Fußball: Warum kein Trainer an eine Fortsetzung im Dezember glaubt
Auszeit mit Verlängerung

Greven -

Nach den ab Montag geltenden Corona-Bestimmungen ist eine vierwöchige Pause für den Amateursport vorgesehen. Davon betroffen sind auch die Fußballer. Erste Reaktionen von Trainern fallen skeptisch aus im Hinblick auf eine Rückkehr auf den Platz im Dezember.

Montag, 02.11.2020, 12:30 Uhr
Die Fußballer müssen draußen bleiben. Mindestens bis Ende November.
Die Fußballer müssen draußen bleiben. Mindestens bis Ende November. Foto: th

Für die Fußballer des SC Greven 09 lief es in den vergangenen Wochen wie am Schnürchen. Trotz eines zunächst ruckeligen Bezirksligaauftaktes wurde die Mannschaft von Mirsad Celebic und Ulli Peppenhorst ihrer Favoritenrolle gerecht. Ohne Niederlage steuerte der 09-Express als Tabellenführer mit zunehmendem Tempo in Richtung Landesliga. Dann folgte der wenig überraschende, aber gleichsam abrupte Stopp.

Spätestens ab Montag bewegt sich im Fußball mit Ausnahme des Profibereiches nichts mehr. Die Entwicklung in der Corona-Pandemie hat den gesamten Amateursport mit voller Wucht erfasst und zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Unterbrechung verursacht. Grevens Fußballtrainer reagieren sowohl mit Verständnis als auch mit Kritik auf die jüngsten Entscheidungen. Einig sind sich die Beteiligten in einer Frage: Niemand glaubt, dass es bei einer vierwöchigen Pause bleibt.

Mirsad Celebic hatte keine Gelegenheit, sich persönlich von seinen Spielern in die neuerliche Pause zu verabschieden. Nach dem 1:1 gegen Neuenkirchen hatte der 09-Coach seinem Team eine trainingsfreie Woche gegönnt. Nun bleibt es nicht bei einer Woche. Mindestens bis Ende November rollt kein Ball mehr in der Schöneflieth. Bei Celebic stößt die Entscheidung auf volles Verständnis. „Das ist zwar bitter und schade, aber ich finde es im Moment wichtiger, auf die Gesundheit der Menschen und die Wirtschaft zu achten“, findet Celebic. „Wir müssen jetzt Rücksicht nehmen.“

Seinen Spielern hat der Trainer des Bezirksligisten kein spezielles Trainingsprogramm für Zuhause verordnet. Mirsad Celebic setzt auf Selbstverantwortung. Auch glaubt er nicht daran, dass die Zwangspause sein Team sportlich aus der Bahn werfen wird. Im Gegenteil: „Ich glaube, die Jungs kommen noch hungriger aus der Pause zurück auf den Platz.“

Die Frage ist nur, wann? An eine Rückkehr im Dezember glaubt Celebic jedenfalls nicht. „Ich wünsche mir das, glaube aber nicht daran.“

Ähnlich schätzt auch Daniel Helmes die Lage ein. „Ich glaube nicht, dass die Infektionszahlen in den nächsten Wochen drastisch runter gehen“, meint der Trainer des Fußball-A-Ligisten aus Gimbte. Helmes rechnet vielmehr mit einer vorgezogenen Winterpause.

Was mit Blick auf die Staffelgrößen offenbar kein Problem wäre. Der SC Gimbte spielt in einer 13er-Gruppe. Ebenso wie der SC Reckenfeld, wo Trainer Thorben Zilske die im Sommer reduzierten Ligengrößen als weitsichtigen Schritt bewertet.

„Wir können die Pause gut kompensieren“, hält der SCR-Trainer auch eine längere Zwangspause für möglich, ohne dass gleich die ganze Saison wieder annulliert werden müsste. „Das ist aufzuholen.“

Der zweite Lock-Down innerhalb eines Jahres, er trifft den Sport offenbar nicht so hart wie die Entscheidung Mitte März. „Wir gehen nicht ganz so deprimiert in die Pause wie im Frühjahr“, berichtet Zilske, der zum Abschlusstraining am Donnerstagabend noch einmal 17 Spieler um sich versammelt hat. Das Stimmungsbild bei seinen Spielern beschreibt er als „sehr verständnisvoll.“ Die Motivation, nach der Pause wieder voll durchzustarten, sei groß.

Deutlich kritischer beurteilt Sven Hehl die Entscheidung von Bund und Ländern, vielen Bereichen des öffentlichen Lebens einen erneuten Stillstand zu verordnen. „Ich glaube nicht, dass die Maßnahmen zu einer Entspannung bei den Infektionszahlen beitragen werden“, hält der DJK-Trainer das beschlossene Maßnahmenpaket nicht für die richtige Wahl der Mittel. Skeptisch beurteilt Hehl auch die Verlautbarung, Anfang Dezember würden die Einschränkungen aufgehoben. „Da gaukelt man uns etwas vor“, findet Hehl. „Ich habe den Jungs gesagt, dass sich sie sich auf eine Pause bis mindestens März einstellen sollen.“ Auch sieht der Trainer der DJK die Möglichkeit der Fortführung der Meisterschaft deutlich skeptischer als die Kollegen der benachbarten Vereine.

Auch Dragan Grujic blickt kritisch auf die jüngsten Entwicklungen. „Ich finde nicht, dass es die besten Entscheidungen waren“, meint der Trainer des Fußball-A-Ligisten. „Das ist ärgerlich, aber wir müssen die Situation annehmen und das Beste daraus machen.“ Grujic hat seinen Fußballern, die am Dienstag das vorerst letzte Mal gemeinsam trainiert haben, individuelle Fitnesspläne mitgegeben. Er rechnet wie alle seine Trainerkollegen mit einer längeren Zwangspause. „Dieses Jahr wird das nichts mehr“, prognostiziert Grujic.

Für das hoffnungsvoll in die Saison gestartete Team dürfte die Lage auch im Hinblick auf die Fortführung der Meisterschaft kritisch werden. Anders als in den reduzierten Kreisligen in Münster und Steinfurt hat der Fußballkreis Tecklenburg seine A-Liga auf 20 Teams aufgestockt. „Ich weiß nicht, wie das gehen soll“, ist Grujic auch bei der Fortführung des Spielbetriebes skeptisch.

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