Jochen Wessels zieht als Trainer Bilanz
„Die Mannschaft hat viel Potenzial“

Epe -

Fünf Jahre Trainer bei Vorwärts Epe – jetzt hat Jochen Wessels seinen Vertrag auf eigenen Wunsch nicht mehr verlängert. Er zieht Bilanz seiner Zeit bei dem Bezirksligisten.

Samstag, 04.06.2016, 11:06 Uhr

Gut fünf Jahre hat Jochen Wessels als Trainer bei Vorwärts Epe die Richtung vorgegeben.
Gut fünf Jahre hat Jochen Wessels als Trainer bei Vorwärts Epe die Richtung vorgegeben. Foto: Stefan Hoof

Jochen Wessels ist als Trainer von Vorwärts Epe beim letzen Heimspiel gegen den TuS Gahlen verabschiedet worden. Fünf Jahre hatte er die sportliche Verantwortung am Wolbertshof. Eine Bilanz seiner Tätigkeit zieht er im Gespräch mit WN-Redakteur Erhard Kurlemann.

Wie hat der Weg (wieder) zu Vorwärts Epe geführt?

Wessels: Der erste Weg war hat über Kontakte entstanden. Im Winter 2010/11 liefen die Gespräche mit Rolf Joerden. Damals war der damalige Trainer entlassen worden. Beim zweiten Mal, im Winter 2012/13, auch wegen eines Trainerwechsels. Seinerzeit war ich mit Dirk beim FC Schüttorf 09 und habe die A-Jugend in der Landesliga trainiert und hatte ein Ausstiegsklausel. Wir sind uns dann schnell einig geworden. Wir kannten uns ja nun schon und wussten schon den jeweiligen Gesprächspartner einzuschätzen. Sportlich war mir ja alles bekannt.

Als Du in der Saison 2010/11 angefangen bist, hast Du damals erwartet, dass es fünf Jahre werden könnten?

Wessels: Das kann man ja im Trainerleben nie planen. Zu sehr wirst du an Erfolg und Misserfolg gemessen.

Ein Blick auf die Zeit: Was gibt es zu bemerken?

Wessels: Die Philosophie mit vielen jungen Spieler eine spielstarke Mannschaft aufzubauen war schon reizvoll. Aber Rückschläge und Lehrgeld waren dadurch auch vorhersehbar. Schließlich ist der eigene Spaßfaktor eine elementare Voraussetzung. Und Fußball macht einfach Spaß.

Wie hast Du den Verein vorgefunden?

Wessels: Es gab ja eine Basis. Der Verein will/wollte mit Spielern aus Epe und Gronau eine spielstarke Mannschaft aufbauen, die im oberen Drittel mitspielen kann. Das galt es weiter zu forcieren. Dabei war klares Ziel, aus der eigenen Jugend und Verein Spieler gezielt einzubauen.

Wie übergibst Du den Verein an Nachfolger Dirk Bültbrun?

Wessels: Na, den Verein übergebe ich ja nicht. Die erste Mannschaft hat viel Potenzial, gerade die jungen Spieler. Aus der Jugend werden in den nächsten zwei oder drei Jahren gute Spieler nachrücken. Schon in dieser Saison haben regelmäßig gute Spieler aus der A- und B-Jugend mittrainiert, die viel Spass machen. In den letzten Jahren sind dann Spieler wie Max Peters, Kevin Hütten, Mathias Naber, Justin Bauer, Vincent Wenker, Patrick Leuders aus der eigenen Jugend absolute Stammspieler geworden. Auch Spieler wie Philipp Gröber, Nail Kaplan, Marcel ter Haar, Johannes Yarburg waren absolute Leistungsträger aus Gronau und Epe. Leider gab es während der Saison aus beruflichen und privaten Gründen die Abgänge von Johannes Yarburg und Nail Kaplan, aber eine gute Basis mit vielen jungen Spielern ist da. Auch ein Florian Albers ist nicht zu vergessen, ein absoluter Leistungsträger, der in dieser Saison aus beruflichen/Studiengründen nicht mehr im Kader stand und in der zweiten Mannschaft spielt. Florian konnten wir in dieser Saison eigentlich nicht ersetzen.

Sieg und Niederlagen gehören zum Trainerdasein einfach dazu, mitunter spielen auch Pech und Glück eine Rolle?

Wessels: Natürlich umschreibt man das so. Lassen wir das mal so stehen. Fußball wäre so einfach, wen der Gegner nicht da wäre. Glück muss man sich auch manchmal erarbeiten, aber auch mal anerkennen, wenn der Gegner besser war.

