Gronau
Mission Meisterschaft

Freitag, 13.02.2009, 17:02 Uhr

Gronau - Dienstagabend, Trainingsabend . Die Enttäuschung des vergangenen Wochenendes steht den Handballern vom HSC Gronau ins Gesicht geschrieben. Weil die Schiedsrichter nicht erschienen, fiel das Spitzenspiel gegen den TV Borghorst ins Wasser. Zeit, sich darüber zu ärgern, bleibt keine mehr. Kozentriert und engagiert nimmt der HSC die erste Übungseinheit in Angriff. WN-Mitarbeiter Nils Reschke begleitete den Kreisligist auf seiner „Mission Meisterschaft “ und verbrachte hautnah eine Woche mit dem Spitzenreiter.

Freitag, 6. Februar, 18.55 Uhr: Im Jugendzentrum St. Josef herrscht hektische Betriebsamkeit. Der Stadtjugendring wählt einen neuen Vorstand. Nach und nach trudeln auch gut gelaunt die Handballer des HSC Gronau ein. Ihre Mission an diesem Abend ist eine andere: Trainer Andreas Schwartz bittet zur Videoanalyse: „Nehmt den Gegner ernst, sonst erleben wir eine böse Überraschung.“ Der Kontrahent heißt Vorwärts Gronau. Das Ziel: Derby-Sieg. Gemeinsam mit dem Coach erarbeitet das HSC-Team konzentriert Stärken und Schwächen der Blau-Weißen, die dann auch per Videoaufzeichnung ihres Spiels gegen Arminia Ochtrup veranschaulicht werden. Das Ergebnis: Eine 3:3-Deckung soll am Sonntag zum Erfolg führen.

20.50 Uhr: Geschlossen fährt die Mannschaft zum Abschlusstraining. Doch gedrosselt wird das Tempo der Übungseinheiten keineswegs. „Voller Einsatz“, fordert Andreas Schwartz immer wieder von seinen Schützlingen, die mächtig auf die Tube drücken. „Ihr müsst brennen. Ich will mehr Feuer sehen“, schallt es energisch durch die Sporthalle. Die Zeit vergeht wie im Flug, ehe die automatische Zeituhr um 22.15 Uhr das Licht erlischen lässt.

Sonntag, 8. Februar, 10.30 Uhr: Beim gemeinsamen Team-Frühstück in der Gaststätte Gleis sind dieses Mal auch die „Spielerfrauen“ mit dabei. Um 12 Uhr schwört Andreas Schwartz dann zum ersten Mal seinen Kader ein: „Jungs, entspannt euch. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Dann geht jeder ein letztes Mal seiner Wege. Noch vier Stunden bleiben bis zum Ortsduell.

16 Uhr: Die HSC-Spieler treffen sich in der Kabine und streifen ihre Trikots über. Alle sind hoch konzentriert. Es wird kaum gesprochen. Das erledigt der Coach: „Dies hier ist unser Spiel. Wir sind der Tabellenführer und holen uns die Big Points.“ Bevor es zum Warmmachen geht, verkündet der Trainer die Aufstellung. „Sascha beginnt im Tor“, wird die letzte Personalie geklärt. Sein Keeper-Kollege Tim Schreen reicht ihm einen kleinen Zettel, auf dem alle Vorwärtsler und die von ihnen bevorzugten Würfe notiert sind. Sofort erinnert man sich an eine Szene bei der Fußball-WM mit Jens Lehmann und Oliver Kahn...

16.47 Uhr: Und wieder ein Schwank vom Sommermärchen 2006. Wie damals der gesperrte Torsten Frings erhebt sich nach dem Warmup HSC-Neuzugang und Ex-Vorwärtsler Leo Ludewig, der im Derby noch nicht mitwirken darf: „Wir werden ganz Gronau zeigen, dass harte Arbeit und Vorbereitung sich auszahlen. Ich will diesen Sieg.“ Die letzten Worte werden fast vom dröhnenden Gesang der „Guano Apes“ verschlungen, die nun aus dem CD-Player röhren. Man versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Als der Einheiz-Song dann endlich verstummt, macht sich der HSC auf den Weg. Andreas Schwartz klatscht jeden Einzelnen seiner Spieler ab. Im Hallengang hört man das Getrommel der eigenen Fans. Das Derby kann beginnen.

Erste Hälfte: Und es beginnt alles andere als ansprechend. Schon nach einer Viertelstunde stellt Schwartz die Taktik wieder um. Seine Spieler wirken nervös. Erst ein Foul an Thorben Woltering sorgt für ein Aha-Erlebnis. Schwartz eilt wie von der Tarantel gestochen aufs Feld, liefert sich ein wildes Wortgefecht mit seinem Gegenüber Wolfgang Westhoff. Mit einem 13:7 kämpft sich Rot-Blau in die Pause.

Halbzeit: „Holt erst einmal Luft“, fordert Schwartz. Sascha Schalk, der anfangs einen unsicheren Eindruck hinterließ, kommt zwei Minuten zu spät: „Entschuldigt, die erste Viertelstunde geht auf meine Kappe.“ „Wir sind ein Team“, unterbricht ihn der ansonsten eher ruhigeren Vertreter Dennis Kallabis energisch. Andreas Schwartz beginnt sachlich mit seiner Analyse. Dann auf einmal explodiert er: „Das waren erst 40 Prozent. Wir müssen besser werden.“

Zweite Hälfte: Doch wieder kämpft sich Vorwärts heran, gleicht sogar aus. Der HSC-Coach beweist das richtige Näschen. Bislang schmorrte Bastian Hofstedde auf der Bank, jetzt darf er ran - und erzielt prompt die erneute Führung. Dieses Mal verspielen die HSCler ihren Vorsprung nicht mehr. Die Fans auf der Tribüne sind aus dem Häuschen, fordern die Mannschaft. Der aber bleibt nur kurz Zeit für gemeinsamen Jubel. Auslaufen, Dehnen, Massage - das zweite Spitzenspiel gegen Borghorst wirft bereits seine Schatten voraus.

Dienstag, 10. Februar, 20 Uhr: Der Abschluss einer ereignisreichen Woche, die vor sieben Tagen noch enttäuscht begonnen wurde. Dieses Mal allerdings sind auch die Schiedsrichter anwesend. Und so steigt das Spitzenspiel, in dem sich der HSC trotz müder Beine und einem 5:11-Rückstand zurück ins Match beißt. TVB-Coach Horst Cielejewski moniert später einen „übertrieben hohen Körpereinsatz“ der Gronauer. Treffender ist wohl: Der HSC ist sich seiner Riesenchance bewusst, beendet die „Woche der Wahrheit“ mit einem 30:25-Erfolg, einem Meilenstein zur Meisterschaft. Andreas Schwartz fällt zu später Stunde eine Zentnerlast vom Herzen. Stolz bedankt er sich bei jedem seiner Spieler, als habe er es kommen sehen. Noch nie nämlich verlor der HSC-Coach in der Halle 2. „Die ist und bleibt eben mein zweites Wohnzimmer...“

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