Fußball: BG Gimbte steigt im Jahr 2000 in die Kreisliga A auf
Gimbter Gipfelstürmer

Gimbte -

„Ganz Gimbte schwelgt in blau und gel!“, hieß es voller Poesie.

Montag, 23.11.2020, 10:30 Uhr
Jürgen Schepers war der Vater des Erfolges. Zur großen Sause waren alle Gimbter eingeladen.
Jürgen Schepers war der Vater des Erfolges. Zur großen Sause waren alle Gimbter eingeladen. Foto: Stefan Bamberg

Am 23. Mai 2000 fanden die Gimbter eine wichtige Mitteilung in ihren Briefkästen. „An alle Haushalte“, war das Schreiben adressiert und zu Fuß ausgetragen worden. Es enthielt eine Einladung in die Schlage, wo nach dem letzten Heimspiel eine Party steigen sollte. Weil: „Unsere erste Mannschaft ist in die Kreisliga A aufgestiegen!“, verkündete das Flugblatt weiter. Nur für den Fall, dass das irgendjemand im Dorf noch nicht mitbekommen hatte. „Die Gimbter haben uns durch diese wunderschöne Zeit getragen“, erinnert sich Jürgen Schepers .

Und es wirkt, als laufe in seinem Kopf der nunmehr 20 Jahre alte Film sofort wieder ab. Obwohl Schepers, damals Trainer, heute ganz allein im Stadion steht, das von Fußballsonntagen gerade weit entfernt ist. BG Gimbte und der Durchmarsch – in der Saison 1998/99 von der Kreisliga C in die Kreisliga B, 1999/00 von der Kreisliga B in die Kreisliga A – davon bleibt mehr als die Mannschaftsfotos im Vereinsheim.

Jedenfalls für alle, die ihn miterlebt haben. Und alle – das war, glaubt man den Zeitungsschlagzeilen, quasi das Dorf an und für sich: „Ganz Gimbte schwelgt in blau und gelb!“, hieß es voller Poesie nach dem 1:1 beim FC Mecklenbeck, dem entscheidenden Punkt zum A-Liga-Aufstieg.

Schepers hat alle Artikel sorgfältig archiviert; zusammen mit einigen handschriftlichen Matchplänen, die Ende der 90er natürlich noch „Aufstellungen“ hießen. Für ihn war es seinerzeit der erste Trainerposten im Herrenbereich. Nach seiner Spielerlaufbahn hatte er ein paar Jahre lang BG-Jugendteams trainiert, ehe ihn der viel zu früh verstorbene Obmann Wolfgang Wenning 1997 zum Chefcoach beförderte. „Am Spieltag bin ich Trainer, abseits des Rasens einer von den Jungs“, das war Schepers‘ Credo.

Schon 1979 war er ja hauptsächlich von Gelmer nach Gimbte gewechselt, weil hier seine Kumpels kickten. Der Plan ging auf: zwei Aufstiege in drei Jahren, mit einem Team, das nach dem Elf-Freunde-Prinzip funktionierte. „Es war eine Mannschaft ohne Stars“, blickt Schepers zurück, „aber eine mit tollen Typen.“

Matthias Bez als Kapitän, eine Gimbte-Fraktion um Martin Lanfer, Jens Aßmann und Markus Wenning, einige Jungfüchse, dazu der Torjäger Arno Grünig. Und schließlich Pfundskerle wie der eigentlich längst in den Fußballruhestand verabschiedete Ferdi Spielbrink, der in Notfällen doch noch mal das Tor hütete.

So manche schon verloren geglaubte Partie bog diese Truppe noch irgendwie um, gerne bei Flutlicht. Und sie gewann, jedenfalls fühlte sich das so an, auch neben dem Platz: Gemeinsam mit dem Ehepaar Große-Wöstmann machte sich das Team für seinen aus dem Kosovo geflüchteten Stürmer Kadri Sadiku stark, als der mit seiner Familie wieder abgeschoben werden sollte – heute kümmert sich Sadiku um die zweite Mannschaft in der Schlage.

Und hat den Kulturschock vom ersten Grevener Karneval des neuen Jahrtausends inzwischen hoffentlich überwunden: „Karneval 2000 – unser eigener Wagen.“ Unter dem Motto „Gimbter Gipfelstürmer“ hüpften sie, als „Anton aus Tirol“ verkleidet, durch das närrische Treiben. „Wahnsinn…“ – mehr fällt Schepers dazu auch nicht ein.

Der Ex-Coach klappt sein Fotoalbum zu und das Handy auf: „Manchmal schreibt jemand was in die WhatsApp-Gruppe“, erzählt er. Daniel Gardian (ehemals Verteidiger) hat sie gegründet und scherzhaft „Aufstiegshelden“ getauft. Öfter nehmen sie sich vor, mal wieder einen Mannschaftsabend zu organisieren, wenn der Corona-Spuk irgendwann vorbei ist. Denn: „Feiern konnten wir auch immer gut.“

Was vorher noch zu klären wäre: Wer hat den Anton noch auf CD?

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