Eine Niederlage ist für mich ärgerlich, wenn?

Wessels: Im Fußball besonders dann, wenn man nicht alles dafür getan hat, ein Spiel gewinnen zu wollen oder sich schlecht vorbereitet hat. Generell hasse ich Niederlagen.

Gibt es eine Erinnerung an ein wirklich schlechtes Spiel? Oder gar mehrere?

Wessels: Sicher gibt es diese Erinnerungen. Auch die hatten wir. Bei uns war es in dieser Saison leider so, dass nach einem guten Spiel oft ein schlechteres Spiel kam. Da fehlte dieses Jahr die Konstanz. Leider hatten wir oft verletzte Spieler, Berufsbedingte Abwesenheiten. Das ganz Dilemma spiegelt sich auch darin wider, dass wir weit mehr als 30 Spieler in dieser Saison eingesetzt haben. In jedem Spiel mussten wir mit einer anderen Anfangsformation beginnen.

Ein Sieg ist für mich besonders erfreulich, wenn?

Wessels: Besonders erfreulich, wenn Fußball „gespielt“ wird. Ich bin ein Fan vom Offensiv-Fußball. Schnelle Passfolgen auf dem Boden, sicheres und klares Passspiel und natürlich verbunden mit vielen durchdachten Angriffskombinationen über das Zentrum und die Flügel. Ich musste gerade im Laufe der Rückserie unsere taktische Marschroute aus diversen Gründen ändern und wir haben mehr aus der Defensive agiert.

Gibt es eine Erinnerung an ein wirklich gutes Spiel? Oder gar mehrere?

Wessels: Auch hier gibt es viele Erinnerungen. Sicher wird das letzte Spiel in guter Erinnerung bleiben. Da haben die Spieler teilweise noch mal gezeigt, welches Potenzial in ihnen steckt. Aber nicht nur gute Spiele bleiben in gute Erinnerung. Ich habe viele gute Menschen kennen gelernt. Mit Dirk Werenbeck einen guten Co-Trainer gehabt, wir haben uns immer exzellent ausgetauscht. Er hat auch im organisatorischen Bereich viel gemacht oder leider auch machen müssen. Auch das Team drum herum war toll. Da geht am Ende sicher auch mit einem weinenden Auge.

Wenn Du zurückblickst: Welche Ziele hast Du mit Vorwärts erreicht? Und warum?

Wessels: Besonders, dass wir viele junge Spieler in die Mannschaft einbauen konnten und diese zu Stammspielern wurden. Gerade Vincent Wenker und Patrick Leuders haben einen enormen Sprung gemacht. Nicht nur gute Fußballer, sondern auch charakterlich tolle Jungs. Die mussten wir seinerzeit etwas zum Glück zwingen. Eigentlich war ihnen der Aufwand zu groß, aber beide sind in jungen Jahre schon Leistungsträger. Generell war die Einbindung der Nachwuchsspieler unser Ziel, und das haben Dirk und ich auch konsequent durchgezogen. Und da meine ich auch mit Erfolg.! Auch wollten wir offensiven Fußball spielen. Bis auf diese Rückserie ist es auch gelungen. Immer im oberen Drittel mitspielen, war ein weiteres Ziel. Das haben dieses Jahr leider nicht ganz erreicht.

Und welche Ziele nicht? Und warum?

Wessels: Besonders in diesem Jahr war schon das Bestreben da, sich mal unter die ersten Drei festzusetzen. Wir hatten da schon einen durchaus namhaften Kader. Auch im Umfeld hat man uns schon in hohe Tabellenregionen gehoben. Aber wir hatten auch einen charakterlich schwierigen Kader. Und mussten daher auch noch drastische und unangenehme Dinge mit Konsequenzen durchziehen. Aber auch Verletzungsproblemen und berufliche Gründe haben die Mannschaft geschwächt. Somit haben wir das Ziel nicht erreicht.

Warum endet die Ära Wessels jetzt nach fünf Jahren?

Wessels: Das war mein eigener Wunsch. Im November habe ich schon gesagt, dass ich nicht verlängern möchte.

Wohin geht der Weg des Trainers Jochen Wessels?

Wessels: Da ich ja Samstag noch bei den Alten Herren spiele, bleibe ich dem Fußball sicher verbunden. Ein neues Traineramt habe ich nicht angenommen. Erst mal Urlaub machen und dann wird es sicher mal wieder den Trainer Jochen Wessels geben.

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