Adieu, Sommerpause
Unfreiwillige Saisonverlängerung

Ü ber Sinn und Unsinn einer Relegation in der Fußball-Bundesliga ist bereits vortrefflich gestritten worden. Der Hamburger SV hat sie nun schon zum zweiten Mal dank­end mitgenommen. Ansonsten wäre der Dino der Bundesliga längst ausgestorben.

Montag, 15.06.2015, 18:06 Uhr

Vom Aussterben bedroht ist bei den Amateuren eine andere Spezies: die Sommerpause . Dass die Meister in den A-Ligen Ahaus , Coesfeld und Lüdinghausen nicht automatisch in der kommenden Saison in der Bezirksliga mitspielen dürfen, sondern diverse Relegationsspiele bestreiten müssen, ist unglücklich – und führt die erzielten Leistungen der Titelträger ad absurdum.

Irrsinnig wird es nicht nur wegen des ohnehin prall gefüllten Terminkalenders, wenn dann auch noch Entscheidungsspiele benötigt werden, um überhaupt die Paarungen der Relegation zu ermitteln. Anders als in den Bezirksligen zählt ab den A-Ligen abwärts das Torverhältnis bei Punktgleichheit nämlich nicht.

Warum eigentlich? Ist im Keller des Amateurfußballs die Gefahr größer, dass Titelentscheidungen durch besonders deutliche Resultate beeinflusst werden könnten? Spielausfälle und Spielwertungen gibt es tatsächlich häufiger als in höheren Ligen, das kann zu Wettbewerbsverzerrung führen.

Doch das bessere Torverhältnis alleine muss ja nicht einziges Entscheidungskriterium bleiben. Auch der direkte Vergleich der punktgleichen Teams wäre eine bessere Lösung. Wenn die momentanen Regeln vorsehen, diese Mannschaften ohnehin gegeneinander antreten zu lassen, warum wird nicht zuerst darauf geschaut, wie sie sich zuvor bereits zwei Mal im direkten Duell geschlagen haben?

RW Nienborg ist in dieser Saison einer der Leidtragenden. Die Rot-Weißen sind Zweiter in der Kreisliga B, wissen aber Stand jetzt nicht, ob sie denn direkt aufsteigen dürfen – oder doch noch ein Relegationsspiel zu bestreiten haben. Das wiederum hängt von so vielen Faktoren und Ergebnissen ab, dass einem schwindelig wird. Bis zu zwei Wochen steckt RWN im Stand-by-Modus.

Die Folge (nicht nur in Nienborg): Vereinen fehlen die Spieler, die irgendwann logischerweise auch mal Urlaub machen wollen oder unter der Woche arbeiten müssen, wenn Relegations- oder Entscheidungsspiele angepfiffen werden. Mannschaftsfahrten etwa können erst gar nicht endgültig geplant werden. Sind dann alle Entscheidungen getroffen, braucht es auch keine Sommerpause mehr. Die Vorbereitung auf die Saison 2015/16 steht an. Am 2. August geht es bereits mit der ersten Pokalrunde weiter.

Hat eigentlich irgendjemand mal daran gedacht, dass hier Amateursportler gegen den Ball treten? Die feinen Herren Profis aalen sich bereits in der Sonne. Selbst die vom Hamburger SV.

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