Groundhopper Jens-Uwe Hanssen erweitert Stadion-Sammlung in Gronau
Wembley, Bernabeu, Fortuna-Sportpark

Gronau -

Was hat der Fortuna-Sportpark in Gronau mit Stadien gemeinsam, die so klangvolle Namen wie Wembley, Giuseppe Meazza oder Bernabeu haben? Sie alle gehören zur Sammlung von Jens-Uwe Hanssen. Der Remscheider ist ein sogenannter Groundhopper. Die sammeln Stadien wie andere Menschen Briefmarken oder Bierdeckel. In Gronau hat Hanssen bei der Fußball-Stadtmeisterschaft die Gelegenheit genutzt, seine Sammlung zu erweitern.

Dienstag, 20.08.2013, 09:08 Uhr

Groundhopper Jens-Uwe Hanssen bekam bei seinem Besuch an der Laubstiege von Fortuna Gronau einen Wimpel überreicht.
Groundhopper Jens-Uwe Hanssen bekam bei seinem Besuch an der Laubstiege von Fortuna Gronau einen Wimpel überreicht. Foto: Dirk Jäger

Doch was zieht jemanden, der weltweit in insgesamt 80 Ländern, darunter in China, Japan, Singapur, Argentinien, den USA, Kanada und Südafrika, schon über 5900 „Grounds“ gesehen hat, ausgerechnet zu einem Bezirksliga-Aufsteiger nach Gronau? „Als ich mal auf dem Rückweg von einem Stadion-Besuch in Holland war, bin ich durch Gronau gekommen und habe gesehen, dass da eine kleine Anlage mit Tribüne ist“ erzählt er. „Und da sie mir noch fehlte, habe dann im Internet recherchiert, bin auf die Stadtmeisterschaften gestoßen und habe mit Dirk Jäger, dem Facebook-Administrator von Fortuna Gronau, Kontakt aufgenommen“, berichtet der 47-Jährige. Bei seinem Besuch an der Laubstiege bekam er vom Verein einen Wimpel überreicht.

»Die großen Arenen sind oft steril. Es gibt kleine Stadien mit schönen alten Holztribünen, die viel mehr Flair haben.«

Jens-Uwe Hanssen

Für Jens-Uwe Hanssen müssen es ganz bewusst nicht nur die gigantischen Arenen rund um den Globus sein. „Die sind oft steril. Es gibt kleine Stadien mit schönen alten Holztribünen, die viel mehr Flair haben“, meint er. Und so hat der Remscheider nicht nur schon die Spielstätten sämtlicher deutscher Clubs von der ersten bis zur vierten Liga und fast sämtlicher Oberligisten („Da fehlen mir nur noch sieben“) gesehen, sondern dringt auch tief in die „Provinz“ ein. „Ich bin jedes Wochenende auf Reisen und versuche, so viele Stadien wie möglich mitzunehmen. Manchmal schaue ich mir hier um 11 Uhr das Spiel einer Jugend-Mannschaft an, um 13 Uhr dort die Partie einer Reserve, bin auf dem nächsten Platz um 15 Uhr bei einer 1. Mannschaft – und wenn in der Nähe um 18 Uhr ein weiteres Spiel ist, nehme ich das auch noch mit“, so Hanssen. „Grundvor­aussetzung ist aber immer, dass das Spiel auf dem Hauptplatz stattfindet“, beschreibt er eine Regel des strengen Ehren-Kodexes für Groundhopper.

»hatte mir irgendwann eigentlich nur vorgenommen, alle 92 Profi-Vereine in England zu besuchen.«

Jens-Uwe Hanssen

Seit Ende der 80er Jahre betreibt Hanssen sein Hobby, das einst von England auch nach Deutschland hin­überschwappte. „Ich war damals schon ein großer Fan des englischen Fußballs und hatte mir irgendwann eigentlich nur vorgenommen, alle 92 Profi-Vereine in England zu besuchen“, berichtet er. Auf einer Fähre lernte er dann jemanden kennen, der dieses Vorhaben bereits in die Tat umgesetzt hatte und als Groundhopper längst neue Ziele anstrebte. „Ab da bin ich dann auch durchgestartet“, erzählt der Lagerist. Anfang der 90er Jahre war das allerdings noch organisatorisch eine echte Herausforderung. „Es gab ja noch kein Internet, also musste ich mir die Termine über Videotext oder die Sportbild heraussuchen, Vereine direkt anschreiben oder Spielpläne bei Verbänden anfordern“, erzählt er. Immer mit der Gefahr, von kurzfristigen Spielverlegungen nichts mitzubekommen. „Bei Rapid Wien stand ich nach der langen Anreise beispielsweise mal vor verschlossenen Toren“, erinnert er sich. Heute helfen Online-Angebote für Groundhopper , solche Enttäuschungen zu vermeiden.

»National bin ich damit ganz klar die Nummer zwei.«

Jens-Uwe Hanssen

In gut 20 Jahren ist der Remscheider, der auf einer eigenen Homepage über seine Reisen berichtet, schon auf 5912 verschiedene „Grounds“ gekommen – so war zumindest der Stand am vergangenen Freitag. Doch da standen schon acht weitere in Süddeutschland für das folgende Wochenende auf dem Programm. „National bin ich damit ganz klar die Nummer zwei“, sagt Hanssen, der in der Rangliste nur einen Gleichgesinnten vor sich hat – den 72-Jährigen, den er 1989 auf besagter Fähre traf. „Ich schätze, der hat rund 9000 Stadien besucht.“

»Ich hätte gerne mal das alte Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro besucht. Aber das haben sie ja für die WM leider verschandelt.«

Jens-Uwe Hanssen

Eine Zahl, die auch Hanssen durchaus noch erreichen kann. „Ich habe ja noch ein paar Jahre Zeit.“ Ein Traum wird dabei aber unerfüllt bleiben: „Ich hätte gerne mal das alte Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro besucht. Aber das haben sie ja für die WM leider verschandelt“, ist er enttäuscht. Einen anderen Wunsch will er sich aber unbedingt irgendwann erfüllen: Stadien in Australien und Neuseeland zu besuchen. Vorher warten aber noch andere Ziele: am 30. August das Prager Eden-Stadion, wo das europäische Supercup-Finale steigt, und im Dezember Marokko, wo die Club-WM stattfindet. Dort hofft Jens-Uwe Hanssen, das Glück zu haben, nach dem Champions-League-Finale im Wembley-Stadion weitere Titel seiner Lieblingsmannschaft FC Bayern München live miterleben zu können. So gesehen konnte der Besuch im Fortuna-Sportpark sicher nicht schaden.

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