Gibt es noch Führungspersönlichkeiten im Sport?
Laptop statt Leader. . .

Greven -

Gibt es sie noch, die Führungsspieler alter Schule? Oder haben sogenannte Leader – vor allem in Individual-Sportarten – längst ausgedient?

Freitag, 26.02.2021, 18:28 Uhr aktualisiert: 26.02.2021, 18:30 Uhr
Stefan Effenberg gehörte zu den großen Persönlichkeiten im Sport.
Stefan Effenberg gehörte zu den großen Persönlichkeiten im Sport. Foto: FrankPeters

Stefan Effenberg war in seiner aktiven Fußball-Karriere sicher nicht der angenehmste Zeitgenosse. Der Mann mit dem legendären Tiger auf dem Hinterkopf – die älteren Sport-Interessierten erinnern sich – polarisierte, machte auch mal eine Journalisten-Meute öffentlich zur Schnecke, sorgte auf und neben dem Rasenrechteck für reichlich Schlagzeilen. Nicht nur positive. . . Doch als Leader war Effe unumstritten, feierte als der Mann Erfolge, der voranging, an dem sich Gegner rieben und Teamkollegen ausrichteten. Aber werden die heutzutage noch benötigt, diese heroischen Helden, an deren Stelle doch Konzepte und smarte Systeme getreten sind? Oder haben sie ausgedient, diese rostigen Ritter, die nur noch wenig zu feiern haben – außer vielleicht sich selbst?

Reinhard Rothe , Grevener Tischtennis-Legende und selbst so etwas wie ein echter Haudegen an der Platte, hat da eine klare Meinung. „Bei zwei gleichstarken Mannschaften wird der Leader den Unterschied ausmachen“, sagt Rothe, der eine entsprechende Hierarchie auch in der Solo-Sportart für unerlässlich hält. „Er treibt und zieht, hält die Moral aufrecht und sorgt innerhalb der Mannschaft für die wichtige Harmonie. In der Regel ist das der Kapitän einer Mannschaft, aber bei uns verhält es sich anders. Matthias Kaltmeier ist eher introvertiert aufgestellt. So ist es Stephan Bothe, der nicht locker lässt, der schon mal penetrant werden kann“, erklärt Rothe, der sich diesbezüglich bewusst zurückgenommen hat. „Ich bin ja auch so ähnlich aufgestellt. Aber zwei oder drei solche Typen – das wäre für eine Mannschaft nicht gut. Ich halte mich da aktuell lieber im Hintergrund.“

Paula Windauvom TVE Greven ist durchaus der Ansicht, dass ein bestimmtes Mannschaftsgefüge auch beim Turnen eine Rolle spielen kann – auch wenn es sich beim Turnen um eine Individualsportart handelt. „Auch bei den Turnmannschaften gibt es Führungspersönlichkeiten, die in einem Team gewisse Rollen einnehmen. Das kann aber auch der Trainer sein beispielsweise. Das hängt von den jeweiligen Akteuren innerhalb der Mannschaft zusammen“, weiß Windau, obwohl sie die TVE-Führungskraft nicht mehr an erster Stelle um das sportliche Abschneiden kümmert.

Schwimmen ist eine Sportart, wie sie individueller kaum sein könnte. Training und Wettkampf – da kommt es einzig allein auf die eigene Motivation und Disziplin an. So sieht es auch der Grevener Jan Kleimeiervom TVE. „Es gibt Leute, die mit ihrer Leistung vorne weg gehen und so ihre Teammitglieder motivieren. Aber den einen Mannschaftsführer, der seine Truppe im oder am Wasser mitzieht, das gibt es bei uns nicht. Und auch nicht bei großen Schwimm-Nationen wie den USA, Klar, da gibt es Athleten wie Michael Phelps, die vorne weg gehen. Aber das bezieht sich auch rein auf die Leistung im Becken. Das ist also eher ein passiver Effekt.“

Die Sportart Fußball dürfte so etwas wie das natürliche Lebensumfeld für so genannte Führungsspieler sein, wurde der Begriff Leader doch quasi auf dem Rasenrechteck geboren. Und entsprechende Persönlichkeiten seien wohl auch in der heutigen Zeit der Laptop-Trainer absolut notwendig in nahezu jeder Mannschaft. Das meint jedenfalls 09-Abteilungschef Frank Blom. „Der große Unterschied zu früher ist, diese Franz-Beckenbauer-Typen, die mit 35 Jahren immer noch in der Abwehr stehen und die Bälle verteilen, die gibt es kaum noch. Die Führungspersönlichkeiten sind einfach jünger geworden“, meint Blom, der ergänzt: „Der Fußball hat sich halt stark verändert, wenn man aktuelle Bundesligaspiele etwa mit der WM 1972 vergleicht. Aber dennoch nehmen Führungspersönlichkeiten eine wichtige Rolle ein. Die ganz jungen Talente brauchen einfach Akteure, die vorangehen. Daran hat sich nichts geändert.“

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