Fanserie: Lukas Antkowiak und der VfL Bochum
Zwischendurch sogar Uefa-Cup

Greven -

Lukas Antkowiak hat einen familiären Bezug zur Stadt Bochum. Da ist es eigentlich kein großes Wunder, dass das sportliche Herz des Greveners für den VfL schlägt.

Mittwoch, 17.02.2021, 11:00 Uhr
Die Ostkurve singt vor jedem Heimspiel Grönemeyers “Bochum“ - das ist in Fußball-Deutschland Kult, und lässt auch den Grevener Lukas Antkowiak nicht kalt
Die Ostkurve singt vor jedem Heimspiel Grönemeyers “Bochum“ - das ist in Fußball-Deutschland Kult, und lässt auch den Grevener Lukas Antkowiak nicht kalt Foto: Privat

Ausgerechnet jetzt! Ausgerechnet jetzt geht das Kapitel zweite Liga nach elf Jahren zu Ende – vielleicht zumindest. Lukas Antkowiak kann sich gerade nur ausmalen, was wäre wenn: Wenn er beim wilden Ritt seines VfL Bochum Richtung Bundesliga live dabei sein könnte. Wenn die Hütte voll wäre. Er würde die Treppe zur Ostkurve hochgehen, an deren Ende das grelle Flutlicht das Spielfeld illuminiert. Es würde nach „Fiege“-Bier und Bratwurst duften. Die Torhüter wären schon auf dem Rasen und würden warm geschossen. Und kurz vor dem Anpfiff würden sie Herbert Grönemeyer spielen mit seiner fabelhaften Bochum-Hymne, in deren letzter Strophe der VfL mit ‚nem Doppelpass jeden Gegner nass macht. „Über fast jedes Spiel, das ich im Ruhrstadion gesehen habe“, sagt Antkowiak, „könnte ich eine Geschichte erzählen.“

Wohl nirgendwo in Fußball-Deutschland ist das Publikum so nah dran wie hier. Klein, aber fein, ein Bauwerk aus den späten 1970er-Jahren, in dem seither nur einmal die Sitzschalen ausgetauscht wurden. Nostalgie pur, mitten im Revier.

Zwischen den Schwergewichten BVB und Schalke behauptet sich der VfL – als dritte Kraft im Pott, von der früh klar war, dass sie Antkowiaks erste Wahl wird. Die Familie mütterlicherseits wohnt nämlich in Bochum: „Der VfL ist dort seit jeher ein Thema.“ Als Achtjähriger ging er erstmals zum Spiel, Reihe neun, ziemlich weit vorne also, wo die Sitzplatz-Karte für ihn nur sechs Euro kostete, Vater Matthias und Onkel Christian zahlten immerhin jeweils zwanzig. Die Bochumer trennten sich vom HSV seinerzeit 1:1.

Schon bald landete das erste VfL-Trikot in einem Grevener Kleiderschrank – und auf dem DJK-Trainingsplatz, wo Antkowiak in der Jugend kickte. Er verfolgte das goldene Jahr des Klubs, als der unter Peter Neururer, mit „Zaubermaus“ Dariusz Wosz und als Nummer eins im Ruhrgebiet Richtung Europapokal stürmte. Wo sie aber gegen den belgischen Vertreter Standard Lüttich auf dramatische Weise ausschieden: Nach 0:0 im Hinspiel führte Bochum zuhause mit 1:0, ehe in der Nachspielzeit der Ausgleich fiel, weil ein Neuzugang mit dem klangvollen Künstlernamen Edú ein in VfL-Fankreisen inzwischen legendäres Luftloch geschlagen hatte – der VfL hatte den einzigen von circa 200 Millionen Brasilianern verpflichtet, der nicht Fußball spielen konnte. „Da hatte ich also die Auswärtstor-Regel kennengelernt und schon in jungen Jahren am eigenen Leib erfahren“, witzelt Antkowiak.

Aber es gab auch Feiertage in seiner Karriere als VfL-Fan: 2007 schlugen sie daheim sowohl Dortmund als auch die Schalker. Auch die Relegationsspiele von 2011 gegen Borussia Mönchengladbach erinnert er als atmosphärische Highlights – obwohl die mal wieder haarscharf daneben gingen. Das Auf und Ab, die Fahrstuhlfahrten zwischen Liga eins und zwei, zwischen grauer Maus und Höhenflug, verleitete die Ostkurve zum Dichten: „Wir steigen auf, wir steigen ab – und zwischendurch Uefa-Cup !“

Wobei die Aufstiege und erst recht der Uefa-Cup mit der Zeit ausblieben – was Antkowiak und die anderen rund 20 000 im Ruhrstadion unter anderem mal dazu veranlasste, bei einem trostlosen 0:3 gegen Erzgebirge Aue den Gassenhauer „Ein belegtes Brot mit Schinken“ anzustimmen.

Dieser Hang zur Selbstironie, zum wohldosierten Quatsch – das hat dem Grevener immer gefallen: „Wir sind einfach unverbesserliche Optimisten.“ Und siehe da, diese Saison – nach einer Dekade tristem Zweitliga-Mittelmaß – befindet sich der VfL Bochum plötzlich sowas von in der Spitzengruppe.

Der begnadete Keyboarder (mit eigener Band: „Mama for President“) unterstützt seinen Verein statt von seinem Stehplatz aus nun via „Sky go“. Auch seine Freundin Sara ist längst Mitglied in der VfL-Fangemeinde. „Das Gerüst der Mannschaft wurde im Sommer nicht groß verändert, und aktuell haben wir sogar das nötige Spielglück“, analysiert Antkowiak, „aber mit Aufstiegs-Prognosen bin ich ganz vorsichtig.“

Immerhin, und so viel zur sportlichen Beruhigung: Ein erneutes Luftloch von Edú in der Nachspielzeit müssen VfL-Anhänger nicht mehr befürchten – laut Wikipedia hat der Mann seine Laufbahn bereits im Jahr 2017 beendet.

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