Jugendleiter-Ausbildung
Verpasste Gelegenheit

Greven -

Damit die an der Gesamtschule ausgebildeten Jugendleiter den Weg in die Vereine finden, laden der Kreissportbund und der Stadtsportverband Grevens Sportfunktionäre ein. Doch zeigen wenig Interesse.

Samstag, 08.09.2018, 00:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 08.09.2018, 00:00 Uhr
Ein großes Banner heißt Vereinsvertreter im Jugendlager am Westeroder See willkommen: Allein es fehlen die Vereine.
Ein großes Banner heißt Vereinsvertreter im Jugendlager am Westeroder See willkommen: Allein es fehlen die Vereine. Foto: KSB Steinfurt

Erwartungsfroh sitzen die 20 Elftklässler, die derzeit an der Gesamtschule zu Jugendleiter ausgebildet werden, auf den Bänken im Küchenzelt des Camps, das sie für zwei Klassen ihrer Schule am Westeroder See errichtet haben. Ihnen gegenüber sollen an diesem Vormittag eigentlich Vertreter Grevener Sportvereine Platz nehmen, um für ein Engagement im Sport zu werben. Eigentlich. Denn der Einladung des Kreissportbundes ist lediglich der SSV-Vorsitzende gefolgt.

Der wundert sich, warum Grevens Vereine augenscheinlich kein Interesse zeigen, engagierten Nachwuchs zu gewinnen. Aus seiner Stimmung macht Werner Jacobs keinen Hehl: „Ich bin enttäuscht. Die Jugendleiterausbildung ist eine Chance, junge Leute zu rekrutieren. Eigentlich müsste das Interesse der Vereine groß sein.“ Ist es aber nicht.

Dabei macht die Gesprächsrunde eines deutlich. Die Jugendlichen sind hoch motiviert, das Interesse, sich nach erfolgter Ausbildung im Verein zu engagieren, ist vorhanden. Doch am Übergang hapert es.

Mittlerweile gibt es zahlreiche von Schulen initiierte Ausbildungen, die ihren Schülern das Rüstzeug zum Sport- oder Gruppenhelfer oder eben Jugendleiter an die Hand geben. Doch zu Jugendtrainern oder Betreuern einer Mannschaft werden die mit fundiertem Wissen ausgestatteten Schüler eher selten.

Eine Schwierigkeit, die nicht neu ist und die Uli Fischer zum Anlass genommen hat, den Versuch zu starten, Vereine und Jugendleiter miteinander ins Gespräch zu bringen. Der Vorstandsvorsitzende des Kreissportbundes Steinfurt weiß um die Not der Vereine, Nachwuchs und vor allem Übungsleiter und Trainer zu finden.

Auch er wundert sich über die mäßige Resonanz der Grevener Vereinsverantwortlichen. Fischer erklärt sich das Fernbleiben mit fehlenden Strukturen. „Der Kinder- und Jugendsport ist mittlerweile überorganisiert durch den Wettkampfbetrieb. Oft fehlen Ressourcen, um sich Gedanken zu machen, wohin man will“, stellt Fischer fest.

„Die größte Schwäche ist, dass es in den meisten Vereinen kein System gibt, durch das Jugendliche heran geführt werden.“ Der KSB-Vorstand hält eine Professionalisierung der Jugendarbeit für erforderlich, um Synergieeffekte wie im Falle der Jugendleiter-Ausbildung an der Gesamtschule nutzen zu können. „Ideal wäre, wenn alle nach der Ausbildung einen Verein finden würden.“

Derzeit scheint es dem Zufall geschuldet, welcher Jugendleiter sich nach der Ausbildung engagiert. Die Bereitschaft ist vorhanden, wie die Rückmeldungen der Gesamtschüler bestätigen. Bei Werner Jacobs haben sie jedenfalls Eindruck hinterlassen: „Ich war sehr angetan von ihrer Motivation“, berichtet er später. Und er verspricht, sich des Problems anzunehmen: „Ich werde das Thema im SSV-Vorstand besprechen und dann werden wir versuchen, die Vereine zu motivieren, solche Gelegenheiten wahrzunehmen.“

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