Interview: Gimbtes Vorsitzender Thomas Jansen ist bodenständig
Kein Zampano

Gimbte -

Beim SC BG Gimbte haben sie Nägel mit Köpfen gemacht. Thomas Jansen wurde erst am 28. Februar zum neuen Vorsitzenden gewählt. Überhaupt wurde auf der Jahreshauptversammlung nahezu die komplette blau-gelbe Führungsriege ausgetauscht. Was wollen Jansen und seine Mitstreiter im Golddorf bewegen, sobald der Sport nicht mehr stillsteht? Das und mehr verrät der 55-Jährige im Gespräch.

Freitag, 27.03.2020, 17:08 Uhr
Thomas Jansen geht auf die Menschen zu, wie bei der Wahl zum Vorsitzenden während der Jahreshauptversammlung.
Thomas Jansen geht auf die Menschen zu, wie bei der Wahl zum Vorsitzenden während der Jahreshauptversammlung. Foto: Stefan Bamberg

Für den Start ins Amt eines Sportverein-Vorstands gibt es ziemlich sicher dankbarere Zeitpunkte als den einer Corona-Krise. Thomas Jansen ist am 28. Februar zum neuen Vorsitzenden des SC BG Gimbte gewählt worden. Überhaupt wurde auf der Jahreshauptversammlung nahezu die komplette blau-gelbe Führungsriege ausgetauscht. Was wollen Jansen und seine Mitstreiter im Golddorf bewegen, sobald der Sport nicht mehr stillsteht? Das und mehr verriet der 55-Jährige im Gespräch mit WN-Mitarbeiter Stefan Bamberg .

 

Herr Jansen, wie ist die Lage in Gimbte? Ruht das Vereinsleben bei BG gerade komplett?

Jansen: Wie überall liegt der Trainingsbetrieb komplett brach, das ist klar. Die erste Sitzung mit dem neuen geschäftsführenden Vorstand war eigentlich für den 23. März geplant, die musste natürlich auch ausfallen. Ich bin aber davon überzeugt, dass im Sportverein geknüpfte Kontakte in dieser Situation Halt geben können: Indem Vereinsmitglieder, die sich sonst auf dem Sportplatz treffen, füreinander da sind – und zum Beispiel jüngere für ältere einkaufen gehen.

Sie wohnen erst seit 2018 in Gimbte. Woher kommt der Mut, sich nach knapp zwei Jahren im Dorf gleich mal den Job als Vorsitzender des örtlichen Sportvereins zuzutrauen?

Jansen: Ich bin jemand, der auf Menschen zugeht. Und wo geht man hin, wenn man neu im Dorf ist? Klar, in den Sportverein. Dort habe ich schnell Kontakte geknüpft, spiele sogar selber bei den Altherren-Fußballern. Vergangenes Jahr bin ich dann von der Findungskommission gefragt worden, ob ich mir das Amt vorstellen könnte. Natürlich habe ich mir dazu in Ruhe Gedanken gemacht – mit dem Ergebnis: Das ist eine tolle Aufgabe!

Wie interpretieren Sie Ihre Rolle als erster Vorsitzender?

Jansen: Als Teil eines Teams, in dem jeder seinen Verantwortungsbereich hat. Erstmals haben wir nun projektorientierte Beisitzer gewählt, etwa für soziale Medien. Ich möchte zuhören, moderieren, Ergebnisse sammeln und bündeln. Alleine den großen Zampano machen – das will ich nicht. Und so funktioniert Vereinsarbeit heute sicherlich auch nicht mehr.

Wo sehen Sie die Stärken des Clubs?

Jansen: Vor allem haben wir großartige Ehrenamtliche, und zwar aus allen Generationen. Wenn etwas gemacht werden muss, packen sofort Leute mit an. Beeindruckt hat mich, wie viele zur Jahreshauptversammlung neulich kamen. Den Gimbtern ist es nicht egal, was bei Blau-Gelb passiert. Und das ist mir wichtig: dass viele Mitglieder Lust haben, sich einzubringen und ihre Meinung zu sagen.

Sie sprachen die Jahreshauptversammlung an. Fast die komplette Führungsriege ist dort ausgetauscht – und der Vorstand deutlich verjüngt worden. Welche neuen Akzente sollen denn jetzt gesetzt werden?

Jansen: Es ist super, wenn junge Leute Lust haben, sich einzubringen. Dann sollte man ihnen auch Verantwortung geben. Unsere erste Aufgabe wird es nun sein, eine Bestandsaufnahme zu machen – das geht übrigens auch in Corona-Zeiten: Welche Ressourcen haben wir im Verein? Welche Wünsche haben unsere Mitglieder? Wie wollen wir uns nach außen präsentieren? Welche Schwerpunkte setzen wir?

Und gibt es da schon Ergebnisse: Wird es zum Beispiel neue sportliche Schwerpunkte geben?

Jansen: Die Frage kann ich sicherlich noch nicht abschließend beantworten. Dank der Sporthalle, die bald fertig wird, sollten wir vermehrt Angebote im Breitensport machen, möglichst für alle Generationen. Unsere Voltigier-Abteilung floriert. Und Fußball wird natürlich immer eine große Rolle spielen. Genial fände ich es, wenn wir eines Tages auch eine Fußball-Jugendabteilung hätten – auch wenn das derzeit wohl noch nicht realistisch ist.

Zum Schluss noch einmal weg vom Sport – und zur aktuellen Ausnahmesituation: Sie leiten das Caritas-Bildungszentrum in Münster, koordinieren dort die Ausbildung von Pflegefachkräften. Was macht die Corona-Pandemie mit Ihrem Berufsalltag?

Jansen: Lehrveranstaltungen können derzeit selbstverständlich nicht stattfinden. Die Azubis sind stattdessen in die verschiedenen Pflegeeinrichtungen ausgeschwärmt, wo sie jetzt natürlich mehr denn je gebraucht und beansprucht werden. Und für mich gab es gestern eine Premiere: Ich habe erstmals Online-Bewerbungsgespräche geführt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7346502?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35341%2F
Nachrichten-Ticker