Handball: SC Greven 09
Ein „Floh“ feiert Geburtstag

Greven -

80 Jahre und kein bisschen Leise: Die ehemalige Handball-Nationalspielerin Christa Deparade hatte am Wochenende im Rahmen ihrer Geburtstagsfeier viel zu erzählen.

Montag, 14.10.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 16.10.2019, 14:52 Uhr
Eine Nationalspielerin, die stets am Boden blieb – und das nicht nur wegen ihrer geringen Körperlänge. Christa Deparade (vorne in grau-pink) feierte mit ihren ehemaligen 09-Kameradinnen.
Eine Nationalspielerin, die stets am Boden blieb – und das nicht nur wegen ihrer geringen Körperlänge. Christa Deparade (vorne in grau-pink) feierte mit ihren ehemaligen 09-Kameradinnen. Foto: Stefan Bamberg

Stillstand? Nein, das kommt für eine ehemalige Handball-Nationalspielerin auch im gesetzteren Alter nicht in die Tüte. „Na los, Leute, wir gehen mal rein!“, fordert Christa Deparade , als die Feier-Gesellschaft so recht keine Anstalten macht, sich in Richtung Mittagessen zu bequemen. Unzählige Freundinnen und Freunde sind für sie soeben eingetrudelt am Franz-Felix-See. Für „Floh“ oder gar „Flöhchen“, wie sie Christa Deparade eigentlich viel lieber nennen. Die wahrscheinlich beste Handballerin, die Greven jemals hatte, wird 80.

Eine Handballerin freilich, die um ein Haar Leichtathletin geworden wäre, weil sie den Speer auf über 50 Meter warf. „Bei der Wurftechnik musste ich mich ja erst umgewöhnen“, flachst sie.

Was aber doch gar nicht so schlecht klappte: Bei der Weltmeisterschaft 1965 im eigenen Land wurde sie Torschützenkönigin der deutschen Mannschaft, die vor 5000 Zuschauern in Dortmund die Bronzemedaille gewann. Mit zehn Treffern – was natürlich heute unvorstellbar wäre: Doch seinerzeit endeten die Spiele gegen Japan 15:7, gegen Jugoslawien 4:8, gegen Dänemark 7:5 und gegen die CSSR 11:10. „Es war ganz anders damals, da ging es nicht um den sofortigen Durchbruch zum Tor“, weiß Deparade – und schmunzelt: „Da durften wir noch ein bisschen spielen.“ Und spielen konnte sie – nicht nur ein bisschen: „Es gibt ein Bild, da liegt sie quer in der Luft“, erzählt ihre Teamkollegin Karin Brockmann. „Wenn ich daran denke, wie Flöhchen sich bewegt hat – ach, da kriege ich heute noch Gänsehaut.“

Deparade war eine, die auf der Platte in keine Schablone passte: Rückraum Mitte ihre angestammte Position, eine exzellente Passgeberin, kluge Initiatorin der Spielzüge, dabei aber auch irre schnell, ziemlich torgefährlich – und für ein paar Minuten sogar mal National-Torhüterin, als die Stammkeeperin ausfiel: „Christa konnte einfach alles“, staunt Volker Schönewald , während der sportlich goldenen 70er und silbernen frühen 80er Trainer bei Nullneun.

Westdeutscher Pokalsieger, Bundesliga-Aufstieg – in der ersten Saison im Oberhaus zockte Deparade, da bereits Ende 30, aber unverändert eine der Fittesten, noch mit. Wenn Schönewald an diese Ära denkt, spricht er von seinen schönsten Jahren als Coach. Von Zeiten, in denen Greven eine Handball-Hochburg Westfalens war und sich die Zuschauer in der Emshalle fast stapelten, um „Flöhchen“ und die anderen zu sehen.

Noch heute treffen sich die Mädels von damals regelmäßig, zum Fahrradfahren, Fachsimpeln – und bisweilen zu dem, was sie dereinst auch ganz gut konnten: zum Feiern. „Mensch, wo wir überall zusammen waren!“, erinnern sie sich.

Weil es nämlich in Greven ein internationales Turnier gab, tourte natürlich auch der 09-Trupp durch die Weltgeschichte. Sportlich ambitioniert, dabei selten unterhopft, erlebten sie Leningrad, Kiew, Baku: „Auf großen Reisen immer dabei, sit tatta fideralala / für jeden Spaß ganz einerlei / ist unser Floh zu haben“, texten ihre Sportsfreundinnen in einem selbst geschriebenen Lied.

Manchmal mussten sie für den Spaß aber gar nicht weit fahren: Spektakulär, wie sie bei mal mehr, öfter weniger glorreichen 09-Zweitliga-Spielen den Muppet-Show-Opas Waldorf und Statler gleich mehrere weibliche Pendants entgegen setzten.

Inzwischen wohnt sie, das stets fröhliche Handball-Idol, nicht mehr hier, sondern ist näher zu ihrer Tochter gezogen, eines von drei Kindern. Dort in Ibbenbüren, berichtet Christa Deparade, als sie am Samstag das Glas erhebt, sei es auch sehr hübsch, und sie habe nette Nachbarn. Aber: „Die allerschönsten Erinnerungen – die bleiben doch in Greven.“

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