Mitgliederzahlen in den Sportvereinen stagnieren
Greven ist (noch) kein Leuchtturm

Greven -

Wieviele Einwohner der Stadt Greven sind Mitglied in einem Sportverein?

Donnerstag, 23.07.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 23.07.2020, 12:45 Uhr
Beim SC Reckenfeld wurde die Talsohle durchschritten. Der Verein wächst wieder.
Beim SC Reckenfeld wurde die Talsohle durchschritten. Der Verein wächst wieder. Foto: Sven Thiele

Diese kleine Stichelei kann sich Uli Fischer nicht verkneifen: „Greven befindet sich auf dem Treppchen. Unter den Top drei. Allerdings von unten betrachtet.“ Wenn es um den Organisationsgrad des Vereinssportes geht, rangiert die Stadt weiterhin am Ende der Skala. Zumindest im Kreisvergleich. Gemessen an der Einwohnerzahl sind in Greven 26,40 Prozent der Menschen als Mitglieder im Vereinssport gemeldet.

Kreisweit liegt der Schnitt bei etwas über 31 Prozent. Ein Alarmsignal? So weit will der Vorsitzende des Kreissportbundes, wo man die beim Landessportbund erfassten Werte analysiert, nicht gehen. Gleichwohl legt Fischer den Finger in die Wunde: „Die Bevölkerungsentwicklung korreliert nicht mit der Entwicklung in den Sportvereinen.“ Sein Appell: „In Greven gibt es ein gewaltiges Potenzial, das man für den Sport gewinnen kann.“

Während die Bevölkerungszahl auf die 40000-er-Marke zusteuert, stagniert die Zahl der Mitglieder in Sportvereinen. Soweit nichts Neues. 9976 waren zum Anfang des Jahres gemeldet. Das sind immerhin 200 im Vergleich zum Vorjahr.

Gleichwohl scheinen Grevens Vereine von der positiven Bevölkerungsentwicklung kaum zu profitieren. Eine Erklärung liefert aus Fischers Sicht die Vereinsstruktur. „Hier gibt es viele Nischenvereine, aber keinen richtigen Breitensportverein.“

Ganz anders stellt sich die Situation ein paar Kilometer weiter nördlich da. Emsdetten hat ebenso wie Rheine eine Art Leuchtturmfunktion im Kreis Steinfurt übernommen. Fast 13000 Mitgliedschaften gibt es in Emsdetten, wo vor allem der Turnverein (TV) seit Jahren zulegt. Die Organisationsquote liegt mit 35,6 Prozent fast zehn Punkte höher als in Greven. In Rheine ist es der TV Jahn, der zu einem der größten Sportvereine des Landes gewachsen ist und so ziemlich alles rund um das Thema Bewegung anbietet. Für Uli Fischer sind beide Vereine Beispiele, wie über ein breites Angebot weite Teile der Bevölkerung angesprochen werden können.

Die These des KSB-Vorsitzenden stößt bei ihm auf offene Ohren. Andrew Termöllen ist Vorsitzender des SC Reckenfeld. Der SCR gehört zunächst einmal zu den Verlierern der vergangenen Jahre. Von über 1200 Mitglieder im Jahr 2000 hat der Verein innerhalb der vergangenen 20 Jahre fast 400 eingebüßt. „Ich glaube, wir haben den Knick überwunden“, stellt Termöllen fest und verweist auf eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr (plus 44).

Gleichwohl sieht er seinen Verein einem Wandel unterzogen und hofft mit der Wittlerdamm die richtige Antwort gefunden zu haben. „Ich sehe uns als Breitensportverein mit möglichst vielen attraktiven Angeboten“, zeichnet Termöllen das Bild für die Zukunft. „Es ist enorm wichtig, weitere Angebote zu installieren und engagierte Personen für den Verein zu begeistern.“

Die neue Sportanlage, ausgestattet mit Sportplätzen, einer Halle, der Kegelbahn und einer Finnenbahn, soll dafür die Basis bieten.

Doch Termöllen, seit 17 Jahren Vorsitzender des SC Reckenfeld, sieht nicht nur in dem Angebot den Grund für die Stagnation. Neben dem üblichen Sport in festen Gruppen locken Vereine Sportler über Kurse. „Kurse sind bei uns sehr beliebt und werden gut angenommen“, betont Termöllen. Was wiederum das Statistik-Bild verfälsche. Schließlich werden diese Zahlen nicht vom Landessportbund erfasst. „Wenn ich die Kursteilnehmer mitzählen würde, kämen wir auf etwa 1000 aktive Sportler.“

Während der SCR künftig den Kursbereich erweitern will, setzen zwei andere Vereine auf Kooperation. Zwischen dem TVE, mit knapp 1600 Mitgliedern Grevens mitgliederstärkster Sportverein, und der DJK, mit 1321 Mitglieder die Nummer zwei, könnte ein Großverein entstehen, der dann fast ein Drittel aller Mitgliedschaften abdecken würde. Auch das würde einem Trend entsprechen. Die Zahl der Vereine ist rückläufig, die Fusionen nehmen zu. In Greven gibt es derzeit 28 Sportvereine, zwei sind in den vergangenen fünf Jahren bereits in einem Zusammenschluss aufgegangen.

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