Ausprobiert: Golfen auf der Anlage Aldruper Heide
Schwieriger als es aussieht...

Greven -

Strahlendes Frühlingswetter und ein gemähtes Grün – beste Voraussetzungen für eine Partie Golf. Auf die Bahn mit Konrad Dömer vom Golfclub Aldruper Heide:

Donnerstag, 01.04.2021, 13:20 Uhr aktualisiert: 06.04.2021, 09:44 Uhr
Konrad Dömer spielt
Konrad Dömer spielt Foto: Luca Pals

Der Frühling zeigt sich von seiner besten Seite: Strahlend blauer Himmel, Wolken sind weit und breit nicht zu sehen, die Sonnenstrahlen bringen sommerhafte Temperaturen. Vor mir liegt eine wunderschöne Golfanlage – die Bahnen des Golfclubs Aldruper Heide. Und auch der Start einer Golf-Karriere? Ich probiere mich aus:

Konrad Dömer, von allen aus dem Verein nur „Conny“ genannt, zeigt mir wie ich den Schläger richtig zu halten habe: „Die linke Hand hält den Schläger fest, die starke rechte umschließt sie, die Daumen müssen ein bisschen übereinander gelegt werden.“ Soweit so gut, ein bisschen in die Hock gehen, parallel zum Golfball rechts neben mir stehen und diesen stets fest im Blick haben: „Ein fester Stand ist wichtig. Aber gleichzeitig nicht verkrampfen“, erklärt mir der Jugendwart des Vereins. Gemeinsam stehen wir auf der „Drivingrange“, dem Trainingsbereich des Vereins, der mittlerweile die Marke von 900 Mitgliedern übersprungen hat. Hier kann man sich ausprobieren – nach viel mehr sieht mein erster Schlag auch nicht aus: Die erste Markierung von 50 Metern erreiche ich bei weitem nicht, viel mehr fliegt der kleine Golfball mit einem Schlenker nach rechts. Der zweite ist schon besser – er fliegt nicht viel weiter, dafür aber in einer geraden Linie. Dömer erinnert sich an seine Anfänge vor zehn Jahren: „Da muss man wirklich viel trainieren, dran bleiben und nicht verzweifeln.“ Das wichtigste am Anfang? „Dass die Bälle gerade fliegen.“

Mein dritter Schlag mit dem sogenannten „Driver“, einer Schlägerart, mit der die weiteste Strecke überwunden werden kann, geht dann auch schon an die 50er Marke. Trotzdem, meine erste Bilanz, fällt schlechter als gedacht aus: Bisher habe ich lediglich alle zwei Jahre den

 

 

 

Minigolfschläger in der Hand gehabt. Mit den großen Schlägern konnte ich mich bisher nicht anfreunden.

Und dennoch verstehe ich bereits, was Dömer meint, wenn er schwärmt: „Man möchte sich immer wieder sein Handicap verbessern und mit möglichst wenig Schlägen durchkommen. Sieben Schläge auf einer Paar 4-Bahn – das ist schon wirklich sehr ärgerlich, spornt aber umso mehr an.“

Sieben auf der Paar 4

Paar 4-Bahn? Da geht es jetzt hin. „Man sagt, dass man die Bahn mit vier Schlägen schaffen kann“, erklärt Dömer, steckt zwei Golfbälle, die passenden Schläger, ein kleines Messer für Ausbesserungen im Rasen und den Tee, auf den der Golfball beim Abschlag gelegt wird, ein: „Damit kann es los gehen.“

Dömer spielt vor: Drei Schläge braucht er bis auf das Grün, hier kommt der Putter zum Einsatz. Dieser wird dann wichtig, wenn das Ziel bereits in greifbarer Nähe ist: „Jetzt kommt es vor allem auf Genauigkeit, Präzision und Gefühl an. Das ist der große Unterschied zu den Abschlägen vorher“, plaudert Dömer aus dem Nähkästchen, fixiert gleichzeitig den Ball an und schlägt. Es ist eher ein Stupsen. Sachte rollt der Golfball in Richtung Loch – und an diesem vorbei: „Mist, doch ein bisschen zu weit“, ärgert sich der Jugendwart. Emotionalität ist auf dem Golfplatz natürlich erlaubt. Nur: „Es gehört zur Etikette, dass man die anderen nicht stört.“

