. Zum ersten Mal zum Einsatz kommt die dann spielberechtigte Kristin Steinhaus. Sie ergänzt den Grevener Kader mit der Empfehlung, bereits Oberliga-Luft im Damenbereich geschnuppert zu haben.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1686549?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35341%2F1794986%2F1794987%2F
Nachrichten-Ticker