Golf ist kein Elitensport

Diese Etikette lernen alle Neueinsteiger. Ohne sie gibt es keine Platzreife. Und ohne diese geht es auch nicht auf den Rasen. Dazu würden zwar auch Regeln zu Kleidung und Benehmen gehören, aber: „Es ist bei weitem nicht mehr so wichtig wie früher. Das hat sich seitdem ich dabei bin, auch schon sehr gelockert.“

Damit spielt Dömer auf den Stereotyp der elitären Sportart an: „Das haftet uns vielleicht an, aber wir verstehen uns selber als den freundlichen Landclub. Natürlich kann jeder so zu uns kommen, wie er ist.“

Zu Beginn stellt der Verein Schläger, Bälle und vieles mehr. Nach oben gäbe es im Preisniveau zwar kein Ende, aber: „Erfahrene Spieler verkaufen bei uns ihre alten Sätze meist für günstiges Geld. Gerade für Einsteiger ist das gut.“ Dömer selber besitzt immer noch den gleichen Caddy mit denselben Schlägern wie zu Beginn seiner Golf-Karriere: „Ich bin ein Spätzünder, habe den Sport im Alter für mich entdeckt. Zusammen mit meiner Frau macht es unglaublich viel Spaß.“ Mit der Mitgliedschaft im Golfclub an der Aldruper Heide können die Dömers auch alle anderen Golfplätze im Münsterland nutzen – zum halben Preis.

Aber zurück auf die Bahn in Greven: Ein weiterer Schlag reicht und der Golfball liegt im wenige Zentimeter entfernten Loch. Ein Grund zur Freude? Eher weniger. „Das hätte besser sein können.“

Naturnahes Bewusstsein

 

Auf dem Weg zur nächsten Bahn geht es an einem der Teiche des mehrere Hektar großen Areals vorbei. 18 Bahnen kann der Golfclub seinen Mitgliedern anbieten, aktuell wird weiter ausgebaut. Dömer: „Unser Club wächst. Auch im Jugendbereich. Über 100 Mitglieder haben wir da schon.“ Um den Anforderungen gerecht zu bleiben, werden aktuell auch die letzten rechtlichen Fragen für eine benachbarte Ackerfläche geregelt: „Dann weiten wir uns auch dahingehend aus.“

Dem Verein ist es ein Anliegen, die Natur nicht aus dem Auge zu verlieren: „Uns ist unsere Umwelt besonders wichtig. Daher auch die Teiche und die Beete, die wir anlegen. Für die Zukunft sind wir mit einem Imker im Gespräch, der seine Bienen vielleicht auf unserem Gelände ansiedeln könnte.“ Ganz im Sinne des freundlichen Landclubs eben.

Übrigens: Wer sich gewundert hat, hier die Auflösung. Durch das Hygienekonzept des Vereines ist es aktuell den Mitgliedern erlaubt, die Bahnen zu benutzen. Auf den Parkplätzen, im Vereinsbüro und auf dem Weg zu den Bahnen müssen lediglich Masken getragen werden. Auf den Bahnen selber sind die Spieler zu zweit und haben einen Acht-Minuten-Vorsprung vor dem nächsten Paar.

Mitglieder buchen was das Zeug hält

Dömer kann nur für eine Beibehaltung der aktuellen Möglichkeiten werben: „Wir halten Abstand und sind an der frischen Luft – besser kann es doch gar nicht sein.“ Denken sich auch die Mitglieder: „Aktuell sind wir komplett ausgebucht, Gäste von Auswärts können wir wie sonst schon gar nicht mehr bedienen.“ In den Monaten Dezember und Januar musste auch der Club wegen des Lockdowns schließen.

Nach einer weiteren Bahn geht es zurück zum Parkplatz – Maske auf, Schläger abgeben und vielleicht „Auf Wiedersehen“. Bei meiner Premiere hat zwar nicht alles geklappt, dran zu bleiben – das kann ich mir aber durchaus vorstellen.

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